Aus Kostengründen: Stadt lässt Kiefer fällen

Von: Burkhard Giesen
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Nideggen. Jürgen Quandt aus Nideggen ist sauer. Vor einigen Tagen hat er beobachtet, wie ein Trupp der Stadt Nideggen anrückte, die Motorsäge zückte, und in der Nähe des Nideggener Sportplatzes am Ortseingang eine uralte Kiefer gefällt hat. Vollkommen unnötig, wie Quandt findet. War die Fällaktion vermeidbar?

Der Revierförster hatte die Kiefer begutachtet, erklärt Marco Dederichs von der Nideggener Stadtverwaltung. „Die Kiefer war im oberen Bereich in der Mitte faul“, fasst Dederichs das Untersuchungsergebnis zusammen. „Wir mussten also handeln, weil die Gefahr bestand, dass Teile des Baumes abbrechen und zum Beispiel auf den Sportplatz fallen.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung – was den Zustand des Baumes betrifft – kam auch die Untere Landschaftsbehörde beim Kreis Düren, sie zieht allerdings einen vollkommen anderen Schluss als die Stadt Nideggen. Josef Kreuzer von der Kreisverwaltung: „Eine Sichtkontrolle des Baumes durch die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Düren hat ergeben, dass die Kiefer aufgrund ihres Alters und ihrer Ausprägung zwar einige Vorschäden aufweist, die Maßnahmen zur Verkehrssicherung notwendig erscheinen lassen, eine vollständige Fällung jedoch aus fachlicher Sicht zur Wiederherstellung bzw. Herstellung der Verkehrssicherheit nicht notwendig ist.“

Im Gegenteil: Die Behörde hat die Stadt sogar gebeten, „die Fällung des Baumes nochmals zu überdenken“. Eingreifen konnte die Untere Landschaftsbehörde allerdings nicht. Josef Kreutzer: „Eine gesetzliche Grundlage zur Erhaltung des Baumes besteht jedoch nicht, daher lag die Entscheidung zur Fällung des Baumes im Ermessen der Kommune.“

Bald keine alten Bäume mehr?

Und die hat sich deshalb für die Fällung entschieden, weil sie weitere Kosten befürchtet hat. Kämmerer Marco Dederichs: „Hätten wir den Baum stehen gelassen, hätten wir ihn ständig kontrollieren müssen. Ich habe aber nicht die Masse an Personal, dass ich da jede Woche jemanden vorbei schicken kann.“ Dafür hat Jürgen Quandt fast noch Verständnis, auch wenn ihn schon die Argumentationskette ärgert: „Bedeutet das jetzt, dass aus Kostengründen in Nideggen kein Baum mehr alt werden kann?“, fragt Quandt beabsichtigt provokativ.

Noch viel mehr regt er sich aber über einen anderen Umstand auf: „Bevor man so etwas macht, hätte die Stadt auch an die Öffentlichkeit gehen können. Ich hätte für diesen Baum eine Patenschaft übernommen.“ Zumal es nicht der erste Fall dieser Art ist: Vor mehreren Jahren wurde zwischen Rather Straße und Friedhof eine alte Trauerweide gefällt. In die war damals der Blitz eingeschlagen und der Stamm war innen hohl. Auch die war ohne Ankündigung gefällt worden. Quandt: „Ein guter Bekannter von mir hatte damals schon seine Bereitschaft erklärt, eine Patenschaft für die Trauerweide zu übernehmen.“

Kämmerer Marco Dederichs gesteht noch ein, dass „uns die Entscheidung nicht leicht gefallen ist“. Vielleicht folgt ja demnächst auch noch die Zusage, dass man vor der nächsten Fällaktion erst auf die Suche nach Baumpaten geht, damit auch in Nideggen Bäume alt werden können.

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