Bepflanzung in Dürens Innenstadt: „Bewusst für die giftige Eibe entschieden“

Von: Jörg Abels
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Stein des Anstoßes: Die Eiben, die auf der Kölnstraße rund um die neuen Rotahornbäume gepflanzt wurden, sind zwar besonders robust, aber auch giftig. Foto: Abels

Düren. Die mehr als 20 bepflanzten Rotahornbeete sorgen in der neu gestalteten Kölnstraße für zusätzliches Ambiente, keine Frage. Jedoch ruft die neue Bepflanzung auch Kritiker hervor, denn die Rotahornbeete gelten als giftig.

Statt der ansonsten üblichen Baumschutz-Roste, hat sich das Tiefbauamt bei der Gestaltung bewusst für eine Bepflanzung entschieden, um die Sauerstoffversorgung in der Innenstadt und damit auch die Aufenthaltsqualität weiter zu verbessern.

Ob das aber gelingt, zweifelt Claudia Kessler mit Blick auf die verwandten Eiben an. „Denn Eiben sind hochgiftige Pflanzen“, betont die DZ-Leserin in Sorge um Kleinkinder und auch Hunde. Sie verweist auf entsprechende Ausführungen der „Informationszentrale gegen Vergiftungen“ der Universitätsklinik Bonn. Dort wird die Eibe, die 2011 vom Botanischen Sondergarten Hamburg-Wandsbeck zur „Giftpflanze des Jahres“ gekürt wurde, als „giftig bis sehr giftig“ eingestuft.

In den Nadeln und in den Samen befindet sich in hoher Konzentration der Giftstoff Taxin. Nur das rote Fruchtfleisch der Samen ist unbedenklich. „Kleinkinder interessieren sich meistens nur für den süß schmeckenden schleimig-fleischigen roten, ungiftigen Samenmantel und haben Schwierigkeiten, den bitter schmeckenden Samen aufzubeißen.

Daher bleibt das bloße Verschlucken von Eibenfrüchten meist folgenlos“, schreibt der Giftnotruf Erfurt auf seiner Internetseite. Trotzdem berichtet er von hzunderten Fällen, in denen das Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den vergangenen Jahren kontaktiert wurde, weil Kinder Pflanzenteile der Eibe verschluckt hatten und es vereinzelt zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kam.

Symptome einer Eiben-Vergiftung sind laut der Uniklinik Bonn darüber hinaus Mundtrockenheit, Rotfärbung der Lippen, Pupillenerweiterung und Blässe bis hin zu Leibschmerzen, Schwindel sowie Herz- und Kreislaufstörungen. Auch Leber und Niere können gefährdet werden.

Dass die Eibe giftig ist, bestreitet das für den Umbau der Kölnstraße zuständige Amt für Tiefbau und Grünflächen der Stadt Düren nicht. Trotzdem sei sie bewusst gewählt worden, erklärt Amtsleiter Heiner Wingels auf Nachfrage. „Es handelt sich um eine heimische Baum- beziehungsweise Strauchart, die in der Gartengestaltung auf Grund ihrer Vorzüge häufig verwendet wird.

Sie ist schnitt- und schattenverträglich, frosthart und dürreresistent und gilt somit in besonderem Maße als stadtfest“, betont Wingels. „Die Eibe wird zwar als giftig bezeichnet, gehört laut DIN-Norm für ‚Spielplätze und Freiflächen zum Spielen‘ jedoch nicht zu den an Kinderspielräumen ausdrücklich untersagten Pflanzen.“ Auch in den vom Gemeindeunfallversicherungsverband zusammengestellten Informationen zu Giftpflanzen an Schulen, Kindergärten und Spielplätzen werde sie nicht erwähnt, versichert der Amtsleiter.

Zudem setzt er auf eine bewusste Ausein-andersetzung mit Giftpflanzen in der Naturerziehung. Mit der Aufklärung über den Nutzen und die Gefahren von Giftpflanzen sollte schon im Kinderalter begonnen werden. Aufgrund all dieser Gründe „haben wir uns entschlossen, die Vorzüge der Eibe hinsichtlich Robustheit und Schnittverträglichkeit für die Kölnstraße zu nutzen“, erklärt Wingels. Die Eiben sollen regelmäßig in Kastenform geschnitten werden, so dass sich die Samenbildung verringert.

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