Düren - Azubi-Speed-Dating: In zehn Minuten zum Ausbildungsplatz

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Azubi-Speed-Dating: In zehn Minuten zum Ausbildungsplatz

Von: Katrin Fuhrmann
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Zehn Minuten Zeit haben junge Menschen beim Speed-Dating der IHK, um Unternehmen von ihrer Motivation zu überzeugen. Im Hintergrund tickt die Uhr. Foto: Katrin Fuhrmann

Düren. Zehn Minuten können ganz schön lang sein. Gerade dann, wenn diese Minuten vielleicht über die Zukunft entscheiden. Hat man nicht die richtigen Antworten parat, kann sich die Zeit gefühlt ins Unendliche ziehen. Doch zehn Minuten können auch ganz besonders kurz sein – vor allem dann, wenn man ein Unternehmen von seinen Fähigkeiten und seiner Person überzeugen möchte.

Beim Azubi-Speed-Dating der Industrie- und Handelskammer in Düren haben junge Leute die Möglichkeit, sich in exakt dieser Zeitspanne potenziellen Arbeitgebern aus der Region vorzustellen. Der Idealfall ist, dass sie am Ende des Tages eine Ausbildungsstelle in der Tasche haben – oder zumindest zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Doch das ist gar nicht mal so einfach.

Die Chance nutzen

Rund 250 junge Menschen wollen im Haus der Stadt genau diese Chance nutzen und sich einen Ausbildungsplatz sichern. Darunter auch die Freundinnen Gizem (16) und Justine (16). Beide sind nervös und doch zufrieden. „Wir haben schon viele gute Gespräche geführt. Alle waren sehr nett zu uns“, erzählen die beiden Mädchen. Ob es klappt, wissen sie jetzt noch nicht. Aber sie sind zuversichtlich. Immerhin wollen sich zwei Unternehmen in den nächsten Wochen bei den Schülerinnen melden.

„Wir wollen, dass die jungen Menschen uns überzeugen und uns erklären, warum sie genau diesen Beruf in Betracht ziehen“, sagt Daniela Bergweiler, Ausbildungsleiterin bei Lidl. Das Unternehmen sei bei solchen Speed-Datings schon häufig erfolgreich gewesen. So geht es vielen Firmen an diesem Tag. Einige sind schon das vierten Mal dabei. Sie wissen, was sie erwartet. Und doch sind es nicht nur die Schüler, die nervös und aufgeregt sind. Denn es gibt einen entscheidenden Unterschied: Normalerweise kennen die Unternehmen die Bewerber.

Beim Azubi-Speed-Dating werden sie allerdings ins kalte Wasser geworfen. „Das ist auch für uns eine ganz neue Erfahrung“, sagt Frank Lenzen, Betriebsleiter der Firma Awa Entsorgung. Für ihn zähle der erste Eindruck. „Wenn jemand ein freundliches, offenes Auftreten hat und dann mit den richtigen Argumenten überzeugt, ist es wahrscheinlich, dass wir ihn zu einem weiteren Gespräch einladen“, sagt er.

Doch bei manchen scheitert es bereits am Erscheinungsbild. Einige sind sehr lässig gekleidet – vielleicht zu lässig. Andere haben die Hände in den Hosentaschen. „Der erste Eindruck ist immer der wichtigste. Ein Bewerber muss selbstbewusst sein und eine ordentliche Portion Zuverlässigkeit mitbringen“, sagt Oliver Schwarz Vertriebsleiter von Nippon Genetics Europe. Dann habe man gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Manchmal platzen beim Speed-Dating allerdings auch Illusionen. Manchmal sind die Noten zu schlecht, manchmal reichen die Argumente nicht aus. „Es gibt Bewerber, die für die Ausbildungsstelle, die wir anbieten, nicht geeignet sind. In solchen Fällen müssen wir ehrlich sein“, sagt Carlo Estrada, Produktionsleiter und Ausbilder der Carl Eichhorn KG. Dabei scheitere es manchmal schon an den einfachsten Sachen.

Es gebe immer wieder Bewerber, die unentschuldigte Fehlstunden nicht erklären könnten oder Bewerbungsunterlagen mitbringen die lückenhaft, manchmal sogar fehlerhaft seien. Das seien nicht die besten Voraussetzungen. „Über manche Sachen kann man hinweg sehen, wenn jemand die nötige Motivation hat und genau erklären kann, wieso er gerade für unser Unternehmen arbeiten möchte“, sagt Estrada.

Es kommt also darauf an, wie sich die Schüler präsentieren und wie sie die zehn Minuten gestalten. Geschenkt bekommen sie nämlich nichts.

Kurze Pause, dann geht es weiter

Auf einer großen Leinwand sehen die Unternehmen und die Schüler, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. Wenn die zehn Minuten vorbei sind, ertönt ein lauter Gong. Dann haben die Schüler und auch die Unternehmen Zeit für eine kurze Pause. Danach geht es weiter.

Diese Chancen nutzen viele. Doch irgendwie auch zu wenige. „In den vergangenen Jahren fanden die Speed-Datings immer vormittags statt. Viele Schulen waren aber nicht mehr bereit, die Schüler dafür freizustellen, weil es morgens schon viele andere Informationsveranstaltungen gibt. Deswegen mussten wir auf den Nachmittag ausweichen“, sagt Michael Arth von der IHK Aachen.

Doch das hätte zur Folge, dass viele Schüler noch nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden, am Speed-Dating teilzunehmen. Schließlich hätten sie dann weniger Freizeit. Einen Eindruck den auch die beiden Berufseinstiegsbegleiter Frank Höfers und Tohmas Krämer bestätigen. „Die Schüler machen sich häufig wenig Gedanken über ihre Zukunft. Sie sehen nicht ein, wieso sie ihre Freizeit für so eine Veranstaltung opfern sollen“, sagt Höfers.

Die 16-jährige Sarah ist sich jedenfalls sicher: „Das Azubi-Speed-Dating hat mir viel gebracht. Ich weiß jetzt, dass ich mit meinen Noten und meiner Motivation gute Chancen habe. Zwei Unternehmen haben mich zu einem weiteren Gespräch eingeladen.“

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