Vossenack - Beim Hürtgenwaldmarsch soll Geschichte lebendig werden

Beim Hürtgenwaldmarsch soll Geschichte lebendig werden

Von: Stephan Johnen
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Amerikanische Militärfahrzeuge beim Hürtgenwaldmarsch. Foto: sj
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Die Verpflegung der Teilnehmer übernahm am Wochenende eine Feldküche der Feldjäger. Foto: sj

Vossenack. Von ihrem Gefechtsstand aus haben die Amerikaner die Mestrenger Mühle im Blick. Alle Wanderer, die auf dem sogenannten Kall-Trail von Vossenack nach Schmidt unterwegs sind, müssen an ihnen vorbei – und sehen die Soldaten erst in letzter Sekunde.

Ein Schützenpanzer steht hinter dem Gebüsch verborgen, ein Funkgerät ist aufgebaut, auf einer Feldküche wird Eintopf gekocht. Ab und zu setzt sich ein Melder aufs Motorrad und knattert los.

Alles sieht aus wie auf schwarz-weiß Fotos. Nur schreiben wir das Jahr 2013 – und die vermeintlichen Soldaten sind Mitglieder der „Living History Group“ aus Holland, die Geschichte lebendig vermitteln wollen. Was war denn am Wochenende im Hürtgenwald los?

Zum 30. Mal startete am Samstag der Internationale Hürtgenwaldmarsch (IHM). Bereits am Freitagabend wurde an der Vossenacker Pfarrkirche ein Kranz niedergelegt, um aller Opfer des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Über 600 Teilnehmer hatten sich zu dieser Reservistenveranstaltung, die die größte ihrer Art im Land ist, angemeldet. Das Landeskommando NRW und die Reservistenkameradschaft Hürtgenwald organisieren den IHM, bei dem aktive Soldaten, Reservisten, aber auch Feuerwehrleute, Polizisten und Zivilisten Leistungsmärsche für Leistungsabzeichen absolvieren oder auf einer Strecke von bis zu 40 Kilometern ihre Fitness steigern konnten. Alle Wegstrecken führten durch die im Zweiten Weltkrieg umkämpfte Region, in der sich Amerikaner und Deutsche Ende 1944/Anfang 1945 einen blutigen Stellungskampf lieferten.

Seit Jahrzehnten schon marschieren die aktiven Soldaten und Reservisten der einst verfeindeten Nationen freundschaftlich miteinander. Von gelebter und sichtbarer Völkerverständigung sprach beim Morgenappell mit anschließendem Feldgottesdienst Brigadegeneral Peter Gorgels vom Landeskommando NRW. „Das Motto des Marsches, ‚Versöhnung über Gräber hinweg‘, wird heute wieder einmal erfüllt“, sagte er. Der Marsch sei auch eine Gedenkveranstaltung, betonte Heinz Uwe Adrian, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Hürtgenwald.

„Weil der Marsch das 30. Mal stattfindet, haben wir einige Darstellungen mehr zugelassen.“ Adrian sprach von einer Art „lebendigem Museum“, General Gorgels nannte es „historische Darstellungen“. Jeder Teilnehmer sollte wissen, was im Hürtgenwald 1944/45 geschehen ist – und sich Gedanken darüber machen, wie künftig Frieden bewahrt werden kann, sagte Adrian. Die Reservistenkameradschaft hat deswegen auch Informationstafeln im Wald aufgebaut.

Doch wie verträgt sich eine Veranstaltung, die sich im Dienst des Friedens sieht, mit diesen Darstellungen? „Die Darsteller ermöglichen einen ersten, sehr persönlichen Zugang zur Geschichte“, findet Heinz Uwe Adrian. „Wir wünschen uns, dass Menschen uns ansprechen, mit uns diskutieren“, erklärte Henk Coehoorn, einer der Darsteller. Im richtigen Leben arbeitet er für die niederländische Justiz, viele Vereinsmitglieder seien selbst aktive Soldaten oder Reservisten. „Das ist kein Abenteuerspielplatz für große Jungs“, betonte Coehoorn. „Wir kennen die Geschichte. Und wir wollen, dass sie sich nicht wiederholt.“

Die Grenze sei erreicht, findet der General. Anfragen, auch die deutsche Seite darzustellen, seien abgelehnt worden. „Wir wollen hier keine Wehrmachtsfahrzeuge“, sagte Adrian. „Die Bundeswehr steht nicht in der Tradition der Wehrmacht“, betonte General Gorgels. Eine klare Trennlinie zog er auch zwischen dem Hürtgenwaldmarsch und der Gedenkveranstaltung am Mahnmal der sogenannten Windhund-Division.

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