Ausstellung bietet Einblicke in andere Welten

Von: Sarah Maria Berners
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Einmal auf der Baustelle: Das war nicht nur der Traum der Jungs. Auch die Mädchen wollten Foto: Andrej Kleer
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Ungewöhnliche Augenblicke: Fotograf Andrej Kleer hat festgehalten, wie Senioren in japanischen Comic-Büchern lesen, Kinder Eis verkaufen und eine alte Dame im Fastfood-Restaurant Platz genommen hat. Foto: Andrej Kleer
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Ungewöhnliche Augenblicke: Fotograf Andrej Kleer hat festgehalten, wie Senioren in japanischen Comic-Büchern lesen, Kinder Eis verkaufen und eine alte Dame im Fastfood-Restaurant Platz genommen hat. Foto: Andrej Kleer
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Ungewöhnliche Augenblicke: Fotograf Andrej Kleer hat festgehalten, wie Senioren in japanischen Comic-Büchern lesen, Kinder Eis verkaufen und eine alte Dame im Fastfood-Restaurant Platz genommen hat. Foto: Andrej Kleer

Düren. Was wollten Sie werden, als sie noch ein Kind waren? Feuerwehrmann zum Beispiel? Oder Eisverkäufer mit der Lizenz zum Dauernaschen? Vielleicht auch Reiterin, weil Sie Pferde damals so geliebt haben? In einem Fotoprojekt von Andrej Kleer und der Evangelischen Kindertageseinrichtung in Düren konnten Kinder ihren Traum erfüllen. Zumindest für ein paar Stunden. Andrej Kleer dokumentierte das in seinen Fotografien: Entstanden sind eindrucksvolle Bilder, Hingucker voller Kontraste.

Schon vor zwei Jahren hatte Andrej Kleer ein ähnliches und doch ganz anderes Projekt im Anna-Schoeller-Haus umgesetzt. Er fotografierte alte Menschen in einer modernen Welt setzte auch dort auf Kontraste. Da ist der Senior mit dem iPod, die Oma bei im Fast-Food-Restaurant, ein älterer Herr im Tattoo-Studio und eine elegante alte Dame, die sich genüsslich einen Kaugummi in den Mund schiebt.

Es gibt auch ein Foto von einer alten Dame mit Krückstock – und hochhackigen Schuhen. „Man würde nicht erwarten, dass diese Menschen so etwas machen“, sagt Vera Schellberg. Dieses Überschreiten von Grenzen hat die Pfarrerin fasziniert. Und sie hat die Idee weitergesponnen. Während bei den Fotografien der Senioren die Zeit in gewisser Weise zurückgedreht wird, galt es, die Uhr bei den Kindern vorzudrehen.

Kindergartenkinder sollten in Rollen schlüpfen, in ihnen aufgehen. Also haben Vera Schellberg und die Erzieherinnen die Kinder gefragt, was sie werden wollen – und eine Auswahl getroffen. Feuerwehrmann, Koch, Eisverkäufer, Reiter, Rockstar und Bauarbeiter standen ganz oben auf der Liste.

In Rollenspielen konnten die Kinder sich an die Berufe herantasten und auch in die Rolle des Fotografen schlüpfen – und dann ging es mit liebevoll detaillierter Requisite zum Fototermin. Gute Fotografien waren das Ziel, der Weg dahin sollte aber auch lehrreich sein. „Kindern wird die Welt des Fotografen eröffnet“, sagt Gabi Langen. Sie sollten lernen, dass jede Menge Vorbereitung notwendig ist, haben den Prozess begleitet.

Ein bisschen hat es dann beim Shooting gedauert, bis die Kinder in ihre Rollen schlüpften. „Es ist ein vorsichtiges Sicher-heran-tasten“, beschreibt der Fotograf. „Und jedes Kind entfaltet sich ganz anders.“ Bis Blick und Haltung stimmten, waren schon einige Bilder im Kasten. „Aber die Bilder sollten Emotionen transportieren“, betont Kleer. Sie sollen das Kind in seiner Rolle zeigen und nicht als Rollenspieler. Sie sollten mehr sein, als Kinderfotos. Nur nicht gewöhnlich lautete der Anspruch.

Bilder erzählen Geschichten

„Die Bilder sollen Geschichten erzählen“, formuliert der Fotograf sein Ziel, das für die Kinder ebenso wie für die Senioren galt. Und beide verhalten sich bei den Shootings ganz ähnlich. „Unberechenbar“, sind sie für den Fotografen beide. Und auch die Aufmerksamkeitsspanne ähnele sich.

„Was ich mir vorstelle, kann ich auch erreichen“ – diese Botschaft wollte Pfarrerin Vera Schellberg den Kindern mit dem Projekt auf den Weg geben, und: „Vielleicht ist es mühsam und ich brauche Hilfe, aber es geht.“ Wünsche seien etwas, was heute, in einer leistungsbetonten Gesellschaft, immer mehr in den Hintergrund gerate.

„Es war cool, einmal Rockstar zu sein“, freute sich Justin nach dem Fototermin. Und Vivien erzählte begeistert: „Ich fand es schön, als ich das Eis gemacht habe und die Anderen gerufen haben: Ich will auch ein Eis.“ Für Idries war es ein schöner Nebeneffekt, „dass wir so viel Eis essen konnten“. Außerdem hat ihm der Blick hinter die Eistheke gefallen. In einer Baggerschaufel zu sitzen und am Steuer eines Feuerwehrautos war für Henrik und Melvin ein besonderer Moment.

In einer Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird, werden Fotografien beider Projekte gezeigt. „Ich glaube, dass die Ausstellung Erwachsene an alte Wünsche erinnert und Gedanken wachruft, die heute eventuell nur noch in einer Seitenspalte des Lebens Raum finden“, sagt Vera Schellberg. Junge und alte Menschen würden in der Ausstellung mitten ins Leben gerückt. „Dadurch bekommen sie Gewicht.“

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