Düren - Bekannt, beliebt und berüchtigt: Polizisten unter Jugendlichen

Bekannt, beliebt und berüchtigt: Polizisten unter Jugendlichen

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Simone Schröder und Dirk Zitz
Simone Schröder und Dirk Zitz kennen die Plätze, an denen Jugendliche sich gerne aufhalten und - fernab der Blicke der Erwachsenen - so manchen Unsinn anstellen. Bei ihrer Streife im Park beobachten sie an diesem Tag aber nichts Verdächtiges. Foto: Gottfroh

Düren. Es gibt Tage, da tauschen Dirk Zitz und Simone Schröder ihre Polizeiuniform gegen Shorts und Fußballschuhe, um am Abend noch eine Runde mit „Problem-Jugendlichen” zu kicken. „Auch das gehört zum Job dazu”, sagt Zitz.

Dirk Zitz (41) und seine Kollegin Simone Schröder (28) sind als Jugendstraßenpolizisten in Düren überall dort unterwegs, wo Jugendliche ihre Zeit verbringen. An diesem Morgen ist ein Schulbus ihr Einsatzort. Einige Tage vorher hatten die übermütigen Kids Gegenstände aus dem fahrenden Bus geworfen. Nun sollen Simone Schröder und Dirk Zitz für Ordnung sorgen.

Oft sind die Jugendlichen, mit denen es die beiden Polizisten zu tun bekommen, alles andere als pflegeleicht. An diesem Tag aber sind die Schulkinder leicht zu händeln, die Anwesenheit der staatlichen Autorität bringt die Schulkinder wieder zur Räson. In ihrem Alltag erleben die beiden aber auch ganz andere Fälle: jugendliche Intensivtäter, die immer wieder straffällig werden.

Auch in den Schulsprechstunden, die sie regelmäßig in den weiterführenden Schulen anbieten, gibts für das Doppelpack Schröder und Zitz oft harten Tobak. Häufig werden die Beamten dort mit richtigen Straftaten konfrontiert. „Mobbing-Opfer nutzen beispielsweise diese Sprechstunden, um eine Anzeige zu erstatten. Oft geschieht das zwar erst nach vielen Monaten des Stillschweigens, aber irgendwann entschließen sie sich doch dazu. Und dann ist es gut, wenn wir direkt in der Schule sind”, sagt Simone Schröder.

Andere Jugendliche kämen zur Sprechstunde, weil sie wissen wollten, ob der Blödsinn, den sie angestellt haben noch in die Kategorie „Jugendlicher Unsinn” gehört, oder schon eine Straftat ist. „Neulich Schüler wollte ein Schüler zum Beispiel wissen, was geschieht, wenn man ein Messer mit in die Schule bringt - damit war er nämlich erwischt worden”, sagt Zitz. „Die Schulsprechstunden sind eine gute Möglichkeit, mit uns in Kontakt zu treten”, sagt Schröder. Denn kein Jugendlicher ginge einfach so zur Wache, um sich zu informieren. Mit Samthandschuhen packen sie die jungen Leute allerdings nicht an.

„Wir sind keine Streetworker. Wenn es sich dann tatsächlich um eine Straftat handelt, die die Jugendlichen uns schildern, dann reagieren wir nicht anders als andere Polizisten auch. Die Jugendlichen bewegen sich also beim Gespräch mit uns nicht im rechtsfreien Raum”, sagt Dirk Zitz.

Erklärtes Ziel des uniformierten Doppelpacks sei es aber auch, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, dass die Kids „sauber” bleiben und gar nicht erst in die Kriminalität abrutschen. „Wir versuchen, schon früh genug einzugreifen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Und oft hilft schon ein gezieltes Gespräch mit einem Jugendlichen, der einmal auffällig geworden ist, um ihn wieder zur Vernunft zu bringen”, sagt Simone Schröder.

Seit fast 15 Jahren laufen in Düren bereits Jugendstraßenpolizisten Streife. Damals stieg die Zahl von „Abzieh-Delikten”, wie es im Polizeijargon heißt, rasant an. Die Präsenz eines Jugendstraßenpolizisten, der tatsächlich nur für die Arbeit mit Dürens Jugendlichen „abgestellt” war, sollte dem Abziehen von Handys, Kleidung und Geld Einhalt gebieten.

Mit Erfolg, wie Zitz betont. Doch auch wenn das Abziehen weitgehend von Dürens Straßen verschwunden ist, neue Phänomene ließen auf Dürens Straßen nicht lange auf sich warten, sagt Dirk Zitz, der inzwischen schon seit acht Jahren in der Jugendszene unterwegs ist. „Kriminalität ist wie so viele andere Dinge einem Wandel unterworfen. Hat man das eine Phänomen besiegt, kommt das nächste”, erklärt Simone Schröder. „Gegenwärtig ist besonders das Mobbing ein wichtiges Thema”, sagt sie.

So wie sich die Kriminalität von Jugendgeneration zu Jugendgeneration wandelt, so ändern sich auch die Plätze, die junge Menschen zu ihren Hot Spots machen.

„Das rauszufinden dauert immer eine Weile”, sagt Simone Schröder. Oft seien Spielplätze außerhalb der Stadt ein Treffpunkt oder auch Skateranlagen. Und auch dort sind die Jugendstraßenpolizisten mit ihrem Einsatzfahrzeug - ganz unauffällig ohne Blaulicht und Schriftzüge - unterwegs. „Das würde die Jugendlichen nur abschrecken”, sagt Schröder.

Denn um ihre Arbeit machen zu können, müssen die Jugendlichen Vertrauen zu den Polizeikommissaren fassen. Der Umgang mit den Jugendlichen erfordere oft einen Spagat, sagt Simone Schröder. Zum einen müsse man einen Zugang zu den jungen Leuten finden, durch Ehrlichkeit, ein offenes Ohr und die Möglichkeit, auch mal miteinander zu scherzen. Auf der anderen Seite muss die Distanz gewahrt werden, damit die Kids nicht den Respekt vor den Beamten verlieren. „Aber ich denke, dass wir so authentisch sind und die Jugendlichen merken, dass wir ihnen nichts vorspielen. Das schafft Vertrauen”, sagt Simone Schröder.

Und so sind die beiden Beamten Tag für Tag unterwegs, um Mobbing und Gewalt, Alkohol- und Zigarettenkonsum bei angehenden Erwachsenen zu unterbinden.

Und ab und an erleben die beiden immer wieder Highlights, die ihnen zeigen, dass sie mit dem, was sie tun auf dem richtigen Weg sind. So ein Highlight hat Dirk Zitz neulich erlebt. Da saß er mit seiner Familie im Restaurant und plötzlich kam eine Gruppe junger Männer auf ihn zu. Einst gehörten sie zu seinen problematischen „Pappenheimern”.

„Da kamen diese inzwischen jungen Männer plötzlich an unseren Tisch, und schüttelten mir die Hand”, sagt er. Vor einigen Jahren hatten sie bereits die Weichen gelegt, um ins Gefängnis zu wandern. Doch sie haben die Kurve noch rechtzeitig bekommen und sind „sauber” geblieben. Auch mit Hilfe das wachsamen Auge des Gesetzes - in Gestalt von Dirk Zitz und Simone Schröder.
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