Wollersheim - Bei Ausgrabungen den ältesten Brunnen der Welt gefunden

Bei Ausgrabungen den ältesten Brunnen der Welt gefunden

Von: Gudrun Klinkhammer
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Im Euskirchener Stadtteil Großbüllesheim fanden die Archäolgen einen römischen Grabgarten aus dem 2. Jahrhundert Foto: A. S. Mousavian, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland

Wollersheim. Bedeckt halten sich die Archäologen gerne, geht es um geplante Ausgrabungen. Zu groß ist die Angst vor Spitzbuben, die sich illegaler Weise etwa an Gräbern und den dazugehörigen Beigaben bedienen und damit der Öffentlichkeit einen Einblick in die Vergangenheit verweigern. Im Nachgang allerdings sieht die Sache anders aus.

Die Grabungsergebnisse des vergangenen Jahres, die die Mitarbeiter der Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege mit Sitz in Wollersheim vorweisen können, legte Petra Tutlies jetzt offen. Die Leiterin der Außenstelle freute sich über 60 Zuhörer im Stiftshof in Wollersheim.

Als Organisator der Veranstaltung trat der Geschichtsverein Wollersheim mit Albert Grein an der Spitze auf. Grein machte deutlich, dass der Geschichtsverein mit seinen aktuell 30 Mitgliedern Probleme hat, die beliebte Veranstaltungsreihe, zu der turnusmäßig in den Wintermonaten der kostenfreie Vortrag von Petra Tutlies zählt, zukünftig alleine finanziell stemmen zu können. Grein: „Es gibt Dozenten, die kommen leider nicht kostenfrei. Da ist zu überlegen, ob wir zukünftig nicht einen kleinen Eintritt erheben oder eine Spendendose aufstellen.“

Konzentriert und gespannt verfolgten die Zuhörer die Ausführungen der Fachfrau. Petra Tutlies berichtete von einer Kiesgrube in Erkelenz-Kückhoven, in der ein jungsteinzeitlicher Brunnen gefunden wurde. Tutlies: „Zur Zeit seiner Ausgrabung war das der älteste Brunnen der Welt.“ Zwei weitere Brunnen, jeweils rund 15 Meter tief, folgten an dieser Stelle als Fundstücke.

Während der Grabung in Kückhoven wurden weiter ein ausgezeichnet erhaltenes Seil aus Eichenbast und ein hölzernes Fass aus römischer Zeit freigelegt. Weitere Grabungen führten das Team um Petra Tutlies nach Erkelenz zur Pfarrkirche St. Lambertus, nach Bergheim zur Pfarrkirche St. Remigius, auf den Aachener Lousberg und nach Hellenthal-Rescheid.

Nicht selten werden Böden untersucht, auf denen später gebaut werden soll und unter deren Oberfläche archäologische Funde vermutet werden. Tutlies: „Man möchte auf diese Weise verhindern, dass Zufallsfunde den späteren Bauherren belasten und die Arbeiten verzögert und verteuert werden. Aber manchmal finden wir eben auch gar nichts.“

Arnoldsweiler Urnengräber

Den größten Teil der Zeit nahm im vergangenen Jahr eine fünf Hektar große Fläche bei Euskirchen-Großbüllesheim in Anspruch, die um drei Hektar erweitert wurde und auch in diesem Jahr noch weiter bearbeitet wird.

Auf dieser Fläche soll sich Großindustrie ansiedeln. 2012 schloss das Land Nordrhein-Westfalen daher mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) einen Vertrag ab, der die Grabungen beinhaltet. An dieser Stelle wurden Befunde sichergestellt, die auf die jüngere Bronzezeit, also die Zeit zwischen 1000 und 700 vor Christus, datieren.

Als sehr seltene Funde beschrieb Petra Tutlies die Urnengräber bei Arnoldsweiler aus den Jahren 2500 bis 2000 vor Christus, von denen es nur acht vergleichbare im ganzen Rheinland gibt. Und auch in Nörvenich wurden die Archäologen zum Ende des Jahres 2015 hin fündig, auch dort wurde ein Gräberfeld sichtbar gemacht. Bei Baesweiler fand sich ein Stück der „Via Belgica“, das war eine große römische Staatsstraße, die Köln mit dem Atlantik verband und 23 Meter breit war.

An derartigen Straßen bestatteten die Römer gerne ihre Toten. Sechs Grabungen führte das Team um Petra Tutlies ohne fremde Unterstützung in der Region durch. 107 Grabungen übernahmen archäologische Fachfirmen, die vom LVR betreut wurden.

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