Düren - Außergewöhnliches Konzert: „Gewaltsame Liebe“

Außergewöhnliches Konzert: „Gewaltsame Liebe“

Von: bel
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Begleitet am Flügel von Katsuhisa Mori sang Sopranistin Hiltrud Kuhlmann Lieder von Brahms, Schubert und Wolf. Foto: bel

Düren. Was kann harmonischer sein als ein gestimmter Flügel, an diesem Flügel ein einfühlsamer Pianist, noch recht jung an Jahren, der eine ebenfalls junge Sopranistin begleitet, die Lieder von Franz Schubert, Johannes Brahms und Hugo Wolf singt? Katsuhisa Mori an den Tasten und Sängerin Hiltrud Kuhlmann erfüllten alle Vorstellungen eines gelungenen Konzertes im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Die Besucher zeigten sich sehr angetan, lauschten aufmerksam Texten und Melodien, die das Künstlerpaar perfekt interpretierte. Die Stimme der Sopranistin kam klar und deutlich daher. Mimik und Gestik Hiltrud Kuhlmanns begleiteten ihre sensiblen Interpretationen angemessen, mal zurückhaltend, mal dynamisch, ohne jemals aufdringlich zu wirken. Die Künstlerin – so der Eindruck – erlebte die Lieder, die sie sang.

Dabei hatte sie das große Glück, von einem Pianisten begleitet zu werden, der den Flügel im Griff hatte. Zurückhaltend ließ Mori der Stimme den Raum, den sie brauchte. Pianist und Sängerin treten schon seit Jahren erfolgreich mit „Lied-Programmen“ auf.

Und doch war bei diesem Konzertabend in der Evangelischen Gemeinde zu Düren etwas anders. Gastgeber Stefan Iseke machte es bei seiner Begrüßung deutlich: „Meine Damen und Herren, der Titel des Konzerts „Gewaltsame Liebe: Unaussprechliches in Liedern ausgedrückt“ kann verstörend wirken“, versuchte er die ungewöhnliche Überschrift zu erklären.

Texte hinterfragen

Jedoch sei es jedem Besucher selbst überlassen, fuhr der Kantor der Evangelischen Gemeinde fort, den Melodien zu lauschen oder zusätzlich die Texte zu hinterfragen, ob Schriftsteller und Dichter wie Goethe, Körner, Schlegel, Claudius, Mörike, Rousseau oder Schiller in ihren Versen verklausulierte Anklagen erheben, die auf sexuellen Missbrauch in früheren Jahrhunderten hindeuten könnten.

In der Tat lassen sich einige Textstellen finden, die auf „gewaltsame Liebe“ hinweisen könnten. In Theodor Körners Gedicht „Liebeständelei“, vertont von Schubert, ist zu lesen: „Liebchen, warum zierst du dich? Sieh, dein Sträuben hilft dir nichts.“ Warum sträuben, wenn Liebe im gegenseitigen Einverständnis geschehen soll? Sehr bekannt ist Goethes „Heidenröslein“, in dem es heißt: „Knabe sprach: Ich breche dich.“ Und eine Strophe weiter: „Und der wilde Knabe brach´s … Röslein wehrte sich und stach, half ihm doch keine Weh und Ach, musst es eben leiden.“

Liebe und Tod waren in früheren Jahrhunderten oft nicht voneinander zu trennen. Liebesleid und Liebesfreud waren Zwillinge. Mädchen und Frauen mussten sich fügen. Waren sie „in Schande gefallen“, mussten sie die schlimmen Folgen meist alleine ausbaden. Man sprach nicht darüber, man schwieg.

Einige Gäste, die bis dahin Lieder von Brahms und Schubert unbedarft ob ihrer Schönheit und Harmonie gehört hatten, sind seit dem Konzert vielleicht etwas „hellhöriger“ geworden.

Veranstaltet wurde das Konzert von der Evangelischen Gemeinde zu Düren in Kooperation mit „Im Zentrum Lied“.

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