Beatles-Musical: Funke springt erst spät über

Von: Hannes Schmitz
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Das Aussehen frappierend ähnlich, Gestik, Mimik und Stimme oft täuschend echt: Die Beatles-Coverband „Twist and Shout“ legte im Haus der Stadt Düren im Musical „All you need is love“ einen handwerklich sauberen Auftritt hin, der die meisten Zuschauer begeisterte. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Fast jeder kennt die Beatles. Ihr Platz ganz oben im Pop -Olymp wird ihnen wohl auf ewig sicher sein. Ihre Lieder werden immer noch gespielt, obwohl die Karriere der „Fab Four“ 1969 mit einem legendären Auftritt auf dem Dach der Londoner Apple Zentrale, eine Beatles Firma, lange bevor es iPhones gab, endete.

Mit dieser nachgestellten Szene begann das Beatles Musical „All you need is love“ im Haus der Stadt. „Get back“ sangen vier Herren auf der Bühne, die alles versucht hatten, so zu spielen, so auszusehen und so zu klingen wie John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Augen zu, die Ohren gespitzt, manchmal schien die Illusion nahezu perfekt zu sein, oft wünschte man sich aber auch, dass dieses „Komm zurück“ durch Zauberhand geschehen würde.

Musical oder Collage?

Viel Pop kam zwar über den Bühnenrand, aber zunächst mit wenig Pep. Einen musikalischen Funkenflug, der beim Publikum zündete, konnten die „Stars des Abends“, die Cover Band „Twist an Shout“, bis zur Pause nicht wirklich entfachen. Überhaupt ließ sich das Bühnengeschehen schwerlich einordnen: War es ein Musical oder eher eine musikalische Collage? Eine dürftig wirkende Handlung, in der etwas steif und oberflächlich die Frühgeschichte der Beatles erzählt und immer wieder Songs eingestreut wurden, die zeigten, dass auch die Beatles zunächst nur coverten.

Originalaufnahmen von damals

Ihre Auftritte in Hamburg oder ihr Zusammenspiel mit Tony Sheridan mit Hits wie „Skinny Minni“ oder „My Bonnie“ wurden nacherzählt, angereichert auf einer Leinwand mit Originalaufnahmen der Beatles, die ebenfalls sangen und fast synchron von den Mannen auf der Bühne begleitet wurde.

Das waren recht nette technisches Gags, die sich über den ganzen Abend hinzogen. Die Zuhörer honorierten das „Frühzeitliche“ mit freundlichem bis starkem Beifall ohne wirklich begeistert zu sein.

Nach der Pause wurde alles besser. Wer nach dem ersten Teil zu einem „Let it be“-Urteil gekommen war, musste seine Meinung zwar nicht grundlegend, aber doch etwas ändern. Der Ablauf auf der Bühne wurde immer mehr zu einem Konzert, die Geschichte der „Fab four“ eher nebensächlich, vor alle auch, weil interessante Aspekte wie Guru- oder Drogenzeit ausgeklammert wurde. An den Idolen sollte wohl nicht gekratzt werden.

Handwerklich sauber

Die Musiker von „Twist and Shout“ bekamen auch die Kurve. Sie wirkten über weite Strecken routiniert. Der Auftritt war handwerklich sauber gestaltet, aber ohne innere Leidenschaft, alles gut gesungen und gespielt, obwohl einige Soli die Rampe herunter fielen, bis hin zur gut imitierten Körpersprache der Originale. Die Frische fehlte zunächst, wahrscheinlich wegen des Tourneestress mit zahlreichen Gastspielen. Man vermisste das Herzblut, das wohl stockt, wenn man jeden Abend das Gleiche macht.

Aber plötzlich, als die Show fast zu Ende war, sprang der Funke doch noch über. Die Band lächelte, der Saal wurde zum Stehplatz und die Zuhörer nahmen ihr Angebot von „I want to hold your hand“ bis zu „Come together“ an. Die Beatles-Klassiker zogen das Publikum aus den Sitzen zu Ovationen im Stehen – obwohl man nicht wusste, ob einige nur aufgestanden waren, weil sie sonst nichts mehr gesehen hätten.

Alles in allem war es ein Abend für Nostalgiker, aber für echte Fans keine zwingende Notwendigkeit, sondern eher ein netter Zeitvertreib, den man nicht bereuen musste.

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