Ausstellung: Getreide als beeindruckendes Kunstobjekt

Von: Bruno Elberfeld
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Die Veranstalter vertrauen auf den Ährenkreis als Symbol für Zusammenhalt. Foto: Bruno Elberfeld

Heimbach. „Im Namen der Ähre“ – Getreide im Dialog mit der Kunst. So wurde die Ausstellung von „Augenweide“ im Pavillon unterhalb der Burg Hengebach angekündigt. Aus der Vernissage wurde eine „Kornissage“, durchaus verständlich für den Besucher, dessen erster Blick auf Sträuße von Getreide fällt, die kunstvoll in mittigen Vitrinen die Szene beherrschen und entlang der Wände und auf Fensterbänken in Gefäßen stehen.

Auf einem großen Tisch sind Ähren zu einem Kreis arrangiert, symbolisch für die ideale Ordnung, für Einheit und Unendlichkeit, für das Göttliche.

Ergänzt wird diese kunstvolle Anordnung von Kunstwerken, die von Menschenhand geschaffen wurden. Ein Mann, im schwarzen Anzug, in einem riesigen Getreidefeld in Kasachstan, beeindruckende Fotografien. Einen Frauenkopf, gemalt von Ilka Meschke aus Düsseldorf, zieren Getreidehalme.

Schamane Laurenz Bresgen, Heimbach, lässt den Getreidegeist aufleben, der Ährenpfau des Griechen Chris Akordalitis stellt die Ähren als „bunt und königlich“ dar. Franz Josef Kochs belegt in seinen Werken die Symbolik, die das Getreide bis heute in verschiedenen Regionen hat.

Er war auf den Spuren des „Weizenmannes“. Aus der näheren Umgebung ist der „Äzebär“ überliefert, heute hier und da noch im Straßenkarneval anzutreffen. In Bayern und Österreich tritt noch er häufig auf, der Mann in seiner Ganzkörpergewandung aus Getreidehalmen.

Was aber hat Getreide mit Kunst zu tun? Demeterbäcker Jürgen Zippel und Getreideforscher und –züchter Patrick Schmidt aus Oberelvenich geben die Antworten.

Patrick Schmidt hat einen Zuchtgarten. In ihm versammelt sind, so sagt er, alle relevanten Kulturpflanzen, sowohl Nutz- als auch Heilkräuter. Sein Forschungsschwerpunkt jedoch liegt auf dem Getreide. Und für den Gast wird es noch spannender: Ursorten wie das „Einkorn“ und der „Emmer“ können beobachtet werden. Das Einkorn, noch unbeleckt vom Eingriff des Menschen, hat in jedem Täschchen nur ein Korn. Andere Getreidesorten weisen da zwei und mehr Körner auf. Hafer, Gerste, Roggen, Mais, Reis und Weizen gehören in die Kategorie der Zuchtpflanzen.

Und da kommt für Patrick Schmidt die Kunst ins Spiel. Ausgangspunkt für alle Getreidesorten sind Gräser. Wahrscheinlich haben Frauen die Samen von Urgräsern vor Urzeiten gesammelt und gezüchtet. Folge: die landwirtschaftliche Revolution. Das ist für Schmidt künstlerisches Gestalten. Das Getreide mutierte durch Eingreifen des Menschen in seiner Quantität und Qualität.

„Die Natur lehrt mich täglich in meinem Zuchtgarten Schönheit“, bekennt der Gärtner. Patrick Schmidt hat die Liebe zum Getreide gefunden und geht mit ihm seither durch dick und dünn. Eines der vielen Kunstwerke, eine kleine Skulptur von Luise Koett-Gärtner, fällt ins Auge. Es sind - leicht erkennbar - zwei Zangen, die offenbar etwas zwischen ihre Kiefer nehmen wollen. Mit ihnen prangert Koett-Gärtner die industrielle Verarbeitung von Saatgut an. „Planwirtschaft und Materialismus nehmen unser Leben in die Zange“, klagt sie. Die Erdenbewohner sollten sich möglichst schnell überlegen, wie sie in Zukunft leben wollten.

Geöffnet ist die Ausstellung der „Augenweide“ bis Montag, 16. Juni, täglich von 12 bis 16 Uhr.

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