Begegnung mit Flüchtlingen: Zur Begrüßung einen Tee

Von: heb
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Kinderbetreuung ist nur eine der Aufgaben, die Heike Künath (Mitte) übernimmt. Mit der Unterstützung von Ziad Abbo (hinten rechts) hilft sie einer kurdischen Familie, sich in Düren zurechtzufinden. Foto: Buch

Düren. Beim ersten Besuch habe sie einen Kuchen gebacken und ihre Kinder mitgenommen, erinnert sich Heike Künath. „Die Freude in den Gesichtern der Kinder war einfach ehrlich“, sagt sie. Damit war die Grundlage direkt geschaffen.

Wenn die ehrenamtliche Helferin das Haus der kurdischen Flüchtlingsfamilie heute betritt, wird sie erst einmal von Kinderarmen umschlungen. Mit zehn Personen lebt die Familie in Gürzenich. „Nach der Begrüßung gibt es dann immer erst einen Tee und es wird erzählt“, sagt Künath und ihr Gesicht verrät, dass dies immer schöne Momente sind.

Künath steht in ihrem Ehrenamt an der Speerspitze dessen, was gemeinhin als „Integration“ bezeichnet wird und letztlich im Kern nichts anderes ist, als die Begegnung von Menschen. Eine Tatsache, die auch die Pfarren der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Düren-West erkannt haben. Am Samstag luden sie daher die Gürzenicher Bürger und die Flüchtlinge zu einem gemeinsamen Begegnungstreffen ein. Rund 130 Personen folgten der Einladung, das Jugendheim war rappelvoll. Unter den Gästen war auch Heike Küntah mit einigen der Kinder aus „ihrer“ Familie. Zusammen mit den anderen lauschten sie an gemischten Tischen dem Gesang von „Cantiamo“, stimmten selbst mit ein oder genossen einfach nur das Kuchenbuffet.

Die allermeisten der anwesenden Asylsuchenden warten derzeit noch auf eine Unterbringung in den Kommunen und eine ehrenamtliche Betreuerin. Als Bewohner der Unterkunft im Gürzenicher Wald ist für sie das gegenseitige Kennenlernen mit der Bevölkerung im Alltag schon geografisch etwas schwieriger.

„Diese Begegnung heute muss man auch nicht zu sehr idealisieren, es ist eine ganz praktische Idee“, erklärt Gemeindereferentin Brigitte Salentin daher. Sie kümmert sich unter anderem um die Flüchtlingsarbeit der GdG und umschreibt die Ziele an diesem Nachmittag damit, „Hemmung auf beiden Seiten abzubauen und auch einfach Abwechslung zu schaffen.“

Abwechslung wird den Geflüchteten natürlich auch im Gürzenicher Wald bestmöglich geboten. Allerdings stehen für die Flüchtlinge natürlich ganz praktische Sorgen im Vordergrund, über die eigene Zukunft oder über die der zurückgelassenen Familie in ihrer Heimat.

Da es sich bei der Gürzenicher Notunterkunft um eine temporäre Einrichtung handelt, ist es naturgemäß schwierig, hier langfristige Beziehung zueinander aufzubauen. „Aber eine Begegnung kann ja auch ohne längeren persönlichen Kontakt sinnvoll sein“, betont Salentin.

Diese Sorgen hat Heike Künath in der privaten Unterkunft nicht, dafür stellt sie der Alltag immer wieder vor ganz einfache Herausforderungen. Sie sei das Rundumpaket für die Familie, von der Kinderbetreuung bis hin zu bürokratischen Fragen kümmere sie sich um alles. „Die Bereitschaft Deutsch zu lernen ist bei allen in der Familie groß“, sagt sie. Trotzdem funktioniert die Kommunikation oft noch mit Händen, Füßen und vor allem dem Handy als Übersetzer.

Bei komplexeren Fragen und Behördengängen unterstützt sie Ziad Abbo, selber Kurde und vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen. „Natürlich helfen mir dabei meine persönlichen Erfahrungen aus den ersten Monaten hier“, sagt Abbo.

Er, Heike Künath oder auch Brigitte Salentin sind einerseits ganz verschiedene Persönlichkeiten, stehen aber andererseits sinnbildlich für viele Ehrenamtler, die sich in der Region für die Begegnung einsetzen und damit die Integration der hier angekommenen Flüchtlinge ganz praktisch fördern.

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