Nörvenich - Beim Tornadostart grummelt‘s im Magen

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Beim Tornadostart grummelt‘s im Magen

Von: Jörg Abels
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Oberfeldwebel Anke Waschke von der Wartungs- und Waffenstaffel des „Boelcke“-Geschwaders brachte den DZ-Lesern die Technik und Bewaffnung des Eurofighters näher. Foto: Abels
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Den erlebten die Tour-Teilnehmer ebenso beim Start in Aktion... Foto: Abels
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Oberfeldwebel Anke Waschke von der Wartungs- und Waffenstaffel des „Boelcke“-Geschwaders brachte den DZ-Lesern die Technik und Bewaffnung des Eurofighters näher, den die Tour-Teilnehmer ebenso beim Start in Aktion erlebten wie den weitaus lauteren Tornado (unten links). Foto: Abels

Nörvenich. Das anfängliche Brausen wird immer krachender und steigert sich zum donnernden Brüllen. Unweigerlich gehen schützend die Finger zu den Ohren, im Magen spüren die 25 Teilnehmer der DZ-Sommertour ein unangenehmes Grummeln.

Vor ihren Augen startet aber kein Eurofighter des „Boelcke“-Geschwaders, sondern einer von 16 Tornados des Schwesterverbandes aus Büchel, die noch bis Mitte August von Nörvenich aus zu ihren Trainings- und Ausbildungsflügen starten, weil in der Eifel die Startbahn instand gesetzt wird. Dass der Tornado anders als der Eurofighter fürs Abheben zwingend den zusätzlichen Schub des Nachbrenners benötigt, ist nicht nur unüberhörbar, sondern auch deutlich sichtbar am meterlangen glühenden Schweif und der noch viel längeren gelb-braunen Abgaswolke.

Informativer Vormittag

Seit Anfang Juli starten und landen wieder Tornados in Nörvenich, allein am Donnerstag sind es zehn. Und weil sie nicht nur lauter als die Eurofighter sind, sondern aufgrund ihrer Trägheit auch weitaus weniger wendig und mehr Strecke benötigen, um Höhe zu gewinnen, häufen sich die Fluglärmbeschwerden, berichtet Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein, der mit seinem Vorgänger als Infomeister, Karlheinz Engelbrecht, für einen informativen Vormittag sorgt. Die Anwohner des Fliegerhorstes haben sich seit 2010 offenbar an den leiseren Eurofighter gewöhnt.

Kaum ist der Tornado in der Luft, rollen zwei Eurofighter an den DZ-Lesern vorbei zur Startposition. Deutlich leiser und viel schneller sind die hochmodernen Kampfjets wenig später in der Luft, steigen steil in den Himmel, während sie gleichzeitig gen Norden abdrehen. Selbst frühere „Boelcke“-Soldaten unter den Teilnehmern staunen. „Die maximale Steigleistung des Eurofighters liegt bei 315 Metern pro Sekunde“, erklärt Hohlbein. Dazu aber müssten die Piloten den Nachbrenner einsetzen. Doch obwohl sie darauf verzichten, ist es „atemberaubend, wie der Jet in den Himmel steigt“, raunt eine Leserin.

Kommt der Nachbrenner doch einmal zum Einsatz, verbraucht der Eurofighter mehr als 300 Liter Spezialkerosin pro Minute, erklärt Oberfeldwebel Anke Waschke später bei der Präsentation des Kampfjets. Während eines „normalen“ Flugs sind es rund 100 Liter, selbst im Leerlauf noch acht Liter die Minute. Das ist zwar immer noch rund ein Drittel weniger als beim Tornado, der mit Nachbrenner 440 Liter schluckt, wie Thomas Hohlbein betont, schränkt aber selbst bei einem mit Zusatztanks bestückten und mit 9100 Litern vollgetankten Eurofighter die Reichweite ein. Deshalb gehört die Luftbetankung zum Standardtraining der Piloten, erfahren die Leser.

26 ausgebildete Piloten hat das „Boelcke“-Geschwader aktuell, 51 sollen es einmal sein, wenn in Nörvenich 31 Eurofighter stationiert sind. Derzeit verfügt das Geschwader über 21 Flugzeuge, von denen einige aber auch in Wittmund an der Nordsee zum Einsatz kommen.

Anke Waschke erklärt die Bewaffnung des Eurofighters, die sich neben der Bordkanone derzeit noch auf Lenkflugkörper beschränkt. Das „Boelcke“-Team hat aber den Auftrag, den Eurofighter zu einem mehrrollenfähigen Waffensystem weiterzuentwickeln. Später wird der Kampfjet daher auch einmal mit Bomben bestückt werden können.

Die Fluggerätemechanikermeisterin erklärt die Funktion der beiden extrem leistungsstarken Triebwerke, die den Eurofighter auf mehr als die doppelte Schallgeschwindigkeit beschleunigen können, und die Bremssysteme. Sollten alle, inklusive des Bremsfallschirms versagen, könnte der Pilot auch noch auf einen Fanghaken zurückgreifen. Der würde sich im Notfall in Stahlseile verhaken, die über die Landebahn gespannt werden. Der Fanghaken ermöglicht aber keine Landung auf einem Flugzeugträger. „Dafür ist der Eurofighter nicht konstruiert“, betont Thomas Hohlbein.

Zum Auftrag gehört derweil die Luftraumüberwachung. Ende August werden fünf Jets von Nörvenich aus in Baltikum verlegt, um die NATO-Außengrenze zu überwachen. Zur Vorbereitung wird das Geschwader auch noch nachts üben. Danach aber wird es wieder ruhiger rund um den Fliegerhorst, zumal die extrem lauten Tornados schon in wenigen Tagen wieder nach Büchel zurückkehren.

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