Ausstellung „Kolorit“: Höllenbewohner mit Flügeln

Von: Bruno Elberfeld
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Das Bild der alten Frau malte der Künstler David Binder nach einer Foto-Vorlage. Seine Ausstellung trägt den Titel „Kolorit“. Foto: Bruno Elberfeld

Nideggen. Nach dem atemraubenden, steilen Treppenaufstieg zu den Ausstellungsräumen im Dürener Tor in Nideggen fordern die Werke von David Binder aus Köln eine weitere Anstrengung: Der Besucher muss sich orientieren, muss – so ist es offenbar vom Künstler gewollt – den Roten Faden in dieser Schau finden.

Da könnte vielleicht der Titel der Bilderschau helfen: Kolorit. Dieser Fachausdruck aus der Malerei meint die Zusammenstellung der ausgesuchten Werke in Harmonie, Schattierung und der Auswahl der Farben.

Figuren schälen sich heraus

Kräftige Farben, größtenteils in Blautönen, zum Dunklen neigend, begegnen dem Betrachter an allen Wänden. Bald merkt er, dass der Künstler mit dem Gegensätzlichen spielt. Neben ausdrucksstarken Großformaten hängen Kleinformate, an die der Kunstfreund herantreten muss, um Konturen zu erkennen. Bei längerem Hinschauen schälen sich Gesichter und Figuren heraus. „Ich möchte jedem Betrachter die Möglichkeit einräumen“, erklärt der gebürtige Kirgise, „bei jedem Bild die eigene Fantasie einzusetzen.“ Dies sei, ergänzt er, eine spannende Sache, weil Menschen aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrung unterschiedliche Interpretationen an den Tag legen.

Spannend die Entstehung einzelner Gemälde. Auf einer Leinwand wollte der Maler ursprünglich einen Erzengel verewigen, entstanden ist die geflügelte Gestalt eines Höllenbewohners, der auch bei Star Wars hätte mitspielen können. Eine Geige prangt neben dem Bild einer alten Frau. Die Frau, als Vorlage diente das Foto einer Frau aus Kirgistan, sitzt in ihrer traditionellen Alltagskleidung und schläft, meditiert – man weiß es nicht. An der Wand gegenüber lockt ein weiblicher Akt.

In einer Seenlandschaft, geheimnisvoll mit matten Farben gestaltet, ragen Felsen aus dem Wasser. Ein Geisterschloss, architektonisch wohl neueren Datums, beherrscht die Szene. Eine klare Aussage lässt ein großformatiges Gemälde zu, auf dem eine Frau, mit einem Tuch nur notdürftig gewandet, anmutig in einer Säulenhalle einher schreitet. „Ich male“, bekennt David Binder, „weil die Beschäftigung mit Farben und Formen meinen Gedanken und Gefühlen die Möglichkeit einräumt, sich zu entfalten.“ Die Vorsitzende des Kunst- und Museumsvereins Nideggen, Muna Götze, führte in die Ausstellung ein. Zu sehen sind die Bilder bis Sonntag, 5. Juli, mittwochs von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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