Düren - Beim Amtsgericht Düren heben 4273 Schuldner die Finger in 2011

Beim Amtsgericht Düren heben 4273 Schuldner die Finger in 2011

Von: Hartmut Prüss
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Sie hüten das Schuldnerverzei
Sie hüten das Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht Düren (v.l.): Inge Firmenich, Hannelore Kleinert, Tanja Kloock, Angela Kohnen, Irmgard Lessenich und Sandra Pesch.

Düren. Die Verführung ist oft groß. Das Bezahlen mit der Kreditkarte oder die unvorsichtige Nutzung des Handys sind vielfach Gründe für wachsende Schuldenberge. Wenn auf diese Art und Weise mehr Geld ausgegeben wird als regelmäßig reinkommt, wirds brenzlig.

Ratenverträge als Finanzierungsmodell sind kein Problem, solange man seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt.

8427 Vollstreckungsverfahren

Dennoch werden für viele Menschen die Schulden zum unüberschaubaren Problem. In der Vollstreckungsabteilung des Amtsgerichts Düren - für den Nordkreis ist das Amtsgericht Jülich zuständig - wurden nach Auskunft von Rechtspflegerin Sandra Pesch im vergangenen Jahr 8427 Vollstreckungsverfahren bearbeitet.

In dieser Abteilung haben Richterin Dr. Katrin Winninghoff, die Rechtspflegerinnen Angela Kohnen, Tanja Kloock und Sandra Pesch sowie die Servicekräfte Inge Firmenich, Irmgard Lessenich und Hannelore Kleinert alle Hände voll zu tun.

Hat ein Gläubiger einmal einen so genannten „Titel” erwirkt, ist die Folge, dass sich Gerichtsvollzieher auf den Weg zu Schuldnern machen, um nach pfändbaren Gegenständen Ausschau zu halten. Vielfach kehren sie unverrichteter Dinge zurück, weil bei den „Kunden” nichts zu holen ist. Spätestens dann haben Gläubiger zwei Möglichkeiten. Entweder sie schreiben ihre Forderungen in den Wind oder sie sorgen dafür, dass der Schuldner „die Finger hebt”. Damit ist landläufig die „Abgabe der eidesstattlichen Versicherung über die Vermögensverhältnisse” (siehe Info) gemeint.

In dieser Erklärung, die bei einem Gerichtsvollzieher offiziell abgegeben wird, muss der Schuldner lückenlos angeben, was zu seinem Vermögen gehört. Dazu zählen übrigens auch Versicherungen oder eventuelle Rentenansprüche. Im vergangenen Jahr folgten 2472 Menschen im Gerichtsbezirk Düren dieser Aufforderung. Da der Vorgang alles andere als ein Vergnügen ist, scheut mancher Zeitgenosse davor zurück. Das hat zur Folge, dass die Gläubiger einen „Haftbefehl zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung” beantragen und in der Regel auch durchsetzen. Auch hier lässt die Statistik des Jahres 2011 aufhorchen: 1801 Mal wurde in Düren ein solcher Haftbefehl erlassen. In der Addition heißt das: Insgesamt 4273 Menschen wurden neu in der Schuldnerkartei eingetragen.

Der geläufige Begriff Kartei gilt übrigens nur teilweise, denn die Formulare mit sämtlichen Angaben werden zwar in Akten aufbewahrt, sind aber zuvor eingescannt worden, um als Datei elektronisch zur Verfügung zu stehen. Ziel ist es, Schuldner vom weiteren Schuldenmachen abzuhalten und gleichzeitig möglichen weiteren Gläubigern Einsichtnahme in das Vermögensverzeichnis zu gewähren.

Nach drei Jahren werden die Angaben der Kartei von Amts wegen gelöscht. Doch mancher Schuldner ist darauf bedacht, sein finanzielles Chaos vorher wieder in den Griff zu bekommen. Wenn dies gelingt, kann die Eintragung vorzeitig gelöscht werden. Denn wenn ein Gläubiger für seine Forderungen durch ein Mahnverfahren, einen Vollstreckungsbescheid oder durch ein normales Zivilverfahren erreichtes Urteil erst mal einen Titel hat, kann der Alltag des Schuldners ziemlich unangenehm werden. Die Vorstellung, dass beim Arbeitgeber eine Lohnpfändung oder bei der Bank eine Pfändung und somit die Sperrung des Kontos drohen, dürfte mehr als unbehaglich sein. Übrigens: Im letzten Jahr gab es in Düren 4242 Pfändungsbeschlüsse.

Seit Juli 2010 gibt es das so genannte Pfändungsschutzkonto. Dabei ist ein Sockelbetrag von 1028 Euro vor der Pfändung geschützt und kann durch Kinderfreibeträge oder sonstige Unterhaltsverpflichtungen nach Prüfung erhöht werden. Allerdings dürfte ein solches Konto auch den Beigeschmack haben, dass der Inhaber bei Kontoüberziehungen oder Kreditwünschen eher Probleme hat, als wenn er in finanziell geordneten Verhältnissen lebt.

Früher sprach man vom „Offenbarungseid”, wenn jemand versicherte, dass er mittellos sei. Seit Jahren heißt der Vorgang „Abgabe der eidesstattlichen Versicherung über die Vermögensverhältnisse”.

Wer die eidesstattliche Versicherung abgegeben hat und erneut Kredit- oder Ratenzahlverträge abschließt, muss mit Strafanzeigen wegen Betrugs rechnen, wenn er die Bezahlung schuldig bleibt.

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