Bekleidungsgeschäft Minartz gibt es seit 135 Jahren

Von: Sarah Maria Berners und Laura Ruthmann
Letzte Aktualisierung:
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In den 50er Jahren füllte sich Dürens Innenstadt wieder mit Leben. Seit dieser Zeit ist auch das Bekleidungsgeschäft Minartz an der Kölnstraße zu finden. Es blickt auf eine 135-jährige Geschichte zurück. Quelle: Stadt- und Kreisarchiv Düren
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Ulf und Renate Minartz führen das Familienunternehmen in 5. Generation. Foto: smb

Düren. Ulf Minartz erinnert sich noch gut daran, wie er als kleiner Junge im Lager des Bekleidungsgeschäfts seiner Eltern zwischen den Kleidern und Kartons gespielt hat. Es war ein schöner Spielplatz für Kinder, die Verkäuferinnen passten während ihrer Arbeit auf den Jungen auf, der später ihr Chef werden sollte.

Damals, Anfang der 60er Jahre, lag die traurigste Stunde des traditionsreichen Dürener Unternehmens schon einige Zeit zurück: 1944 kam Ulf Minartz‘ Großmutter Käthe im Bombenhagel im Keller des Ladenlokals an der Weierstraße ums Leben. Auch einige Angestellte starben. Ihr Sohn verkaufte das Grundstück an der Weierstraße nach dem Krieg, um das Geld in Waren zu investieren. In einer Bretterbude an der Neuen Jülicher Straße begann er, das Unternehmen, das nunmehr seit 135 Jahren existiert, wieder aufzubauen. Als die Stadt wieder aufgebaut wurde, das Zentrum sich wieder mit Leben füllte, zog das Bekleidungsgeschäft in die Kölnstraße.

Auch Marianne Müller und Antoinette Erken erinnern sich noch gut an die 50er Jahre, in denen sie ihre Lehre im Modegeschäft machten. 15 Mark gab es in den ersten Lehrjahren. „Ein Monatsticket für den Bus hat neun Mark gekostet“, erinnert sich Antoinette Erken. Also sei sie jeden Tag mit einem alten Rad ihres Vaters von Drove zur Arbeit gefahren. „In der Nachkriegszeit gab es einen enormen Nachholbedarf. Wäsche musste nützlich, nicht schön sein. Und auch das Ambiente eines Geschäfts war nicht entscheidend“, weiß Ulf Minartz. Das habe sich grundlegend geändert. Einkaufen müsse heute zum Erlebnis werden. Und für dieses Erlebnis sorgt nach Ansicht von Renate und Ulf Minartz nicht nur das Geschäft selbst. „Die Leute kommen nur, wenn sie sich auch wohl fühlen“, sagt Minartz.

„Flair wie im Urlaub“

In den USA gebe es derzeit einen Trend weg von den großen, einheitlichen Läden hin zu kleinen Geschäften. Damit und mit einem Wohlfühlfaktor könnte Düren gegenüber den großen Städten Aachen und Köln punkten, glaubt Minartz. Dafür müsse sich aber noch vieles tun. „Samstags bietet der Wochenmarkt ein Flair wie im Urlaub. Aber er müsste dringend umgestaltet werden, und die Außengastronomie muss mehr Platz bekommen“, fordert Minartz. Und auch die Umgestaltung der Kölnstraße sei längst überfällig. Minartz kritisiert jedoch den aktuellen Entwurf, der wegen zu vieler Bäume und Bänke nicht im Sinne der Geschäftsleute sei. Auch dürfe die Innenstadt nicht mit Ein-Euro-Shops „kaputt gemacht“ werden. Alle Akteure müssten daran arbeiten, kaufkräftiges Publikum nach Düren zu holen. Was das Sicherheitsgefühl anbelange, hätten der SOS-Dienst des Ordnungsamtes und die Polizei bereits gute Arbeit geleistet.

Wenn die Rahmenbedingungen stimmten und inhabergeführte Geschäfte mit der Zeit gehen würden, dann hätten sie trotz Rabattschlachten und Online-Konkurrenz Chancen. Persönliche und ehrliche Beratung seien dabei wichtig, sagt Renate Minartz. Damit hat die Geschichte auch angefangen, vor 135 Jahren, als Christian Heinen und seine Frau Anna mit 20 Angestellten in mehreren Häusern an der Weierstraße Kleidung jeglicher Art verkauften.

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