Beckers Humor ist sonniger als das Wetter

Von: Christoph Hahn
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„Frohe Finxten” wünschte Jürgen Beckers in Düren. Seine Figuren sind nicht jecker als das Leben und seine Rechtschreibung freizügig. Foto: ch

Düren. Kabarettprogramme, Karnevalssitzungen und noch mehr: Jürgen Beckers nicht zu kennen ist da schon ziemlich schwierig. Sein Charme, sein verschmitzter Humor, seine Art, regional bedingte (sprachliche) Eigenheiten zu karikieren, aber nicht zu denunzieren.

Für Fans gibt es viele Gründe, den Mann aus dem nördlich von Aachen gelegenen Baesweiler zu mögen. So nimmt es denn auch kaum Wunder, dass am Samstag die Arena Kreis Düren bis fast auf den letzten Platz gefüllt ist.

Denn der Local Hero und Star des Abends hat nicht nur sich und seinen treuen Keyboarder Harald Claßen in die Kreisstadt mitgebracht - es gibt auch ein Special, ein besonderes Programm: Es verspottet nonchalant die Regeln der Rechtschreibung (Regeln machen Rheinländer eh nicht so an) und heißt „Frohe Finxten!”.

Locker vom Hocker serviert Beckers einen Gag nach dem anderen. Dass Pfingsten „sein” Tier haben muss wie Ostern den Hasen - das wird ratzfatz geklärt. Mehr noch: „Finxten” bekommt sein Tier, gewissermaßen aus einer Art von Nachhaltigkeitsdenken heraus: Wenn sich schon zu Ostern alles um das Ei dreht, wird halt 50 Tage danach das Huhn gefeiert.

Doch bei alldem bewahrt sich der Mann auf der Bühne einen Sinn für Multikulturalität: Flugs einen Poncho nebst breitkrempigem Hut angelegt, derweil Musiker Claßen den Synthesizer startet - und schon feiert das Duo samt Publikum den „Osterkormoran”.

Freizügiger Umgang

Mag nun Beckers das ausufernde, bisweilen sprunghafte Denken der Rheinländer zur Kunstform kultiviert haben: Genaues Hinhören und -gucken gehört trotzdem zu seinem Kopf-, Hand- und Mundwerk. So treibt er den freizügigen Umgang mit der Grammatik (jaja, die Regeln!) köstlich auf die Spitze.

Punktgenau gelingen auch die Studien kleinbürgerlicher Milieus, die von Onkeln und Tanten wie aus dem richtigen Leben bevölkert werden - und da darf es ruhig auch mal ein bisschen mehr sein. Denn das Lied „Tu mich mal knipsen” singt Jürgen Beckers nicht nur. Er baut darum herum einen ganzen Sketch, ein Minidrama mit dem finalen Absturz des Fotografen.

Ein wenig war das „Finxt”-Special ja wie der Griff in eine Wundertüte: Ein bisschen aus diesem Programm, ein bisschen aus jenem - und dazu frühlingshafte Neuigkeiten.

Unverwechselbar rheinisch im Tonfall, ein Sympathieträger (Beckers nämlich) auf der Bühne, Menschen zum Anfassen in den Sketchen: Es gibt vielen Zutaten, die diesen amüsanten Abend in der Arena zum Erfolg werden lassen.

Mag manches noch so abgedreht klingen: Im Grunde sind Beckers und seine handelnde Figuren nicht jecker als das Leben selbst. Was aber den Star des Abends erfolgreich macht: Sein Humor wirkt sonniger als das Wetter - vor allem, wenn er in der Erinnerungskiste kramt und Fernsehhits von einst wie die „Augsburger Puppenkiste” ins Heute zurückfabuliert, ja sogar nachspielt: Dann rast das Publikum vor Begeisterung. Dass es willig mitsingt, -spielt und -schunkelt: Wen kann das noch ernsthaft wundern?
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