Aus Selbsthass Gedanken auf CD gebracht

Von: Rolf Hohl
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Brachten die Platte „Entzweit“ heraus: der todkranke Patrick Aspell (l.) aus Weeze und Simon Kreß im Studio in Düren. Foto: Rolf Hohl

Düren. Eine kleine musikalische Überraschung dieser Tage kommt aus einer kleinen Wohnung in Düren. Und wer die Geschichte von Patrick Aspell nicht kennt, würde dessen Texte allzu schnell für das übliche bedeutungsschwangere Gerede eines jungen Rappers halten.

Aber der Tod, ein häufig wiederkehrendes Thema auf seinem gerade erschienenen Album „Entzweit“, ist ein stetiger Begleiter von Aspell. Der 21-Jährige aus Weeze leidet seit seiner Geburt an Mukoviszidose. Das ist eine unheilbare Krankheit, welche die Lunge angreift und unweigerlich zu einem frühen Tod führt.

„Ich wusste irgendwann nicht mehr, wie viel Zeit mir für die Musik noch bleibt, also habe ich dieses Album angepackt“, sagt Aspell. Unter dem Namen „Phoenix Beatz“ hat er zusammen mit seinem Freund Simon Kreß im eigenen kleinen Studio in Düren eben dieses Album produziert und kürzlich veröffentlicht.

Knapp 30 000 Mal angesehen

Die Resonanz darauf hat die beiden selbst ein wenig überrascht. Im ersten Monat wurden ihre drei Musikvideos, die sie zur Veröffentlichung ins Internet gestellt hatten, knapp 30.000 Mal angesehen. Für Produzent Kreß, 22, der ursprünglich aus Aachen kommt und als „Nepreno“ Musik macht, ist das auch eine Bestätigung für die viele Arbeit, die in der Platte steckt.

Bis auf wenige Teile haben sie die Instrumentale selbst eingespielt und abgemischt. „Da gibt es natürlich auch Tage, an denen wir zehn Stunden im Studio sitzen, und es kommt am Ende nur Mist dabei heraus“, sagt er.

Entstanden sind schließlich 14 Stücke, auf denen klassische Musik auf Hip-Hop-Beats trifft und die von Aspells Texten getragen werden. Diese seien in seinen schwierigen Lebensphasen entstanden, wie er sagt. „Ich habe mich oft selbst gehasst, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mit meiner Krankheit eine Belastung für meine Familie sei.“ Irgendwann habe er überhaupt nicht mehr mit seinen Eltern darüber gesprochen und seine Gedanken stattdessen in die Liedtexte fließen lassen.

Ein Dorn im Auge

Seinen offensiven Umgang mit der Erkrankung ist einigen dennoch ein Dorn im Auge. Manche würden ihm vorwerfen, sich darüber profilieren zu wollen, so Aspell. „Meine Texte kann man aber nur verstehen, wenn man auch den Hintergrund kennt. Da besteht dann natürlich die Gefahr, dass man nur noch über die Krankheit definiert wird.“

Produzent Kreß sieht das pragmatisch: Einige Fans hätten sie dadurch zwar verloren, aber dafür auch viele neue hinzugewonnen. Das Ziel sei es letztlich, mit der Musik anderen Menschen Mut zu machen. Auch Patrick Aspell hat neuen Mut geschöpft. Mit einem neuen Medikament hat er die Krankheit in den Griff bekommen, und bis auf regelmäßige Antibiotika-Therapien im Krankenhaus kann er ein beinahe normales Leben führen.

Wird sich jetzt, da es ihm besser geht, auch seine Musik verändern? „Die neuen Lieder sind tatsächlich etwas fröhlicher“, sagt er. „Die Tiefe soll aber bleiben. Da wird es also demnächst nicht nur noch ums Blümchenpflücken gehen.“

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