Aufrüttelndes Konzert: Cappella Villa Duria gedenkt Zerstörung Düren

Von: Hannes Schmitz
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Oratorienchor und Sinfonieorchester der Cappella Villa Duria unter der Leitung von Johannes Esser boten eine exzellentes Gedenkkonzert zur Erinnerung an die Zerstörung Dürens. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Die dritte Station des Gedenkens an die völlige Zerstörung Dürens am 16. November 1944 – nach den Feiern auf dem Friedhof und auf dem Kaiserplatz – wurde zu einem besinnlichen und aufrüttelnden Konzertabend.

Zwischen den Aufführungen von Giuseppe Verdis „Stabat Mater“ aus Quattro Pezzi Sacri und Johannes Brahms‘ „Ein Deutsches Requiem“ durch den Oratorienchor und das Sinfonieorchester der Cappella Villa Duria unter der Leitung von Johannes Esser hatte Bürgermeister Paul Larue das Wort ergriffen – und er war ergriffen.

Er sagte, die Auswahl der Musikstücke vermittele an einem solchen Tag Hoffnung und Zuspruch, und er definierte das Requiem von Johannes Brahms als „ein Oratorium des Trostes“. Der 16. November, fuhr Paul Larue von der Kanzel aus fort, vermittle die Konfrontation mit dem Tod, rufe die Erinnerung wach an die Menschen, die in diesen Stunden in der Stadt waren, als der Angriff kam, lasse die Trauer aufleben an die Menschen, Zwangsarbeiter und Soldaten, „die im Bombenhagel erschlagen wurden, in den Kellern erstickten und in der Feuersbrunst verbrannten“. Die „verbrecherische Politik der Nazis schlug auf die unschuldige Zivilbevölkerung zurück“. Die Texte der Kompositionen aus der hebräischen Bibel zeigten aber auch „Wege der Hoffnung und des Trosts auf“.

Klangliche Delikatessen

Der Abend in der Marienkirche wurde zu einem aufwühlenden Ereignis. Klangvoll und tief anrührend interpretierte der Oratorienchor unter dem Dirigat von Johannes Esser das „Stabat Mater“. Eine ausgereifte, ausgefeilte und intonationstreue Leistung bot der bestens disponierte Chor in den ergreifende Passagen mit so mancher klanglichen Delikatesse. Nicht immer gelang dies in den dramatischen, machtvollen Ausbrüchen, wenn die Sopranstimmen den Hörgenuss minderten. Allerdings überwog die große musikalische Dichte, zu der auch das Sinfonieorchester mit einer abgewogenen, wandlungsfähigen und klanglich nuancierten Leistung beitrug bis zum mystisch verklärten Amen.

Der Bürgermeister hatte es angesprochen, die Cappella Villa Duria setzte Johannes Brahms Wunsch, das jeden Menschen treffende Erleben von Leid und Trauer musikalisch darzustellen und den Zurückgebliebenen Trost und Zuversicht zu geben, in einer beeindruckenden Weise um. Chor und Orchester verschmolzen zu einem facettenreichen Gesamtklang. Die Konzert- und Trauergemeinde konnte Gefühle wie Trauer, Schmerz und Erlösung nachempfinden. Das Requiem wurde zu einer emotionalen Aufführung zwischen romantisch üppigem Klang und klassischer Genauigkeit. Johannes Esser verstand es, Chor und Musik Räume zu geben, um Stimmungen auszuformen.

Das Publikum erlebte einen in weiten Teilen überragenden Chor – eine ergreifende Darbietung, die zwar die emotionale Teilnahme förderte, aber nie ins Sentimentale abglitt. Bei der Besetzung der Solopartien bewies der musikalische Leiter der Cappella Villa Duria treffsicheres Gespür. Harald Martini (Bariton/Bass) brachte seine erhaben geführte Stimme ausdrucksvoll zur Geltung und Katharina Bergrath bot mit ihrem strahlenden Sopran zwar einen kurzen, aber überwältigenden, exzellenten Auftritt. Eine Aufführung, die vom stehenden Publikum mit nicht enden wollendem Beifall belohnt wurde.

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