Vilvenich - Bedeutendes Denkmal soll erhalten bleiben

Bedeutendes Denkmal soll erhalten bleiben

Letzte Aktualisierung:
vilvenich2-xx
Ist nach Ansicht von Rolf Schmidt nicht korrekt geostet: die St.-Helena-Kapelle in Vilvenich. Foto: N. Holthoff

Vilvenich. Als Rolf Schmidt vor Jahren bei einem Ausflug die Helena-Kapelle zum ersten Mal sah, ahnte er nicht, dass sie auf der Abriss-Liste steht. Als sich der Historiker mit Topographie und Baugeschichte befasste, fiel ihm an der Kirche auf: Am frühen Abend scheint die Sonne auf ihre vermeintliche Nordseite.

Das heißt: Sie gehört zu jenen Sakralbauten, die nicht korrekt geostet sind.

Informationen zur St. Helena-Kapelle ergeben sich im Wesentlichen aus ablesbaren Geschichtsspuren. Schmidt: „St. Helena ist ein bedeutendes Denkmal, das es verdient hat, gerettet zu werden.” Der romanische Bruchsteinbau repräsentiere den frühen Bautyp der Saalkirche. Da gut erhalten, seien an der rund 800 Jahre alten Kapelle mit Dachreiter fast zwei Dutzend Veränderungen ablesbar. „Man kann sagen, dass Vilvenich damit insgesamt authentischer ist als zum Beispiel die meisten der bekannten romanischen Kirchen in Köln.” So könne man im Mauerwerk römische Hypokausten-Ziegel ausmachen.

Eine architektonische Besonderheit der Kapelle stellen vermauerte Fensternischen mit „geknickten Stürzen” an der Rückseite dar, wie sie bei expressionistischen Gebäuden der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts gerne benutzt wurden, bei Sakralbauten der Romanik aber äußerst selten sind - im Gegensatz zu Rundbogenfenstern.

Die St. Helena-Kapelle weise eine Abweichung nach Nordosten auf. Archäologische Untersuchungen müssten ausweisen, ob dies mit der Vorgeschichte des Standortes zu tun hat. Beispiele solcher Kirchen fanden und finden sich in Jülich (St. Mariä Himmelfahrt), Köln (St. Pantaleon) und Bonn (Vorgängerbau des Münsters).

Die Besiedlungsgeschichte der Region würde durchaus in diese Richtung deuten, meint Schmidt: Der Ortsname Vilvenich verweise auf die Antike. Die Landstraße von Merken nach Pier, von der die Vilvenicher Straße rechtwinklig abzweigt, seit römischen Ursprungs. Der Vilvenicher Zehnthof, zu dem die Kirche früher gehörte, weist historische Beziehungen zum benachbarten Pier auf. Dort spielten die bedeutenden Stiftskirchen von Gerresheim (heute Düsseldorf) und St. Ursula in Köln eine wichtige Rolle.

Rolf Schmidt: „St. Helena ist damit nicht nur ein Identifikationsobjekt für die Bewohner der Umgebung, sie ist ein bedeutendes Zeugnis, in dem sich wie in einem Brennglas die Geschichte der ganzen Region, die durch den Braunkohleabbau von der Landkarte verschwindet, konzentriert.”

Der Historiker favorisiert eine Umsetzung der Kapelle - wie im sächsischen Heuersdorf. Den Millionen-Aufwand hält Rolf Schmidt für gerechtfertigt. Verschiedene Standorte in der Umgebung sind für ihn denkbar. „Der Wunsch der Anwohner, die ihre Kirche erhalten wollen, sollte bei einer Umsetzung oberste Priorität haben. Sollte diese an den Umsiedlungsstandort nicht möglich sein, bieten sich noch andere realistische Optionen an.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert