Bedenklicher Höhepunkt bei Unfallfluchten

Von: Jörg Abels
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Mitte September verlor ein 19-jähriger Autofahrer aus Langerwehe auf der L 271 zwischen Binsfeld und Düren sein Leben. Der Unfall war einer von fünf im vergangenen Jahr mit tödlichem Ausgang. Foto: Polizei/Abels
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Polizeidirektor Jürgen Möller (l.) und Direktionsleiter Wolfgang Heimbach legten die Unfallstatistik vor.

Kreis Düren. Die Entwicklung ist erschreckend: Durchschnittlich vier- bis fünfmal am Tag macht sich ein Unfallverursacher im Kreis Düren aus dem Staub, ohne sich um die Folgen zu kümmern. Mit 1665 Fällen hat die Zahl der Unfallfluchten 2014 einen bedenklichen Höhepunkt erreicht.

Und das Thema beschränkt sich nicht nur auf vermeintliche Bagatellschäden, beispielsweise den Rempler auf dem Supermarktparkplatz. In 95 Fällen ließen die Flüchtigen auch Verletzte zurück, ohne sich um medizinische Hilfe zu kümmern. „Wir werden alles daran setzen, möglichst viele dieser sozialschädlichen Straftaten aufzuklären“, kündigte daher der Leitende Polizeidirektor Jürgen Möller am Montag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2014 an. Und er setzt dabei auf Mithilfe aus der Bevölkerung: „Schauen Sie bei Unfallfluchten auf Parkplätzen und auf Straßen nicht weg, sondern melden Sie uns die Fälle.“

Auf einem historischen Tiefstand ist die Zahl der Verkehrstoten angekommen. Auf den Straßen im Kreis Düren verloren 2014 nur noch fünf Menschen ihr Leben. Einen Grund zur Entwarnung aber gibt es dennoch nicht. Das zeigt zum einen die Gesamtzahl der Unfälle, die zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 7052 gestiegen ist, mehr aber noch die Zahl der Schwerverletzten, die deutlich von 189 auf 232 geklettert ist. Auffällig ist, dass diese Steigerung nur die Bereiche der Polizeiwachen Düren und Kreuzau betrifft. Im Bereich Jülich ist die Zahl mit 80 unverändert geblieben. Nicht von der Kreisstatistik erfasst werden die Unfälle auf den Autobahnen.

Immer noch sind vor allem Raserei und das Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss dafür verantwortlich, dass Menschen sterben oder schwer verletzt werden, betonte Möller, der daher auch für die Zukunft intensive und auch flächendeckende Kontrollen wie den Blitzmarathon befürwortet. Immer öfter sei aber auch die Benutzung eines Smartphones am Steuer die Wurzel allen Übels, erklärte der Polizeichef. Er kündigte an, dass Smartphones in Zukunft nach Unfällen sicher öfter als bisher beschlagnahmt und ausgewertet werden, um den Unfallhergang zu rekonstruieren und Zeugenaussagen zu überprüfen. „Wer bei Tempo 50 zwei Sekunden aufs Smartphone schaut, fährt schon 30 Meter im Blindflug“, unterstrich Möller.

Aus der Statistik ergeben sich aus Sicht der Polizei vier Schwerpunkte für die Präventionsarbeit und den Einsatz von Repressionsmaßnahmen: In den Fokus rücken die Kinder (bis 15 Jahre), die 2014 wieder häufiger in Unfälle verwickelt wurden, auch wenn die Zahl der Schulwegunfälle um 31 Prozent auf elf gesunken ist. Aber auch die Senioren (ab 65 Jahren) hat die Polizei weiter im Blick. Sie sind zwar dank zahlreicher Kurse seltener an Pedelec-Unfällen beteiligt, insgesamt aber wieder öfter verunglückt (plus 34 auf 166). „Wir versuchen verstärkt mit Senioren ins Gespräch zu kommen“, betonte Wolfgang Heimbach, Leiter der Verkehrsdirektion.

Im Blick behält die Polizei aber auch die Kradfahrer (86 Verunglückte, vor allem in der Eifel), und die Radfahrer (187). Schwierig ist die Situation bei den Fußgängern. Unfallhäufungsstellen gebe es bei ihnen nicht, betonte Heimbach. Helle, reflektierende Kleidung könne bei Fußgängern und Radfahrern aber schon helfen. Jürgen Möller kündigte an, dass die Polizei trotz knapper personeller Ressourcen ihre Präventionsarbeit weiter verstärken werde. Wirkung hat sie in Form der sehr emotionalen Crash-Kurse zum Beispiel bereits bei Jugendlichen hinterlassen, die mit 79 Fällen so selten wie nie in den vergangenen zehn Jahren in Unfälle verwickelt wurden. Anders die jungen Erwachsenen (bis 24 Jahre), die wieder häufiger verunglückt sind.

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