Linnich/Hückelhoven - Bahnstrecke zwischen Linnich und Baal soll mit aller Macht kommen

Bahnstrecke zwischen Linnich und Baal soll mit aller Macht kommen

Von: Volker Uerlings
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Die Schienennetzlücke der Rurtalbahn von sechs Kilometern soll in fünf Jahren geschlossen werden. Foto: Abels
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Die Landräte Stephan Pusch (Heinsberg, v. r.), Wolfgang Spelthahn (Düren), die Bürgermeister Marion Schunck-Zenker (Linnich) und Bernd Jansen (Hückelhoven) sowie Vertreter der Region machen Dampf und wollen den Gleis-Lückenschluss Linnich-Baal zur Not vorfinanzieren. Foto: Uerlings

Linnich/Hückelhoven. Sechs Kilometer sind vielleicht eine kurze Distanz für einen Autopendler, aber eine nicht zu überwindende Kluft im Öffentlichen Personennahverkehr zwischen zwei Wachstumsregionen. Mehr fehlt nämlich nicht, um die Kreise Düren und Heinsberg auf der Schiene wieder direkt miteinander zu verbinden.

Die Folgen wären weitreichend positiv, weil der einen Seite der Großraum Heinsberg / Mönchengladbach / Neuss mit der Bahn erschlossen würde – und der anderen die Region Jülich-Düren und die Eifel. Das soll nach dem Willen aller Entscheidungsträger mit aller Macht vorangetrieben und in fünf Jahren realisiert werden. Derzeit steht als vager Zeitpunkt noch das Jahr 2030 im Raum. Zur Not wollen die beiden Kreise und ihre Kommunen sogar den Gleis-Lückenschluss vorfinanzieren.

Diese Botschaft gaben am Dienstag im Linnicher Rathaus die Landräte Stephan Pusch (Heinsberg) und Wolfgang Spelthahn (Düren) sowie die Bürgermeister von Linnich und Hückelhoven, Marion Schunck-Zenker und Bernd Jansen. In Linnich und im Hückelhovener Ortsteil Baal ist derzeit Endstation für Bahnreisende, wenn sie in den jeweils anderen Kreis möchten. Zwischen den beiden Orten soll die noch zu 95 Prozent vorhandene alte Bahntrasse reaktiviert und ergänzt werden.

1968 war zunächst der Personenverkehr und 1972 die Güterbeförderung auf der Strecke, die 1911 in Betrieb gegangen war, eingestellt worden. Das war aus heutiger Sicht ein Fehler, dessen Korrektur schon viele Jahre wegen komplizierter Planungsvoraussetzungen und zäher Verfahren auf sich warten lässt. Die Politiker verlieren die Geduld. „Wir sind trotz gewaltiger Anstrengungen nicht weitergekommen“, gestand Wolfgang Spelthahn.

In Kürze liegen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor, die einen eindeutigen Favoriten beim Streckenverlauf benennt: Linnich-Baal – mit einem Fortsetzungsast in das Hückelhovener Stadtgebiet. Sie hätten mit Blick auf die Kosten und das Tempo der Umsetzung erhebliche Vorteile gegenüber den anderen untersuchten Varianten (LinnichLindern und Linnich–Brachelen), sagte Kai Pachan als Fachplaner der Studie am Dienstag.

Hier können Sie das PDF zu dem Gleis-Lückenschluss zwischen Linnich und Baal herunterladen.

Im Ergebnis sei festzustellen: „Der Nutzen überwiegt deutlich die Kosten. Das ist der Maßstab.“ In Rede stehen Investitionen von etwa 25 Millionen Euro. Es müsse auch kein Anwohner, der auf oder an der alten Strecke gebaut habe, nun fürchten, dass die Züge dicht an seinem Fenster vorbeifahren, fügte Spelthahn hinzu. Bei Linnich-Baal sei die vorhandene Trasse zu 95 Prozent nutzbar, bei den verbleibenden fünf Prozent bestehe die Möglichkeit, mit den Schienen ortsnah auszuweichen. Dafür müssten die Flächen gekauft werden, ergänzte Pachan.

Großunternehmen an der Strecke

Großes Interesse haben am Lückenschluss indes auch Unternehmen und Beschäftigte: bei QVC in Baal, SIG Combibloc in Linnich und dem Forschungszentrum Jülich (knapp 6000 Beschäftigte) der größte Arbeitgeber der Region.

1500 von ihnen leben laut Jens Kuchenbecker, Technikleiter im FZJ, im Großraum Aachen-Mönchengladbach-Düsseldorf. Er selbst ist in Wegberg zu Hause und verdeutlichte das Bahn-Problem: „Wenn ich bei der Fahrplanauskunft angebe, dass ich um 8 Uhr in Jülich sein möchte, wird mir als Abfahrzeit 21.07 Uhr angegeben. Und mit dem Bus brauche ich zweieinhalb Stunden und muss fünf Mal umsteigen.“

Ähnliches hat auch schon Marion Schunck-Zenker erlebt, die vor ihrer Wahl zur Bürgermeisterin in Düsseldorf und Neuss gearbeitet hat. Völlig neue Ziele eröffneten sich bei einem Gleis-Lückenschluss auch den rund 4000 Studierenden am Fachhochschul-Campus Jülich, wie dessen Sprecher Professor Volker Sander erklärte. Die zahlten im Jahr 175 Euro für ein Semester- und NRW-Ticket, bekämen für das Geld aber viel weniger als Kommilitonen in Aachen zum Beispiel.

Einmütiger politischer Wille

An Argumenten mangelt es den Gleisvervollständigern nicht. „Es ist für beide Kreise immens wichtig, und es ist bei beiden auch einmütiger politischer Wille“, sagte Stephan Pusch, um das Dilemma mit einer rhetorischen Frage gleich zu verdeutlichen: „Wie lange muss man Landrat sein, um die Reaktivierung einer Bahnstrecke zu erleben?“ Pusch wurde 2004 erstmals gewählt. Bürgermeister Bernd Jansen sieht sachlich kein Hindernis: „Das Projekt ist für alle ein Gewinn und überfällig.“

Nach vielen Appellen und Aufrufen werde man nun nicht weiter warten, sondern aktiv werden, kündigte der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn an: „Wir sind selbst bereit, in die Zukunft zu investieren und in Vorleistung zu gehen, um später über eine Förderung eventuell entschädigt zu werden.“ Das soll nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie zunächst bei den vorgeschriebenen ersten beiden Planungsschritten passieren und etwa 500.000 Euro kosten. Der Vorteil wäre, dass der Gleis-Lückenschluss Linnich-Baal in diesem Fall schon eine „Reife“ erlangt, die bei Förderprogrammen erforderlich ist.

Und solche werden derzeit in Bund und Land erarbeitet – in Sachen Braunkohle-Strukturwandel und als Folge der Diesel-Krise. Der Strukturwandel ist es auch, den die Kreise Heinsberg und Düren in Düsseldorf als schlagendes Argument für eine planungsrechtliche Sonderlösung ins Feld führen wollen und der ihren Optimismus stützt, dass es nun schneller geht: sechs Kilometer in fünf Jahren.

 

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