Beim Annamarkt eintauchen in Dürens Stadtgeschichte

Von: Stephan Johnen
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Düren. Undankbare Bande, dieses postmoderne Volk! Es will einfach nicht in spontanen Jubel verfallen, wenn sich der Bürgermeister auf einer Bühne zeigt. Die heutige Obrigkeit hat es wirklich nicht leicht mit diesen aufgeklärten Bürgern, die nicht immer gleich in Ekstase geraten.

Im Mittelalter war das anders: Des Herrschers Helfer wussten das Volk vorsorglich zu motivieren. Mit Zuckerbrot, sicher. Aber kostenneutraler mit Peitsche und Schwert. Diese Instrumente wurden jedoch am Wochenende auf dem vierten „Historischen Annamarkt” nicht eingesetzt. Das Volk kam freiwillig in die „Villa Duria”, in Massen strömten die Menschen in die Innenstadt.

Und zur offiziellen Eröffnung des Marktes jubelten sie Bürgermeister Paul Larue zu, wie sie noch nie zu einer Eröffnung eines Marktes gejubelt hatten. Weder bei Geranien, noch bei Bier.

Zugegeben, es mag an der Motivationskunst des staatlich geprüften Marktaufsehers gelegen haben, der den „Jubelnden” die für spontane Gemütsregungen so wichtigen Schlüsselworte und Befehle gab. Oder an der natürlichen Autorität und stimmungsaufhellenden Wirkung einer bewaffneten Horde Landsknechte...

40.000 Neugierige waren es nach Schätzungen der Organisatoren, die mit über 1000 Kostümierten ein Wochenende lang einen Teil der Stadtgeschichte nachspielten. Über Nacht hatte sich Dürens Erscheinungsbild als Stadt der 50er-Jahre erheblich gewandelt.

Historisch anmutende Marktbuden, Zelte und Tavernen schossen wie Pilze aus dem Boden, (zum Teil) kriegslüsterne Landsknechte schlugen ihr Lager im Park Holzbenden auf, Musikanten spielten auf, und vom Trinkbecher bis zur kompletten Rüstung ließ sich an den Ständen der Handwerker eine Erstausstattung für die ritterliche Berufsorientierungswoche gegen „Thaler” erwerben.

Die Beschicker des Wochenmarktes wichen Samstag auf den Kaiserplatz aus. Der Förderverein des Wochenmarktes sprach von Umsatzeinbußen, aber auch einem guten Kompromiss. Vor drei Jahren fiel der Wochenmarkt am Annamarkt-Samstag aus.

Freunde der modernen Gebrauchsgüter und Textilien kamen Samstag während der „Langen der Nacht der Gaukler” auf ihre Kosten, als die Geschäfte bis Mitternacht geöffnet hatten und Besucher anlockten. Auf dem Kaiserplatz fand derweil ein „Spectaculum” statt. Witterungsbedingt waren die Falken der Greifvogelschau jedoch „heißgelaufen”, so dass eine Lücke von 30 Minuten im Programm klaffte.

Rummel, Jubel, Trubel und Heiterkeit gehörten zum Konzept der „Arbeitsgemeinschaft Dürener Historienfeste”, aber durchaus auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte. So beteiligten sich Schulen, Vereine, Museen und Gruppen am Marktgeschehen, damit Geschichte erlebbar wurde. Markante Punkte wie der Raub, pardon, die Überführung des Annahauptes, ein Einzug des Herzogs von Jülich, aber auch ein durch Quellen belegter Hexenprozess gehörten zum (szenisch dargestellten) Programm.

Am Sonntagnachmittag stattete Kaiser Karl V. mit seinem 800-köpfigen Gefolge Düren einen Besuch ab. Stoisch ertrug es der Hochadel samt Ritterschaft, dass sich die Himmelspforten kurz öffneten. Der Einzug blieb dennoch optisch opulent - und setzte dem Rummel auf dem Markt die Krone auf.
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