Ausstellung im Kloster-Kultur-Keller: Schrott mit ästhetischem Wert

Von: Stephan Johnen
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Ein Mann sieht Weißblech: Andreas Wiebe gratuliert dem Dosenpfand im Kloster-Kultur-Keller auf besondere Art. Foto: Johnen

Vossenack. Ganz ehrlich, was Andreas Wiebe da fotografiert, ist ziemlicher Schrott. Dosen sind es, auf die der Fotoingenieur ein Auge geworfen hat. Alte Getränkedosen. Verbeult, verrostet, zerstört, am Ende. Uneingeschränkt jugendfrei ist das Gezeigte vermutlich auch nicht, handelt es sich doch ganz oft um Bierdosen, die dem Betrachter da ihr blankes Metall entgegenstrecken.

Und diese gerahmte Altmetallsammlung auf Fotopapier, die derzeit im Kloster-Kultur-Keller der Franziskaner in Vossenack gezeigt wird, soll Kunst sein?

Selbstverständlich: Andreas Wiebe hat ein Auge für Getränkedosen und ihre Auflösung in der Landschaft. Auf den ersten Blick ist es Schrott in Reinform. Auf den zweiten Blick hat der Schrott ästhetischen Wert. Es offenbart sich in und um eine zerbeulte und verrostete Dose herum ein Mikrokosmos der Schönheit und der Vielfältigkeit des Lebens. Oft ist das dem Fotografen selbst erst viel später aufgefallen. Beim zweiten Blick aufs eigene Foto.

Angefangen hat alles mit der Einführung des Dosenpfands vor zehn Jahren. „Bis dahin war meine Beziehung zu Getränkedosen recht einfach gestrickt”, berichtet Andreas Wiebe. „Ich habe sie ausgetrunken und beim Autofahren aus dem Fenster geworfen”, sagt er augenzwinkernd. Klar, ein Künstler möchte provozieren. Doch Wiebe hat Recht: Mit dem Pfand änderte sich zum Glück für die Umwelt vieles: die einst omnipräsente geleerte und damit ausgediente Dose verschwand schnell von den Straßen, den Parkplätzen, den Wiesen, den Sandstränden und Kiesbetten der Bahnstrecken. Die freiverrottende Dose wurde zur bedrohten Art - und Andreas Wiebe zum Jäger mit der Kamera.

Anfangs hat er geknipst, später fotografiert. Die Dose hat ihn in ihren Bann gezogen. Und der oben bereits erwähnte Mikrokosmos der Altmetallwelt: Wer kann schon auf den ersten Blick sehen, dass manche Dose zum Lebensraum für Tiere geworden ist? Dass manche in der Auflösung befindliche Dose eins wird mit der Landschaft? Dass Teile von Dosen derart plattgefahren sind, dass sie ein Stück der Straße wurden? Hinzukommt, dass Wiebe ein begnadeter Geschichtenerzähler ist - und zu jeder Dose auch eine Geschichte erzählen kann.

Zehn Jahre lang hat er Dosen fotografiert. Auf die Idee, eine Dose auch einmal aufzuheben, ist er erst vor Kurzem gekommen. Die so entstandenen figürlichen Arbeiten sind daher nur ein kleiner Teil der Ausstellung. „Erschöpfte Dosen” nennt Wiebe die geplätteten Weißmetall-Reste, die er fein säuberlich in Kästchen aufreiht oder hinter eine Glasscheibe montiert - mit dem für ihn typischen Hang zur Selbstironie.

Aber was treibt Wiebe wirklich an? Ist er ein Umweltschützer? Mahnt er unsere Wegwerfmentalität an? Erhöht er den Schrott mit den Mitteln der Kunst, um den Verursacher der Umweltverschmutzung zu erniedrigen? Andreas Wiebe zuckt mit den Schultern. „Ich hoffe, Sie haben beim Betrachten soviel Spaß wie ich beim Fotografieren”, sagt er den Besuchern der Vernissage. „Ich steh nicht so auf einen theoretischen Überbau”, fügt er anschließend hinzu, beinahe flüsternd. Es sind die Dosen, die (er-)zählen. Nicht mehr. Nicht weniger.

Die Ausstellung ist noch bis zum Ende des Jahres im Kloster-Kultur-Keller vor und nach den dortigen Veranstaltungen zu sehen. Das Programm finden Sie im Internet.
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