Düren - Aufklärungsarbeit: Rechtsradikalismus in den Fokus gerückt

Aufklärungsarbeit: Rechtsradikalismus in den Fokus gerückt

Von: Jörg Abels
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Demonstrationen - wie hier in
Demonstrationen - wie hier in Merken Anfang 2010 - zählen zu den regelmäßigen Aktionen des Foto: Abels

Düren. „Schön wäre natürlich, unsere Arbeit wäre überflüssig”, betont Pfarrerin Susanne Rössler, die seit der Gründung des Dürener Bündnisses gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Gewalt vor fünf Jahren zur achtköpfigen Sprechergruppe gehört. Doch davon kann keine Rede sein.

Auch wenn der NPD-Kreisverband wieder Geschichte ist, dessen Gründung Anfang 2007 die Notwendigkeit des bereits Monate zuvor angestoßenen Bündnisses noch einmal stärker ins Bewusstsein rückte.

Nur auf den ersten Blick ruhig

„Wir dürfen uns keine Illusionen machen, auch wenn es auf den ersten Blick in Düren ruhiger geworden ist”, betont die Pfarrerin. Zum einen seien die handelnden Personen auch ohne NPD-Parteimitgliedschaft immer noch aktiv. Zum anderen - und das ist ihr noch viel wichtiger - verweist die Pfarrerin auf Studien der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, „die zeigen, welch erschreckend hohe Zustimmung rechtsextreme, fremdenfeindliche, antisemitische und menschenfeindliche Aussagen 60 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus in Deutschland erfahren”.

Deshalb sei es wichtig, dass sich die 2008 im bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie” ausgezeichnete Bündnisarbeit von Beginn an nicht nur auf gezielte Aktionen beschränkt habe, „sondern auf Dauer ausgelegt war und ist”, mit einer breiten Vernetzung in möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen. „Es ist sicher eine Besonderheit des Dürener Bündnisses, dass jeder mitmachen und seine Vorstellungen einbringen kann”, betont die Sprecherin.

Der vielleicht größte Erfolg der Dürener Bündnisarbeit in den vergangenen fünf Jahren ist nach Ansicht Rösslers, das Thema Rechtsradikalismus mit den Arbeitsgruppen immer wieder in den öffentlichen Fokus gerückt zu haben, beispielsweise mit Workshops für Jugendliche Ausstellungen, Vorträgen, aber natürlich auch mit Kundgebungen, Demonstrationen und Veranstaltungen wie der Putzaktion in Düren. Im April 2010 wurde die Stadt von rechtsradikalen Aufklebern gesäubert.

„In Stadt und Kreis ist in den vergangenen Jahren ein großes Netzwerk entstanden - mit dem Bündnis als Kristallisationspunkt”, freut sich Rössler beispielsweise über die Aktionen der Initiative „Vett-Cult” in der Gemeinde Vettweiß, die fortwährenden Bemühungen von Jo Ecker mit seiner bereits 2002 gegründeten Aktion „Fußballvereine gegen Rechts”. Aber auch das wachsende Interesse von Migrantenorganisationen an einer Zusammenarbeit mit dem Bündnis ist ihr wichtig.

Dass die Bündnisarbeit an vorderster Front auch Gefahren mit sich bringt, musste Susanne Rössler vor allem zu Beginn erfahren. Drohanrufe waren keine Seltenheit. Doch die Einschüchterungsversuche prallten an ihr ab. „Ich kann alle nur ermuntern, ihre Meinung zu sagen und sich gegenseitig Mut zuzusprechen”, betont die Bündnis-Sprecherin. „In die Öffentlichkeit zu gehen ist dabei der beste Schutz.” Nächste Gelegenheit ist der morgige Freitag. Im Vorfeld der Vollversammlung in der Marienkirche startet um 17 Uhr an der Ditib-Moschee (Veldener Straße) ein Demonstrationszug unter dem Motto: „Stoppt den braunen Terror”. Zu Beginn der Vollversammlung (18.30 Uhr) wird der Aachener Journalist Michael Klarmann in der Marienkirche einen Überblick über die aktuelle Situation der rechten Szene im Kreis Düren geben.

1133 Privatpersonen und 206 Gruppen sind Mitglied

Gegründet wurde das Bündnis gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Gewalt am 30. Januar 2006. Aktuell sind 1133 Privatpersonen und 206 Vereine, Institutionen und Gruppen Mitglied.

Aktuelle Informationen über das Bündnis, aber auch zur Möglichkeit der aktiven Mitarbeit in einem der Arbeitskreise (Aktion & Aufklärung, Jugend & Schule, Integration sowie Kultur & Sport) sowie Kontaktadressen gibt es im Internet unter der Adresse: http://www.duerener-buendnis.de
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