Ausstellung „Die Treppe“: Kunst mit der Nähmaschine

Von: Bruno Elberfeld
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Laudator Pit Goertz gab mit den Künstlerinnen Kora Jünger (l.) und Claudia Kallscheuer den Startschuss zu „Wege zur Kunst“. Foto: bel

Düren. Der an der Kunst interessierte Besucher der Initiative „Die Treppe“ des Kunstfördervereins in Düren ist zunächst etwas ratlos, wenn er die großformatigen Gemälde mit teils leuchtenden Farben sieht. Gewichtige Menschen, nicht vollständig in ihrer körperlichen Struktur, sind ineinander verwoben.

Was da auf der Leinwand geschieht, ist jedem klar, obwohl manche Körperteile fehlen und zum Grübeln animieren.

Kora Jünger, frühere Stipendiatin der „Günther-Peill-Stiftung“ und mittlerweile international bekannte Künstlerin, hat diese großflächigen Menschen gemalt. Infiziert sei sie, sagte Pit Goertz in seiner Laudatio, von der plakativen Malweise der Popart und des Comics. Eine dritte Dimension, die Tiefe im Bild, suche man vergebens. „Alles ist Fläche“, erklärte Goertz, „unser Auge wird genarrt.“ Und hier nun schafften die Neuronen im menschlichen Gehirn Zusammenhänge und erinnern daran, wie der menschliche Körper im Normalfall auszusehen hat.

„Kora Jünger“, brachte der Laudator das Phänomen auf den Punkt, „führt uns drastisch vor Augen, dass wir zwar hinsehen, aber nicht wirklich sehen.“ Die Malerin zwingt den Betrachter dazu, aus dem Sehen im Sinne von optischer Wahrnehmung ein Schauen im Sinne von Erkennen zu machen.

Die zweite Ausstellerin in der Treppe ist Claudia Kallscheuer, eine Dürenerin mit Wohnsitz in Berlin. Die Aussagen von Laudator Pit Goertz musste man sich auf der Zunge zergehen lassen: „Claudia Kallscheuer malt mit der Nähmaschine.“ Unbedarfte Zeitgenossen sind froh, wenn sie mit dem Stift oder dem Pinsel etwas einigermaßen als Figur Erkennbares malen können, doch Kallscheuer malt tatsächlich mittels einer Nähmaschine.

Die gelernte Schneiderin und studierte Designerin beherrscht diese Kunst in Perfektion. Formen werden auf ihren Bildern durch Stoffe und Fäden entwickelt, die dann in Strängen auslaufen können. Auffällig sind die Bilder, auf denen Teebeutel in verschiedenen Zuständen verarbeitet sind: mal getrocknet, mal geleert, ein andermal grundiert. Sie fügen sich zu einem Ganzen zusammen.

Die Teebeutel, erklärte Pit Goertz, seien eine Art Buch, das Ereignisse des Tages in ungewöhnlicher Weise festhalte. Nur eben auch hier – wie bei Kora Jünger: Der Betrachter muss sich Zeit nehmen und sich auf das Kunstwerk einlassen, es sich zu eigen machen.

Begrüßt worden waren die Gäste zur Eröffnung der Aktion „Wege zur Kunst“, in deren Rahmen am Sonntag 50 Künstler an 33 Orten im Kreis Düren ihre Arbeiten zeigen, vom Vorsitzenden des „Kunstfördervereins des Kreises“, Dr. Hans-Joachim Güttler, der sich bei Pit Goertz bedankte. Ohne ihn würde es „Wege zur Kunst“ so nicht geben, betonte Güttler.

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