Düren - Bei Haverkamp schlagen Funken aus Manuskript

Bei Haverkamp schlagen Funken aus Manuskript

Von: niko
Letzte Aktualisierung:
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„Schafft die Idioten ab! Nein, halt, das kommt einem Aufruf zum Völkermord gleich, und das ist verboten”, meinte Wendelin Haverkamp. Foto: Bellgardt

Düren. Vergrößert notorisches Lügen tatsächlich unser Hirn, wie es Neurobiologen behaupten? Wer oder was ist ein Pingel? Und wo ist der Pingelkosmos? Prüfen Sie es mal an der ökologischen Käsetheke mit dem charmanten Rentierpullover als Gegenüber.

Und wie ist die Lage an der pädagogischen Front? Wendelin Haverkamp behandelt alle drängenden Fragen so leise, dass es kracht...

„Guten Abend! Schön, dass Sie gekommen sind, so erwartungsvoll und konzentriert. Ich merke, Sie haben richtig Bock auf Kabarett”, begrüßt er untertage im „Komm” sein bestens aufgelegtes Publikum. Sein aktuelles Programm „Denken ist Glücksache” ist spielerisch hingeplauderte, wie aus dem Moment heraus erfundene und mit einer diebischen Freude am Sprachspiel auf den Punkt geschriebene Satire.

„Wir wollen aber bei der Wahrheit bleiben”, startet Haverkamp, denn lügen ist anstrengend. Es gibt die Notlüge, die Notwehr. Aber gibt es überhaupt den notorischen Lügner? Haverkamp hat ihn bei seinem Bank- und Anlagenberater, dem Autoverkäufer und den Aufsichtsratsvorsitzenden getroffen. „Da merkt man direkt, wie die Mütze richtig bei den vielen Versprechungen der Herren bebt und ihr Gehirn bereits an den Schuhen herausquillt.”

Unverwechselbar die Art des Geschichtenerzählers Wendelin Haverkamp. Ihm gelingt diese seltene, besondere Mischung als unnachsichtiger, aber nie unversöhnlicher Beobachter der Zeit, die Dinge auf den Punkt zu bringen, dabei aber nie an Leichtigkeit zu verlieren. Er sitzt einfach an seinem Tischchen mit Wasserglas und schlägt mit beschwörenden Worten Funken aus seinen Manuskriptblättern - ganz so wie ein alter Buschmann, der aus trockenem Reisig Feuer macht.

Aber Wendelin Haverkamp ist auch ein echter Blueser und Liedermacher, wie er mit seinem Klavierpartner Freddy Matula in der Vita über die Erlebnisse eines Polizeihundes im Stile eines John Lee Hooker vorträgt oder in seinem Mitmach-Blog „Bitte lesen ohne Grammatikkenntnisse” zum Besten gibt.

Politikverdrossenheit war früher mal, denn „Lafontaine, die wahre Leere, kommt ans Licht, CDU und Föderalismus kommen ins Lot, und Ulla Schmidt hilft bei Schmerzen im Oberbauch” macht er das Publikum fit für den Wahlkampf. Am Ende bleibt die Gewissheit: Der Mensch lügt, sonst ist er nicht normal. Wenn nicht, dann weiß er nichts. Kabarett auf den Punkt gebracht.
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