Düren - „Basta!“: Sänger nehmen sich selbst auf die Schippe

„Basta!“: Sänger nehmen sich selbst auf die Schippe

Von: Anke Holgersson
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Fünf starke Sänger, die auch mit ihren komödiantischen Einlagen zu überzeugen wissen: Basta! sorgten am Donnerstag für einen umjubelten Abend im Haus der Stadt. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Basta!“ ist italienisch und bedeutet frei übersetzt so viel wie „Genug geschwafelt!“. Dieser Bandname passt ganz hervorragend zu den fünf Sängern der beliebten A-Cappella-Gruppe, die am Donnerstag im Rahmen der SWD-Kommedy-Abende im Haus der Stadt gastierte.

Statt Schwafeln stand melodischer vielstimmiger Gesang auf dem Programm. Mit Texten, die das moderne Leben pointiert und in Reimform beschreiben. „Freizeichen“ heißt die neueste Liedersammlung der Vokalisten rund um satirische Betrachtungen von On- und Offlinewelten.

So beschäftigten sich die Musiker in „Putzfrau“ mit der abstrakten Gefahr, von der Reinigungskraft, für die man die peinlich verdreckte eigene Wohnung auf Vordermann bringt, schließlich als unterbezahlter Subunternehmer ausgebeutet zu werden. Sie sangen über konkrete Pläne, Kinder zu bekommen, wodurch sich der Zeitplan für den Ausflug mit Freunden ändert: „Wir werden nachkommen, denn wir wollen Nachkommen.“

In „Laktosetolerant“ wird das schwere Los eines aufgrund seiner fehlenden Lebensmittelallergie ausgegrenzten Menschen besungen. „Basta“ reimten über Ohrwürmer, über das Älterwerden und über Pauschaltourismus. Und sie verfassten eine Hymne auf Männernamen, weil diese in der Musikgeschichte zu kurz kämen und sie sich zu recht fragten: „Ist denn ein Ingmar unbesingbar?“

Basta zeichneten den stressigen Büro- und Freizeitalltag im digitalen Zeitalter zwischen Copy, Paste und Tinder nach und bescherten als Konsequenz den Zuschauern und sich selbst zweieinhalb vergnügliche analoge Stunden – ganz offline. Das Vokalensemble bewegte sich musikalisch zwischen klassischen Arrangements à la Comedian Harmonists, Gute-Laune-Pop und Balladen, Musical, Hip Hop sowie Shanty. Ihre Arrangements sind stets liebevoll gestaltet und bis ins Kleinste durchdacht.

Beim Putzfrauen-Song wurden beispielsweise alle Möglichkeiten der Lautmalerei rund ums Wischen und Schrubben eingebaut. Die Lieder der Gruppe enthalten oft musikalische Zitate. So verrät William Wahl im Audio-Kommentar zur Freizeichen-CD: Das Lied „Jochens“, das eben jener Frage nachgeht, warum es so wenig Lieder über Männernamen gibt, enthält Passagen, die an „Michelle“ von den Beatles, an Barry Manilows „Mandy“ oder an deutsche Schlager wie „Anita“ erinnern.

Selbstironisch kommen „Basta“ nicht nur musikalisch daher. Auch in ihren Choreographien und Moderationen sind sie sich gegenseitig und/oder selbst liebstes Opfer für liebevolle Sticheleien. So behauptete der Jüngste der Band, Hannes Herrmann, der in Düren seinen ersten Live-Auftritt mit der Band bestritt, nur deshalb zugesagt zu haben, weil er Zeitzeugen der 1970er Jahre interviewen wolle. Worauf William Wahl seufzend zugab: „Ja. Früher haben wir davon geträumt, Popstars zu werden und einmal einen eigenen Starschnitt in der Bravo zu haben. Jetzt sind wir zufrieden mit einem CD-Tipp in ‚Brigitte Woman‘.“

Überhaupt überzeugten alle fünf mit ihren komödiantischen Einlagen. Großartig mit seinen Slapstick-Einlagen: Bassist Arndt Schmöle. Ein rundum gelungener musikalischer Abend, für den die Musiker mit lang anhaltendem Applaus und einer Standing Ovation belohnt wurden.

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