Stockheim - Azubi-Austausch: Mehr als nur Praxis und Theorie

Azubi-Austausch: Mehr als nur Praxis und Theorie

Von: Katrin Fuhrmann
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Haben während des Austauschprogramms viel gelernt: Andrew Agius, Tizian Golde, Issam Jadoui und Marvin Bartsch (von vorne). Foto: Fuhrmann

Stockheim. Brand- und Einbruchsmelder, Video- und Telekommunikationsanlagen sowie ganze Sicherheitssysteme sind das Spezialgebiet von Marvin Bartsch und Tizian Golde. Sie schützen mit ihrer Arbeit sozusagen Mensch und Haus vor Einbrechern – oder auch vor Bränden. Die beiden sind angehende Elektroniker der Fachrichtung Informations- und Telekommunikationstechnik.

Keine Frage, sie machen ihren Beruf gerne und bringen auch eine ordentliche Portion Leidenschaft für diese Arbeit mit. Doch sie sind auch immer daran interessiert, sich in anderen Bereichen weiterzubilden und neue Erfahrungen zu sammeln. Deswegen nehmen die zwei Azubis des in Stockheim beheimateten Betriebs „TFA Gesellschaft für Kommunikations-Elektronik“ an einem Austauschprogramm zwischen dem Heinrich-Hertz-Europakolleg in Bonn (die Berufsschule der Azubis) und der französischen Partnerschule Lycée Louis Armand in Paris teil.

Bevor die beiden im September für drei Wochen in Frankreich die Schule und verschiedene Betriebe kennenlernen, stand jetzt erst einmal der dreiwöchige Besuch der zwei Tandempartner aus Paris auf dem Programm. Sie sollten einen Eindruck von der Ausbildungsstruktur in Deutschland bekommen und neue Erfahrungen sammeln. Dabei standen ihnen Bartsch und Golde mit Rat und Tat zur Seite.

Der 16-jährige Andrew Agius und der 18-jährige Issam Jadoui aus Paris machen in Frankreich eine ähnliche Ausbildung wie Bartsch und Golde in Deutschland. Doch der Aufbau der Ausbildung unterscheidet sich. Zwar dauert die Ausbildung in Frankreich auch drei Jahre, doch setzt man da eher auf die Theorie, als auf die Praxis. Im ersten Jahr absolvieren die Lehrlinge ein sechswöchiges Praktikum bei einem Unternehmen ihrer Wahl. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr stehen noch einmal acht Wochen Praktikum auf dem Programm. Die restliche Zeit besuchen die Auszubildenden die Schule. Reicht das an Praxis überhaupt aus? „Für uns ist die Theorie sehr wichtig. Die Schüler haben aber auch jede Woche zehn Stunden Unterricht in der Werkstatt. Dort lernen sie, wie die Theorie in der Praxis umzusetzen ist“, sagt Yassin Chabane, Lehrer der Partnerschule Lycée Louis Armand Paris. Anders als in Deutschland wird die Ausbildung in Frankreich nicht vergütet. Als Nachteil erachtet Chabane das allerdings nicht. „Die Schüler leben meistens noch zu Hause und haben daher keine hohen Ausgaben“, sagt er.

Für die beiden Auszubildenden Marvin Bartsch und Tizian Golde wäre das undenkbar. Auf das Ausbildungsgehalt könnten und wollten die beiden nicht verzichten. Trotzdem sehen sie, dass die französische Ausbildung auch Vorteile hat. „An einigen Stellen merkt man schon, dass die französischen Schüler in der Theorie mehr wissen und drauf haben, als wir. Dafür sind wir in der Praxis besser“, sagt Bartsch.

„Das Austauschprogramm dient natürlich nicht nur dazu, die Unterschiede der jeweiligen Ausbildungen aufzuzeigen. Im Gegenteil. Die Lehrlinge sollen auch die Kultur des anderen Landes kennenlernen und Freundschaften schließen“, sagt Markus Klasmeier, Schulleiter des Heinrich-Hertz-Europakollegs Bonn. Dieses Ziel ist aufgegangen.

„Ich war noch nie in Deutschland und hatte Angst, dass ich mich nicht zurechtfinden werde. Aber ich bin hier sehr gut aufgenommen worden und habe viel lernen dürfen“, sagt Jadoui. Neben Theorie und vor allem Praxis, hatten die beiden Schüler auch die Möglichkeit den deutschen Karneval kennenzulernen. Für beide eine komplett neue Welt, wie sie sagen. „Marvin und Tizian haben auch außerhalb der Arbeit viel Zeit mit uns verbracht“, erzählt Agius.

Für den Geschäftsführenden Gesellschafter der TFA, Peter Streitberg, ist das Austauschprogramm auch eine neue Erfahrung. „Ich denke, dass die Auszubildenden voneinander profitieren können“, sagt er. Bereits jetzt freuen sich Bartsch und Golde auf ihren Gegenbesuch in Paris.

Das Deutsch-Französische Sekretariat (DFS) in Saarbrücken unterstützt den Austausch von Auszubildenden zwischen Bildungseinrichtungen in Frankreich und Deutschland.

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