Düren - Aus Alt mach Neu: Künstler Stefan Wassong kann nichts wegwerfen

Aus Alt mach Neu: Künstler Stefan Wassong kann nichts wegwerfen

Von: Sarah Maria Berners
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Kunst aus dem Schaukelstuhl: S
Kunst aus dem Schaukelstuhl: Stefan Waßong ist Hobby-Künstler mit nicht ganz alltäglichen Ideen. Foto: smb

Düren. „Ich kann nix wegwerfen. Kennen Sie das?”, fragt Stefan Waßong. „Kenn ich”, werden Sie jetzt sagen. Oder zumindest kennen Sie jemanden, der das kennt. Sammeln, das machen viele. Stefan Waßong, macht aus dem, was er nicht wegwirft Kunst.

Zum Beispiel aus Stuhllehnen oder den Seitenteilen von Schaukelstühlen. Aber er nutzt auch das, was andere entsorgen: Als Zeitungsbote ist er morgens einer, der der Sperrmüllabfuhr zuvorkommt. Waßong baut auch Skulpturen aus „mumifizierten” Blumen oder macht aus alten Kunstwerken neue.

Der 48-Jährige zerschneidet alte Gemälde und fügt sie als Puzzle in Holzrahmen oder nimmt nur einen Ausschnitt des gesamten Werkes als neues Bild.

„Es ist einfache Kunst, aber ehrliche”, zitiert er den Dürener Galeristen Lutz Rohs. Und es ist eine Kunst, die den Betrachter zweimal hinschauen lässt. Die Kunst als Hobby hat Waßong schon in der Kindheit für sich entdeckt. Im Kinderzimmer in der Alten Schule in Gey, der Vater war dort Schulleiter, hat der junge Stefan sich an Kreidebildern probiert, wegwischen, neu machen, anders machen.

Am Wochenende konnte er mit seinen drei Geschwistern den Werkraum nutzen. Nach dem Umzug baute er sich mit Freunden ein Fotolabor. Seine Eltern haben Tonfiguren, Bastelarbeiten und Bilder verwahrt. „Sie erachteten sie als zu wertvoll, um sie wegzuwerfen.”

Heute ist Stefan Waßong froh darüber. „Ich habe festgestellt, dass ich meine Beurteilung im Laufe der Zeit verändert habe”, sagt Waßong. In der Schule sei die unkreative Benotung, der Besser-Schlechter-Aspekt ins Spiel gekommen. „Leider”, sagt Waßong. Dabei sei Kreativität so wichtig für die Entwicklung, das Berufsleben.

Für ihn zähle heute vor allem der Prozess, das Machen. „Das emotionale, unmittelbare ist für mich der Sinn der Kunst”, sagt Waßong. Malen, Zeichnen und Handwerken sind für Waßong entspannende Prozesse. Und bei ihm laufen die Prozesse häufig parallel. Einer direkt erkennbaren Linie folgt die Kunst des Düreners daher nicht.

Porträts, Zeichnungen, Skulpturen, mal abstrakt, mal naturalistisch, mal penibel detailliert, mal großflächig und grob. „Ich mag es, mich mit vielen verschiedenen Dingen auseinanderzusetzen. Ich will mich nicht festbeißen”, sagt Waßong. Gleichwohl gibt es in seinen Arbeiten Serien, die einer Linie folgen.

Da wäre zum Beispiel die Arbeiten aus alten Stühlen, aus Lehnen, Seitenteilen, Sitzplatten. Da wären die Arbeiten aus Naturmaterialien wie Schafswolle, Pflanzen, Holz. Und dann wären da Aquarelle auf Papier und Portraits. Waßong verarbeitet Erinnerungen und Emotionen, Geschichten und Geschichte. Geduld ist eine Stärke, die der Hobby-Künstler mitbringt.

Tage, Wochen, Monate, Jahre

„Es gab Zeiten, da habe ich aus Ungeduld Bilder kaputt gemalt”, erzählt Waßong. Mit der Zeit habe er gelernt, sie zu Ende zu gestalten. „Das kann allerdings bedeuten, dass sie Tage, Wochen, Monate oder Jahre darauf warten, bis es weitergeht.” Nicht selten entsteht aus dem Alten etwas ganz Anderes. „Wegwerfen? Warum Dinge wegwerfen?”
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