Langerwehe - Besondere Wohngemeinschaft: Ehepaar nimmt Flüchtling auf

Besondere Wohngemeinschaft: Ehepaar nimmt Flüchtling auf

Von: Sandra Kinkel
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Bilden seit Anfang November eine Wohngemeinschaft: Familie S. aus Langerwehe und P. aus Nigeria. Foto: kin

Langerwehe. „Vertrauen muss da sein. Das ist die allerwichtigste Voraussetzung.“ Vertrauen, das die Eheleute S. (63) haben. Die beiden, die nicht mit ihrem Namen in der Zeitung erscheinen möchten, haben seit Anfang November einen Flüchtling bei sich zu Hause aufgenommen. P., der seinen Namen ebenfalls nicht nennen möchte, ist Anfang 20 und kommt aus Nigeria.

P. ist nicht der erste Asylsuchende, der bei Langerweher Familie eine neue Heimat gefunden hat. Vor einigen Jahren hat ein Junge aus Guinea für viereinhalb Jahre in ihrem Haus gewohnt. Herr S.: „Der Junge war erst 16, als er zu uns gekommen ist. Das war schon anders als heute mit unserem Mitbewohner. Aber wir haben auch die Zeit damals als große Bereicherung empfunden.“ Der junge Guineaner hat in Langerwehe sein Abitur gemacht, später eine Ausbildung absolviert. Kontakt zu Familie S. hat er immer noch, auch wenn er mittlerweile in einer eigenen Wohnung lebt.

Aber warum haben die S. sich entschlossen, noch einmal einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen? Herr S. erklärt das so: „Wir haben den Platz, unsere drei Kinder wohnen nicht mehr zu Hause. Und es geht uns gut.“ Seine Frau ergänzt: „Es war uns aber auch ganz wichtig, dass unsere Kinder damit einverstanden sind, dass jemand bei uns lebt. Alle drei haben sofort zugestimmt.“

Das Ehepaar hat sich an den Arbeitskreis Asyl in Langerwehe gewandt, der gerade versucht, ein Patenschaftsprogramm für Flüchtlinge auf die Beine zu stellen. „Innerhalb von einer Woche hatten wir Kontakt zu unserem Mitbewohner. Und der konnte es kaum abwarten, so schnell wie möglich bei uns einzuziehen.“ Der junge Nigerianer ist seit anderthalb Jahren in Langerwehe, er ist über Italien nach Deutschland gekommen und hat zuletzt in einer Asylunterkunft in der Töpfergemeinde gewohnt. „Das war schwer“, erzählt er. „Auch, weil ich mir mit völlig Fremden ein kleines Zimmer teilen musste.“

Bei den S. bewohnt der Afrikaner einen 16 Quadratmeter großen Raum, der früher der Tochter des Ehepaares gehört hat. Er hat ein eigens Bad und einen Kühlschrank. Die Gemeinde zahlt die Miete für die Unterkunft. Herr S.: „Wir sind von den zuständigen Mitarbeitern der Verwaltung gut beraten worden. Und es ist auch alles sehr schnell gegangen. Das lag aber sicherlich daran, dass wir schon bekannt waren und schon einmal einen Flüchtling bei uns aufgenommen haben.“

„Wir haben jetzt eine Wohngemeinschaft“, ergänzt die Ehefrau. Und zwar eine mit klaren Regeln. Ist die Wohnzimmertür seiner Gastfamilie geschlossen, weiß P., dass die beiden nicht gestört werden möchten. „P. wohnt bei uns im Haus. Er hat keinen eigenen Eingang. Das funktioniert nur, wenn beide die Privatsphäre des anderen respektieren.“ Trotzdem ist die WG von Familie S. und ihrem Gast aus Nigeria viel mehr als nur miteinander wohnen. Entweder wird gemeinsam oder abwechselnd gekocht, oft für alle. Die Langerweher unterstützen ihren Gast bei den Hausaufgaben, der junge Mann versucht, an der Volkshochschule seinen Hauptschulabschluss zu machen. Sie haben Kontakt zu seinen Lehrern, regelmäßig lernen sie mit ihm Deutsch, helfen bei Mathematik.

Die beiden haben für P. ein Konto eingerichtet, auf das er sein Geld einzahlen kann. An Thanksgiving waren alle Drei bei einer afrikanischen Gemeinde in Broichweiden. „Sicherlich ist es ein Vorteil, dass unser Gast auch Christ ist. Das macht viele Dinge einfacher“, sagt Frau S. „Es ist einfach weniger kompliziert.“ Überhaupt sei der Nigerianer ein sehr fröhlicher, offener und motivierter junger Mann. „Es kommt unglaublich viel zurück.“ P. gibt das Kompliment an „seine“ Familie gleich weiter. „Hier kann ich in Ruhe lernen. Ich fühle mich sehr wohl und bin total dankbar, dass ich hier sein darf.“

Der junge Afrikaner wünscht sich, dass er in Deutschland bleiben kann, sein Asylverfahren läuft. Er hat ein Jahrespraktikum bei einer Dürener Druckerei gemacht und hofft, mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche irgendwann einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Seine Gasteltern werden ihm sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und sie hoffen, dass ihr außergewöhnliches Beispiel Schule macht. „P. ist wirklich eine Bereicherung für uns und unser Leben. Und er gibt uns das Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, auch wieder zurück.“

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