Beim Klettern und Abseilen drohen unbekannte Gefahren

Von: Gudrun Klinkhammer
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Hubertus Schmühl wird von Michael Hilger abgeseilt. Foto: gkli

Heimbach. Buchstäblich in den Seilen hing am Mittwochnachmittag Hubertus Schmühl, der Leiter des Heimbacher Bauhofs. Mit beiden Händen hielt er sich an einem Seil fest, an dem er langsam und sicher zu Boden schwebte.

Gemeinsam mit 15 weitere Fachkräften für Arbeitssicherheit nahm Hubertus Schmühl in Heimbach auf dem Gelände hinter der alten Post an einem Seminar für Arbeitssicherheit teil.

Zum ersten Mal bot der Vlattener Unternehmer Jörg Mauel eine derartige Veranstaltung an. Der 42-jährige Kaufmann und Sicherheitsfachmann beobachtete in der Vergangenheit ein Defizit, was die Schulung von Sicherheitsfachkräften angeht. Diesem Defizit möchte er entgegenwirken.

Jörg Mauel sagt: „Viele Schulungen finden im Zeitalter des Internets binnen 15 Minuten vor dem Computer statt, dadurch werden bestimmte Themen kleingehalten.“ Großes Thema ist seit Jahren speziell in der Industrie und im Handwerk das Thema Klettern, Abseilen und Absichern. Dachdecker, Elektriker, Heizung-Sanitär-Fachleute, Schlosser, Reinigungsfachkräfte oder auch Monteure müssen Kenntnisse haben im Klettern, Abseilen und in der Schachtbegehung.

Die Region Köln, Düren und Aachen ist voller Industriebauten, Kraftwerke, Fabriken, Firmen und zunehmend Windräder. Während des Seminars drückten die Teilnehmer zunächst die Schulbank. Drei Stunden lang erhielten sie Informationen zu neuen Gesetzen und Vorschriften sowie einen Überblick, welche Sicherungsmittel zu welchem Zweck zur Verfügung stehen.

„Schreckliche Beispiele“

Am Nachmittag stand dann in Heimbach der praktische Teil auf der Tagesordnung. An einem Gerüst wurden Gefahren aufgezeigt, die unerfahrenen Personen eher nicht bekannt und bewusst sind. Jörg Mauel sagt dazu: „Es gibt immer wieder schreckliche Beispiele, wie etwa vor einigen Jahren das Unglück am Kraftwerk in Neurath, die möglicher Weise hätten verhindert werden können.“

Im Oktober 2007 stürzte dort ein 100 Tonnen schweres Bauteil ais 100 Meter Höhe zu Boden und riss mehrere Arbeiter mit sich, die teilweise starben. Sowohl das Unglück selber als auch die Rettungsmaßnahmen machten deutlich, welchen Gefahren die Arbeiter wirklich ausgesetzt sind, wo die Gefahren lauern und wie damit umzugehen ist.

Wichtig, so der Fachmann, ist beispielsweise die Faustregel, immer zu zweit einen gefährlichen Arbeitsplatz anzugehen. Stürzt tatsächlich jemand ab und hängt in den Sicherungsseilen, dann beginnt ein Wettkampf gegen die Zeit. Denn bereits nach zwei Minuten wird der verunglückte Mitarbeiter handlungsunfähig sein.

Der Grund, so der Fachmann: „Die Gurte klemmen die Beine des Hängenden ab und verhindern so die Blutzirkulation.“ Die Durchblutung wird schnell komplett gehemmt, das Herz stellt fast seine Arbeit ein. Nach kurzer Zeit ist der Betroffene bewusstlos, 20 Minuten später tot. Wird die bewusstlose Person aus ihrer lebensbedrohlichen Lage befreit, dann darf sie auf keinen Fall flach hingelegt werden. Stattdessen sollte sie in eine hockende Lage, die so genannte „Kauerstellung“, gesetzt werden.

Als Seminarleiter agierte neben Jörg Mauel auch Michael Hilger. Er legte den Seminarteilnehmern einzeln Gurte an und zeigte ihnen, wie sie sich mit dem passenden Arbeitsmaterial im Falle eines Falles sicher zur Erde herablassen können. Die Teilnehmer machten ihrer Verwunderung immer wieder Luft. Sie stellten fest, welche Belastungen der Körper etwa beim Abseilen oder auch bei einer Schachtbegehung ausgesetzt wird.

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