Düren/Stockheim - Auszubildende erkundet spanische Backstube

Auszubildende erkundet spanische Backstube

Von: Sarah Maria Berners
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Olivenöl braucht Christine Frank in ihrem Ausbildungsbetrieb von Hans-Peter Claßen fast nie, bei ihrem Praktikum in Madrid war es eine der wichtigsten Zutaten. Foto: Sarah Maria Berners

Düren/Stockheim. Ein Auslandssemester oder Praktikum während des Studiums ist kaum mehr außergewöhnlich. Dass auch Auszubildende in Handwerksberufen Erfahrungen im Ausland sammeln können, ist hingegen noch recht unbekannt. Auch die Bäckerauszubildende Christine Frank hatte davon noch nie gehört. Bis ihr Chef Hans-Peter Claßen vor ihr stand.

Er hatte über die Handwerkskammer von dieser Möglichkeit erfahren. „Weil Christine hier einen super Job macht, wollten wir uns mit dem Praktikum bei ihr bedanken“, sagt der Bäckermeister. Er ist stolz auf seine Auszubildende. „Sie hat Talent, eine schnelle Auffassungsgabe und ist engagiert“, sagt der Chef und deswegen war er sich auch sicher, dass das Praktikum für seine Auszubildende eine tolle Erfahrung sein würde. Junge Menschen sollten die Chance nutzen, ins Ausland zu gehen, findet Claßen. Die Erfahrung sei viel Wert, nicht nur für den Beruf, auch für das Leben.

Christine Frank (21) war am Anfang schon ein wenig skeptisch, ein Praktikum in einem Land zu machen, dessen Sprache sie nicht spricht. „Außerdem war ja klar, dass ich den Stoff aus der Schule nachholen muss“, erklärt sie. Den Schritt hat sie dennoch gewagt, und jetzt möchte sie diese Erfahrung nicht mehr missen. Zum Auftakt der drei Wochen in Madrid gab es einen Kurz-Kurs in Spanisch, in dem die sieben deutschen Auszubildenden die wichtigsten Worte für den Alltag und einige Fachbegriffe aus der Backstube lernten. Danach ging es in unterschiedliche Betriebe. Christine Frank hat in der Bäckerei eines Fünf-Sterne-Hotel gearbeitet, von 7 bis 15 Uhr. In der Heimat liegt der Dienstbeginn zwischen 1 und 3.30 Uhr in der Nacht.

Aber nicht nur in dieser Hinsicht tickten die Uhren anders. „Wenn wir einmal angefangen hatten, ging alles flott. Aber der Tag beginnt in Spanien mit einer südländischen Gemütlichkeit“, schildert Christine Frank. In der Hotelbäckerei hat sie neue Rezepte und Techniken kennengelernt und viele Unterschiede bemerkt: „Bei uns hat ein Roggenbrot einen Roggenanteil von 90 Prozent, in Spanien waren es zehn“, erklärt die Bäckerin. Und noch etwas war grundlegend anders: „Die Spanier verwenden wahnsinnig viel Olivenöl und es gibt unglaublich viel Gebäck, das frittiert wird.“ Churros aus Brandteig zum Beispiel und Weißbrot mit Vanillecreme. „Es ist etwas ungewohnt, aber geschmeckt hat es eigentlich ganz gut“, resummiert die Auszubildende, die ihren Abschluss an der Walldorfschule in Erftstadt gemacht hat.

In der Backstube, berichtet die Auszubildende, habe die Verständigung mit ein paar Brocken Englisch und Spanisch, vor allem aber mit Händen und Füßen gut funktioniert. Das Prinzip: Zeigen und Nachmachen. „Wir haben viel gelacht und die Leute waren alle sehr herzlich“, erinnert sie sich zurück. Neben dem Praktikum blieb den Auszubildenden, die in Gastfamilien lebten, ausreichend Zeit, um Madrid und die nahe gelegene Stadt Toledo zu erkunden.

„Es ist schade, dass noch recht wenige Betriebe das Angebot kennen oder nutzen“, sagt Bäckermeister Claßen. Er glaubt, dass das Auslandspraktikum die Lehre für junge Menschen spannender machen könnte. „Schließlich ist es für uns ohnehin schwer, geeignete Auszubildende zu finden.“ Christine Franks Lehre geht im Sommer zu Ende, im Herbst will sie eine Konditorlehre anschließen. Ihr Chef überlegt, ob er bis dahin in seiner Bäckerei mal eine spanische Woche veranstaltet.

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