Düren - Bahnhofsmission hilft seit 100 Jahren

Bahnhofsmission hilft seit 100 Jahren

Von: Bruno Elberfeld
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Den „Tag der Bahnhofsmission“ feierten Elisabeth Gottschalk, Leiterin der Bahnhofsmission und die Vorsitzende von „In Via“, und Sieglind von Gagern (v.r.), mit den ehrenamtlichen Helferinnen und Gästen. Foto: bel

Düren. Besucher des Dürener Bahnhofs und Reisende haben sie hier und da schon bemerkt: Die Bahnhofsmission auf Gleis 1, die bescheiden in Fahrtrichtung Köln ihr Domizil hat. Überall in Deutschland sind die Räume dieses Hilfswerks auf den Bahnhöfen zu finden. Im Jahr 1895 wurde es deutschlandweit gegründet.

Der Grund: Mädchen vom Lande fuhren in die Stadt, ohne Plan, nur das Nötigste in ihrem spärlichen Gepäck, um dort Unterkunft und Arbeit zu suchen. Zu Hause auf dem Hof, wo oft zehn und mehr Münder satt gemacht werden mussten, waren sie zu viel. Also hieß es: Aufbruch in die Stadt, wo sie auf Beschäftigung hofften. Unbedarft und unerfahren trafen sie unterwegs nicht immer auf Menschen, die ihnen selbstlos halfen, sondern sie ausnutzten. „Deshalb wurde die Bahnhofsmission gegründet“, wusste die Leiterin der Mission auf dem HBF Düren, Elisabeth Gottschalk, zu berichten, „bis die jungen Frauen sicher und ohne Schaden ein Dach über dem Kopf und eine Arbeitsstelle gefunden hatten.“

In den Folgejahren vervielfältigten sich die Aufgaben. Da gibt es heute das ältere Ehepaar, dem die Ticketautomaten ein Buch mit sieben Siegeln sind. Da brechen Menschen – aus welchen Gründen auch immer – auf den Bahnsteigen zusammen. Immer wieder tauchen Verwirrte auf, die man einer Hilfsorganisation zuführen muss.

Einen Glanz in die Augen stiehlt sich bei Elisabeth Raths, Ehrenamtlerin seit zehn Jahren, als sie von dem Dreijährigen erzählt, der seinem Opa abgehauen war. „Ich habe ihn im Tunnel gefunden“, erzählt Raths, „habe ihn in die Mission mitgenommen und ihm einen warmen Kakao gegeben, bis der aufgeregte Opa gefunden war.“

Elizabeth Gottschalk fiel eine ähnliche Geschichte mit einem vierjährigen Mädchen ein. Ein Mann verabschiedet sich von seiner Frau im Zug, die Tochter steht auf dem Bahnsteig. Der Zug fährt ab, und der Vater merkt es nicht. „Da war die Verzweiflung groß“, erinnert sich die Erzählerin. Doch auch hier trugen warmer Kakao und ein Stück Kuchen etwas zur Beruhigung der Nerven bei, bis der Vater seine Tochter wieder in die Arme schließen konnte.

Hilfreich ist es, wenn bei Kleinkindern Name, Adresse und Telefonnummer in der Kleidung eingenäht sind. „Ansonsten ist die Suche schwierig.“ In der Mission träten oft Situationen ein, die man nicht abschätzen könne, fasste Raths zusammen. Oft lägen Betrunkene auf Bahnsteigen oder in der Toilette, ohne Orientierung, und dann müsse Hilfe organisiert werden. Zur täglichen Arbeit gehört das Begleiten von Blinden und Rollstuhlfahrern.

Bei nicht vorhersehbaren Fällen muss zielstrebig gehandelt werden. „Es greift dann das Integrative Hilfesystem“, erklärt Sieghild von Gagern, die Vorsitzende des Trägervereins „In Via“. Das heißt konkret: Von der Bahnhofsmission werden die Hilfsbedürftigen den für sie passenden Beratungsstellen oder Unterkünften zugeführt.

Manchmal gibt es auch traurige Erlebnisse. So verfügte ein ständiger Gast, der schwer erkrankt ins Hospiz musste, dass bei seinem Begräbnis niemand aus dem Café dabei sein dürfe. Aber er bat um eine Feier. Mit Kuchen, Kaffee, begleitet von einem Leierkasten, wurde nach seinem Ableben für ihn ein würdiger Abschied gegeben.

Dringend werden ehrenamtliche Helfer gesucht, damit die Bahnhofsmission länger aufhalten kann. Zurzeit arbeiten in Düren eine Hauptamtlerin und vier Ehrenamtliche. Das ist zu wenig. Natürlich – wie sollte es auch anders sein – ist das Geld knapp. Der Trägerverein „In Via“ muss immer wieder um seine Existenz bangen. In diesem Jahr hat ihm wieder die Caritas unter die Arme gegriffen. „Wir brauchen neben neuen Helfern dringend Spenden, damit wir unsere Arbeit tun können“, bittet Sieglind von Gagern um Hilfe.

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