Aus dem passionierten Jäger wird ein überzeugter Naturschützer

Von: sj
Letzte Aktualisierung:

Düren. Dieser Mann gehört wahrscheinlich zu jenen Söhnen der Stadt, die im Lande bekannter sind als zu Hause. Zumindest in Kreisen von Naturschützern und Naturliebhabern hat der Name Carl Georg Schillings einen noch heute ausgezeichneten Klang.

Um die Jahrhundertwende reiste der betuchte Gentleman in die damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika (das heutige Tansania). Zunächst als passionierter Jäger und - man darf es so sagen - als Tourist; später im Dienste der Wissenschaft und im Auftrag der Museen.

Der Bedarf an ausgestopften Giraffen, Elefanten und anderen Tieren aus den „exotischen Ländern” war riesig - ebenso die Chance auf ein gutes Geschäft. „Doch schon bei seiner zweiten Reise ist Schillings klargeworden, dass sich innerhalb kürzester Zeit die Populationen drastisch reduziert haben”, sagt Schillings-Experte Rolf Terkatz vom Trägerverein des Dürener Stadtmuseums.

Dort wird ein Großteil des Nachlasses aufbewahrt - und bis vor Kurzem wurde er ausgestellt. Weil die Sammlung aus Platzgründen vorübergehend ausgelagert werden muss, lud das Stadtmuseum zu einem Vortragsabend ein. Mehr als 100 Menschen folgten der Einladung und ließen sich von Rolf Terkatz mit auf eine bebilderte Reise in das Afrika der Kolonialzeit entführen.

Carl Georg Schillings, der anders als sein Bruder, der Komponist, Dirigent und Opernintendant Max von Schillings, in Düren kaum bekannt ist, erkannte, dass gehandelt werden muss. Er formulierte im Januar 1901 einen Entwurf für ein Tierschutzgesetz in den deutschen Kolonien. Aus dem Abenteurer und Jäger wurde ein Forscher und Entdecker - ein Naturschützer. „Er war ein Vorreiter des Naturschutzes im Kaiserreich”, resümiert Terkatz.

Schillings korrespondierte mit den amerikanischen Präsidenten Wilson und Roosevelt, er verfasste Manifeste. Und er betrat Neuland, als er Gewehr gegen Kamera tauschte. In der Tierfotografie - er spezialisierte sich auf Nachtaufnahmen - setzte er Maßstäbe. Sein Buch „Mit Blitzlicht und Büchse” wurde ein Bestseller. Schillings ließ die Tierwelt erfahrbar werden, ohne ausgestopfte Exemplare. Seine Bilder und Bücher gingen um die Welt.

„Ich kann nicht genug hervorheben, um welch unendlichen Reichtum einer großen und herrlichen Tierwelt es sich da handelt, und ich möchte meine Stimme erheben, um alle, die Macht in Händen haben, zu veranlassen zu retten und zu erhalten, was noch zu retten ist!” Diese Zeilen hat Schillings 1905 verfasst. Sie haben an Aktualität nichts verloren. Wegen der großen Resonanz soll der Vortrag wiederholt werden. Der Termin steht noch nicht fest.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert