Düren - Badminton: Sportliche Höchstleistung und Herzblut

Badminton: Sportliche Höchstleistung und Herzblut

Von: Sandra Kinkel
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Michael Pütz, Jonas Mohr und Stephan Robertz (von links) sorgen dafür, dass die Sporthalle bundesligatauglich wird. Foto: kin

Düren. Stephan Robertz, Michael Pütz, Jonas Mohr und Achim Decker haben alle Hände voll zu tun. In weniger als drei Stunden muss sich die Sporthalle der Nelly-Pütz-Schule an der Zülpicher Straße in einen Bundesliga-Spielort verwandeln. Die Spieler des 1. BC Düren, die als Herbstmeister in die Winterpause gegangen sind, haben am zehnten Bundesligaspieltag am Dienstag gegen die Mannschaft von Union Lüdinghausen gespielt – und die Partie knapp mit 4:3 gewonnen.

Badminton-Bundesliga in Düren, das ist neben sportlicher Höchstleistung vor allen Dingen jede Menge Engagement und noch mehr Herzblut. Michael Pütz und Stephan Robertz haben sich für den Hallenaufbau Dienstagnachmittag extra freigenommen, Jonas Mohr und Achim Decker können sich ihre Zeit als Student und Selbstständiger etwas besser einteilen. „Das ist alles Hobby“, sagt Michael Pütz. „Wir leben für den Badmintonsport.“

Millimetergenau

Damit für einen Heimspieltag alles vorbereitet ist, muss für zwei Spielfelder ein spezieller Boden ausgelegt werden. Pütz: „Jeder Boden besteht aus drei Bahnen, jede Bahn wiegt um die 50 Kilogramm.“ Die Bahnen werden mit einem speziellen Reißverschluss aneinander befestigt. „Dabei müssen die Linien natürlich genau aneinander liegen. Das wird von den Schiedsrichtern gründlich kontrolliert.“

Genau wie die Netzhöhe, die auch in den Regeln des Badminton-Profisports genauestens vorgeschrieben ist. „Am Rand“, erklärt Michael Pütz, „sind die Netze 1,55 Meter hoch, in der Mitte, 1,524. Und da muss wirklich jeder Millimeter stimmen. Sonst kann nicht gespielt werden.“

Klar, dass die drei Männer einen Beamer aufstellen müssen, mit dem die Ergebnisse der sieben Partien angezeigt werden. Außerdem muss es einen Spielleitertisch mit Laptop geben. Michael Pütz: „Mit dem Aufbau allein ist es ja auch nicht getan. Wir müssen nach den Spielen alles wieder abbauen. Vor Mitternacht ist das nicht erledigt.“

Achim Decker ist der „Vergnügungs-Manager“ beim 1. BC Düren. Er sorgt für die Verpflegung der Fans und dafür, dass der Küchenbereich in der Halle aufgebaut ist. Am Dienstag gab es Sandwiches, manchmal bereitet Decker aber auch Spaghetti Bolognese oder Nudelsalat mit Frikadellen zu. Das ist auch deswegen möglich, weil zu den Heimspielen des 1. BC Düren selten mehr als 150 Zuschauer kommen, manchmal sogar deutlich weniger.

„Natürlich würden wir uns mehr Zuschauer wünschen“, sagt Rolf Pütz, Vorsitzender des BC Düren, „aber mit diesen Zahlen brauchen wir uns in der Liga nicht zu verstecken.“ Auch Mannschaften, die anders als Düren, verstärkt auf Spieler aus der eigenen Region setzen würden, hätten nicht mehr Zuschauer. „Badminton ist eine Randsportart“, sagt Pütz. „Da müssen wir uns nichts vormachen.“ Hinzu käme, dass bei den Spielen keine Regelmäßigkeiten gegeben und die Uhrzeiten manchmal katastrophal seien. „Abendtermine am Wochenende wären sicher besser. Aber die gibt es halt nicht.“

Seit fünf Jahren spielt der 1. BC Düren in der ersten Bundesliga, vorher war der Verein zwei Jahre in der zweiten Liga. „Wenn mir vor 20 Jahren einer gesagt hätte, dass wir 2016 als Herbstmeister in die Winterpause gehen würden, hätte ich gesagt: ‚Träumen Sie weiter‘. Aber wir haben konsequent und solide gearbeitet. Jetzt ernten wir den Erfolg.“

Für Pütz, der seit 41 Jahren im BC Düren aktiv ist und 35 Jahre selbst aktiv Badminton gespielt hat, ist es wichtig, dass sein Club Badminton in allen Facetten anbieten kann. „Und das tun wir auch. Wir machen Breitensport und kooperieren mit Schulen. Die Kurse, die wir da anbieten, sind seit vielen Jahren immer voll. Dafür, dass das so gut funktioniert, ist der Leistungssport die Lokomotive.“

Viel Einsatz für wenig Geld

Über den Etat seiner Mannschaft, Spielergehälter und Sponsoren möchte Pütz nicht sprechen. „Natürlich wäre es leichter, Sponsoren zu finden, wenn wir mehr Zuschauer hätten. Aber es geht auch so.“ Es sei für ihn beeindruckend zu sehen, wie viel Einsatz die Bundesligaspieler für wenig Geld zeigen würden. Rolf Pütz: „Die Leute wollen ihren Sport machen. Es geht ihnen nicht in erster Linie darum, viel Geld zu verdienen. Das ist auch etwas, das mich begeistert und antreibt.“

Wenn die Mannschaft verletzungsfrei bleibt, so Pütz, kann sie am Ende der Saison unter den besten drei Teams landen. „Für Düren wäre das fast eine Sensation. Unser Minimalziel ist ein guter Ausgangspunkt für die Play-offs.“

Und wenn Düren weiterhin so erfolgreich ist, können die Heimspiele vielleicht doch eines Tages in einer anderen Halle stattfinden. „Mehr als 200 Zuschauer haben in der Sporthalle der Nelly-Pütz-Schule keinen Platz“, sagt Rolf Pütz. „Natürlich fühlen wir uns dort sehr wohl, aber ich würde mir schon eine Halle mit einer Tribüne wünschen.“

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