Düren - Berliner Plaudertasche tut niemandem weh

Berliner Plaudertasche tut niemandem weh

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Süffisant, hintersinnig, humorvoll: Murat Topal zeigte im Komm eine Mischung aus Kabarett und Comedy. Dem Publikum gefiel es. Foto: Schmitz

Düren. Er ging auf Streife durch verschiedene Kulturkreise, suchte nach Spuren im deutsch-türkischen Verhältnis, schilderte „getürkte Fälle”: Murat Topal, durchtrainiert wirkender Ex-Polizist, der mit seinem glatt rasierten Schädel eher an einen Türsteher erinnert, fasste auf der Bühne im ausverkauften Komm seine Erlebnisse nach dem Motto „Ein Ex-Cop packt aus” in einem kabarettistischen Protokoll zusammen.

Seine Geschichten bezog er größtenteils aus seinen Polizeieinsätzen in Kreuzberg, wo die Nächte besonders lang zu sein scheinen, beschrieb sich als „Dienstleister” mit „Neuköllner Migrationshintergrund”.

Selbstironische Distanz

Die komischen Seiten seines ehemaligen Berufes stellte er in den Vordergrund, nahm sich schräger Begebenheiten und skurriler Typen aus „seinem” Viertel an, ließ seine polizeiliche Strategie durchblicken, Querulanten verbal weich zu klopfen. Er schlüpfte in verschiedene Rollen, spielte Klischees gegeneinander aus, parodierte und wahrte zu allem eine (selbst)ironische Distanz.

Da gab es den türkischen Gemüsehändler, der einen Strafzettel mit „tonnenweise” Obstgeschenken zu verhindern sucht, einen jugendlichen Macho in Bomberjacke oder das pubertierende „Girlie” in der U-Bahn, deren MP3-Ohrenstöpsel ständig Gefahr liefen, von ihrem „Hirnvakuum aufgesaugt zu werden”. Alles stellte er leicht locker mit unnachahmlicher Mimik und Gestik dar. Er war der freundliche „Wachmeister”, der niemand verletzen wollte, auch das Zwerchfell nicht. Lachen ja, aber kein ekstatisches Ausflippen.

Sein Programm war eine Mischung aus Comedy und Kabarett, mal frönte er dem platten Instinkt, mal stach er zielsicher in die Integrationsdebatte, wenn Topal deutsche Dialekte sprechende Türken im Basar von Istanbul trifft, hintersinnig verkleidet über die Verschmelzung verschiedener gesellschaftlichen Gruppen oder die deutsche Sprache nachdenkt. Beamten- und Straßendeutsch charakterisierte er als „Sprache für Andersdenkende”.

Im Komm traf Murat Topal auf Gleichgesinnte, die meist ihre Freude an der Berliner Plaudertasche hatten, der sich auch bei körperlichem Einsatz auf der Bühne nicht schonte. Ein angenehmer Spaziergang durch den „Großstadtdschungel” gewürzt mit nicht alltäglichen Ereignissen, die je nach Geschmack, auf der Zunge zergingen oder nicht.
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