Düren - Berufsparcours: Minipraktikum in zehn Minuten

Berufsparcours: Minipraktikum in zehn Minuten

Von: Nina Leßenich
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Gemeinsames Ausprobieren: Beim Berufsparcours in der Arena Kreis Düren konnten 582 Neuntklässler in verschiedene Berufe schlüpfen. Foto: Nina Leßenich
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Sind überzeugt von dem Konzept: Karsten Kieper und Karin Ressel. Foto: Nina Leßenich

Düren. 582 Jugendliche von sieben Schulen, neun Unternehmen, 19 Stationen und fünf Stunden Zeit, um sich gegenseitig kennenzulernen: Am vergangenen Donnerstag ist in der Arena Kreis Düren Berufsparcours angesagt gewesen. Das Konzept dahinter: eine Mischung aus Blind Date und Minipraktikum.

Karin Ressel hat den Berufsparcours erfunden und tourt damit seit inzwischen fast 20 Jahren durch ganz Deutschland. „Ich bin selbst Arbeitgeberin und habe über die Jahre bemerkt, dass es immer schwieriger wird, bestimmte Ausbildungsberufe an die Jugendlichen zu bringen“, sagt Ressel.

Denn die läsen schließlich keine Zeitungsanzeigen mehr – und obendrein hätten sich viele Berufsbezeichnungen in den vergangenen Jahren verändert. „Wir müssen Berufe richtig präsentieren, damit die Jugendlichen sie verstehen“, sagt Ressel. Und macht genau das mit ihren Veranstaltungen.

In kleinen Gruppen haben die Jugendlichen jeweils zehn Minuten Zeit, um sich an für bestimmte Berufsgruppen typischen Arbeitsaufgaben zu versuchen. In der Rolle eines Gebäudereinigers etwa werden Teppiche erst mit Kaugummi beschmiert und müssen anschließend wieder auf Vordermann gebracht werden. An anderen Stationen werden Drahte zu Ösen gebogen, Verpackungen zugeschnitten oder verschiedene Metallteile miteinander verschraubt.

„Wir brauchen dringend Nachwuchs“, sagt Christoph Stecher vom Unternehmen Multi Packaging Solutions. Es sei oft schwer, spezifische Berufe wie etwa den eines Medientechnologen zu bewerben. „Wie sollten Schüler auch auf einen so spezifischen Beruf aufmerksam werden, wenn sie noch nie Kontakt dazu hatten?“

Den Berufsparcours halte er folglich für eine gute Chance, um Schülern zu zeigen, wie genau sein Beruf funktioniert – und um Kontakte zu knüpfen. Wenn sich ein Schüler bei dem Minipraktikum besonders gut anstellt, bekommt er von Stecher eine Einladung zu einem Schnuppertag.

Auch die anderen beteiligten Unternehmen gehen ähnlich vor. Wer Interesse zeigt oder den Unternehmen positiv auffällt, bekommt weitere Informationen zu dem Ausbildungsberuf und wird eventuell sogar zu einem Praktikum eingeladen.

„Manche Schüler schaffen unsere Aufgaben auf Anhieb innerhalb von nur zwei Minuten“, berichtet etwa Marion Krischer von der technischen Weberei GKD. „Die bekommen dann sofort einen Flyer von uns in die Hand gedrückt. Im Praktikum lernen wir uns dann eventuell besser kennen.“

Schüler geben Noten

Das Programm wird jedoch nicht nur von den Unternehmen positiv bewertet. Auch die Schüler sind begeistert. „Wir finden das total gut“, sagen Angela und Ajdan von der GHS Birkesdorf. „Wir können uns so von vielen Berufen ein viel besseres Bild machen.“

Wie gut den Schülern die verschiedenen Berufe gefallen, dürfen sie in Schulnoten bewerten: Hat eine Station besonders viel Spaß gemacht, gibt es eine Eins. Klappt irgendetwas gar nicht, gibt es eine Sechs. „Damit stellen wir sicher, dass die Jugendlichen auch nach der Veranstaltung etwas vom heutigen Tag haben“, sagt Ressel. So könnten die Bewertungen der Schüler etwa bei weiterführenden Gesprächen mit Berufsberatern als Grundlage dienen.

Genau darum gehe es auch nach Organisator Karsten Kieper von den Vereinigten Industrieverbänden, der den Berufsparcours bereits zum dritten Mal nach Düren geholt hat. „Die Berufserfahrung wird hier auf das Wesentliche reduziert“, sagt Kieper. Anders als bei einer klassischen Berufsmesse sei der Parcours „keine Materialschlacht“.

Es gehe nicht darum, den Jugendlichen möglichst viele Flyer mit Informationsmaterial in die Hand zu drücken. Ziel sei es vielmehr, dass die Schüler den jeweiligen Beruf praktisch ausprobieren. Besonders begeistert sei er davon, wie konzentriert die Schüler an den 19 Stationen arbeiten. „Wir verteilen die 582 Schüler in drei Gruppen über den gesamten Tag“, sagt er. Pro Gruppe seien also 192 Neuntklässler in der Arena – und trotzdem sei es leise.

Ohne Kaugummis

Dass die Schüler sich störungsfrei auf die Aufgaben konzentrieren können, ist laut Ressel Teil des Konzepts. „Es soll hier ablaufen wie bei einem richtigen Praktikum“, sagt sie. Die Schüler seien deshalb alle ohne Jacke, Tasche, Smartphones oder Kaugummis in der Halle unterwegs. „Sie sollen sich so verhalten, wie sie es auch bei einem richtigen Praktikum in einem Unternehmen machen würden“, sagt Ressel.

Und wer weiß: Vielleicht kann der ein oder andere Schüler sich nach Donnerstag schon auf das nächste Praktikum freuen.

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