Düren - Belange von Senioren: Hans-Joachim Thiem gibt den Takt vor

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Belange von Senioren: Hans-Joachim Thiem gibt den Takt vor

Von: Burkhard Giesen
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Leitet die Geschicke der Senioreneinrichtung Schenkel-Schoeller-Stift in Niederau: Geschäftsführer Hans-Joachim Thiem. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Wenn man so will, führt Hans-Joachim Thiem ein Doppelleben. Kein geheimes natürlich. Der Leitende Geschäftsführer des Schenkel-Schoeller-Stiftes in Niederau sitzt mit Jackett, passendem Hemd und Krawatte am Konferenztisch. Und worüber unterhält man sich?

Natürlich erstmal über seine zweite Leidenschaft, das Trommeln. Thiem sitzt seit knapp zehn Jahren für die Mundartband „Schweess Fööss“ an den Drums und gibt den Takt an. Die Liebe zur Musik hat Thiem von seinem Vater geerbt, der zunächst Berufsmusiker war und eine klassische Ausbildung genossen hatte. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt – vor allem verschiedenste Stilrichtungen. Bei Rock‘n‘Roll oder Jazz konnte ich dann immer auf klassische Techniken zurückgreifen“, erinnert sich Thiem, der mit 13 Jahren mit dem Trommeln begonnen und sich sein Studium mit der Musik finanziert hat.

Ganz klassisch ist Thiem auch ins Berufsleben eingestiegen: Nach einer Konditorlehre wechselte er in die Altenpflege, holte sein Abitur nach. Dann kam der Rock‘n‘Roll: Er hat Sozialarbeit studiert, Betriebswirtschaftslehre angehängt, um dann wieder ganz klassisch im Öffentlichen Dienst zu landen: als Altenplaner der Stadt Düren. Seitdem trommelt er für die Belange von Senioren. Als Altenplaner hat er zum Beispiel ende der 1980er Jahre ein Seniorenkulturprogramm organisiert und sich der Frage gewidmet, was in Düren zu tun ist, um die Stadt für Senioren lebens- und liebenswert zu machen. Und er hat in einem Pilotprojekt die Kurzzeitpflege eingeführt. Fünf Jahre später wechselte Thiem die Seite: als Leiter des Awo-Seniorenzentrums konnte er den Takt vorgeben. Seit 2003 ist er Geschäftsführer im Schenk-Schoeller-Stift.

Das Bild von dem Musiker und Geschäftsführer, der den Takt vorgibt, trifft es aber nicht ganz. „Die Musik begleitet mich schon ein Leben lang. Sie hat mir viele Freundschaften und schöne Erlebnisse gebracht, die einen auch menschlich weiterbringen. Und wenn wir als Band auf der Bühne stehen, ist das wie in einer alten Ehe: man weiß blind, was der andere macht“, sagt Thiem.

Ob in der Musik oder im Job – er versteht sich stets als Teil des Ganzen. Kein Wunder, dass er sich als Geschäftsführer der Alteneinrichtung auch eher als Moderator versteht, der zwischen den einzelnen Abteilungen vermittelt, viele Einzelgespräche mit den Bewohnern, Angehörigen und den 140 Angestellten führt. Thiem versteht sich aber vor allem als Dienstleister: „Wenn nach einem Konzert jeder beseelt nach Hause geht, ist das für beide Seiten gut und die klassische Win-win-Situation. In meinem Beruf ist das nicht anders: Wenn die Bewohner an Lebensqualität gewinnen, sich hier gut aufgehoben fühlen und wir gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten, kann die Stiftung weiter bestehen und jede Seite hat etwas davon.“

Herausforderungen

Natürlich muss sich Thiem auch mit bürokratischen Herausforderungen herumschlagen. Änderungen im Pflegegesetz, neue Anforderungen an die Pflegedokumentation, neue Begutachtungsrichtlinien – all das muss berücksichtigt werden. „All‘ das ist nur im Verbund mit den Kollegen zu schaffen“, sagt Thiem und schiebt noch einen wichtigen Satz hinterher: „Jede Zahl, jedes Dokument hat mit Menschen zu tun.“

Wie man Leidenschaft und Beruf miteinander verbinden kann, wird bei Thiem an vielen Stellen deutlich. Am deutlichsten vielleicht bei dem Umstand, dass keine Senioreneinrichtung mehr an kulturellen Veranstaltung für ihre Bewohner bietet, als der Schenkel-Schoeller-Stift.

„Wenn die Rurtalbigband bei uns spielt, swingen die Bewohner mit“, erzählt Thiem strahlend und freut sich über einen Bewohner, der früher Bass gespielt hat und begeistert regelmäßige Proben von Musikgruppen verfolgt. Die Leidenschaft für seinen Beruf wird bei Thiem auch in einem anderen Punkt deutlich – wenn sich zum Beispiel der frühere Altenplaner zu Wort meldet und feststellen muss, das es in entscheidenden Punkten nicht gelungen ist, Düren für Senioren lebens- und liebenswerter zu machen.

Thiem: „Mobilität ist ein ganz wichtiges Thema für Senioren. Gerade in Flächenkommunen muss der Besuch von Ärzten und öffentlichen Einrichtungen möglich sein.“ Das gelte genauso für Grundbedarfe. Stattdessen, sagt Thiem, stelle man fest, dass immer mehr Serviceangebote geschlossen würden – vom Bäcker über den Bankschalter bis zur Verlagerung des Supermarkt auf die grüne Wiese. Thiem: „Das ist nicht lebensnah!“

Das klingt bei Thiem nicht nach der kleinen Holztrommel, sondern eher nach einer Pauke. Auch das passt gut zu ihm.

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