Düren - Bald drumherum statt durch die Mitte?

Bald drumherum statt durch die Mitte?

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Sperrgebiet: Wirtelstraße, Kleine Zehnthofstraße und Hirschgasse sind für Fahrradfahrer seit Jahren tabu. Ein Antrag der CDU, auch den Rest der Fußgängerzone in Düren zu sperren, stoßen jedoch auf Kritik. Die Grünen im Stadtrat monieren zudem, dass der Antrag plötzlich „verschwunden” ist. Foto: Archiv/ddp

Düren. „Rund um Düren” ist für ambitionierte Radfahrer eine freiwillig gewählte körperliche Extrembelastung, auch Sport genannt. Doch auch für den durchschnittlichen Radler auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf könnte „Rund um Düren” bald Pflichtprogramm werden.

Geht es nach dem Willen der CDU-Fraktion im Stadtrat, soll die ganze Fußgängerzone für den Radverkehr gesperrt werden. Damit wären nicht wie bisher Wirtelstraße, Kleine Zehnthofstraße und Hirschgasse, sondern auch Kölnstraße, Marktplatz und Wirteltorplatz für muskelbetriebene Zweiräder tabu. So lautete jedenfalls ein im März 2009 gestellter Antrag.

Die Grünen, die die Pläne von Beginn an kritisierten, wunderten sich Dienstag im Stadtrat, warum dieser CDU-Antrag „im Rathausbetrieb verschwunden ist” und auch eine schriftliche Stellungnahme des Technischen Beigeordneten noch ausstehe. Es sollte auf Anfrage der Grünen geklärt werden, ob diese Einschränkung juristisch überhaupt möglich sei. Denn rechtlich betrachtet, ist Fraktionschefin Verena Schloemer überzeugt, sei auch die bisherige Teilsperrung beispielsweise der Kleinen Zehnthofstraße für Fahrräder im Fall der Fälle kaum haltbar. Dort gebe es einen Parkplatz, der rund um die Uhr frequentiert werde, Anwohner und Lieferanten hätten ebenfalls Zufahrt. „Es gibt eine massive Bevorteilung des Kraftverkehrs und eine massive Benachteiligung der Radfahrer”, ist Verena Schloemer überzeugt. Eine Sperrung von Straßen ausschließlich für Radfahrer sei nur möglich, wenn eine Straße zunächst entwidmet wird und danach eine neue Widmung erhält. Das klingt kompliziert - ist es auch. Und beizeiten ein langwieriger Prozess.

Doch den Grünen geht es nicht um juristische Spitzfindigkeiten, auch nicht um eine Änderung des status quo. Sie sehen vielmehr die Sicherheit in Gefahr, wenn Radler wegen zusätzlicher Sperrungen einen Bogen um die Innenstadt machen müssen und über zum Teil stark befahrene Straßen ausweichen müssten. Rückendeckung für diese Kritik gibt es nun auch von dem für Düren zuständigen Kreisverband Aachen des Allgemeinden Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Durch das Verkehrsaufkommen leide die Lebensqualität und Sicherheit der Bewohner, teilt der ADFC mit: „Umso mehr sollte es im Interesse der Verantwortungsträger einer Stadt sein, den Radverkehr zu fördern.” Die Nutzung von Fußgängerzonen als Lückenschluss sei „ein wichtiger Baustein” einer attraktiven Routenführung.

Die CDU argumentierte bei der Antragstellung, dass vor allem das Sicherheitsgefühl von Familien mit Kindern und älteren Bürgern in der Innenstadt gestärkt werden sollte. „Aufgabe ist es, Fahrradfahrer vor Autofahrern zu schützen. Aber auch Fußgänger vor Fahrradfahrern”, sagte CDU-Fraktionschef Karl-Albert Eßer dieser Zeitung. Die Passanten sollen durch ein Radel-Verbot auch vor Unfällen geschützt werden. Der Antrag sei zudem nicht verschwunden oder sogar vom Tisch: „Wir werden ihn wiederbeleben und intensiver beraten”, sagte Eßer.

Die Polizei nimmt in der politischen Diskussion vorschriftsmäßig eine neutrale Position ein: „Die objektive Sicherheit ist nicht in Gefahr. Es liegen keine Unfälle mit Verletzten in der Fußgängerzone vor”, teilte ein Sprecher der Behörde dieser Zeitung mit. Das subjektive Sicherheitsgefühl hingegen könne beeinflusst werden. „Wir können nur an alle Verkehrsteilnehmer appellieren, Rücksicht aufeinander zu nehmen.” Zudem halte die Polizei ein Auge auf die Fußgängerzone. Vertrauen und Rücksicht sind gut, Kontrolle kann offenbar nicht schaden.
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