Aufklärung gegen das Unwissen

Von: bugi
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Die Idylle der Postkartenansicht vom Zwangsarbeiterlager in Arnoldsweiler trügt. Entkräftung, Mangelernährung und Gewaltexzesse waren an der Tagesordnung. Foto: Martin Fröhlich/Stadt- und Kreisarchiv Düren
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Ulrich Titz (IG BCE) sucht für eine Ausstellung Bilder und Dokumente zu dem Strafgefangenenlager in Arnoldsweiler. Foto: bugi

Düren. Erinnern will Ulrich Titz, verhindern, dass die Geschichte des Strafgefangenenlagers in Arnoldsweiler in Vergessenheit gerät. Kann dieser düstere Teil der jüngeren Geschichte zwischen 1933 und 1945 überhaupt in Vergessenheit geraten?

Titz ist Gewerkschafter, engagiert sich in der Dürener Ortsgruppe der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Viele, vor allem junge Menschen, kennen die Geschichte von 1933 bis 1945 gar nicht mehr“, sagt er. „Ich habe in unserer Gewerkschaftsjugendgruppe nachgefragt, was sie denn über das Zwangsarbeiterlager in Arnoldsweiler wissen.

Das Ergebnis war erschreckend – nicht einer kannte das Lager.“ Nicht das einzige Erlebnis dieser Art für Ulrich Titz, der für die IGBCE vom 15. bis 25. November eine Ausstellung über Zwangsarbeit zurück ins Dürener Rathaus holt, die so ähnlich 1999 bereits gezeigt wurde.

„Ich habe eine Schule angesprochen, ob Interesse daran besteht, das Thema im Unterricht aufzuarbeiten. Als Reaktion bekam ich eine Rückmeldung von einem Geschichtslehrer, der mich gefragt hat, wann man sich das Lager denn mal anschauen könnte“, erzählt Ulrich Titz etwas fassungslos.

Das Unwissen hat ihn erschreckt und war für ihn Antrieb, sich noch intensiver mit der Thematik auseinanderzusetzen. Das noch vor einem anderen Hintergrund. Der Gewerkschafter Titz sitzt für die SPD im Kreistag, hat das Erstarken von rechtspopulistischen Kräften erlebt: Von der Kameradschaft Aachener Land über den NPD-Vertreter, der in den Kreistag eingezogen war, bis hin zum Rechtspopulismus der AfD.

„Gewerkschaftsarbeit bedeutet auch, sich vor Ort einzumischen und gegen solche Entwicklungen anzukämpfen“, sagt Titz, der nach weiteren Dokumenten und Bildern im Zusammenhang mit dem Strafgefangenenlager Arnoldsweiler forscht. Immerhin wurden die Menschen, die dort gefangen gehalten wurden, in der gesamten Region eingesetzt – egal ob in der Industrie oder in der Landwirtschaft. „Das waren billige Arbeitskräfte, die dementsprechend heiß begehrt waren“, erklärt Titz.

Welchem Leiden die Menschen ausgesetzt waren, wurde jüngst noch mal deutlich, als in Schmidt an die russischen Kriegsgefangenen erinnert wurde, die im Außenlager Strauch ums Leben gekommen waren – sie stammten allesamt aus dem Stammlager in Arnoldsweiler. 30 Baracken gab es dort ab März 1940.

Untergebracht wurden vor allem polnische, russische und französische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Rund 9200 Menschen sollen bis Kriegsende insgesamt interniert gewesen sein. Vor allem die russischen Gefangenen sollen besonders schlecht behandelt worden sein. Entkräftung, Mangelernährung und Gewaltexzesse waren an der Tagesordnung.

Wie sehr Themen aus der Zeit der Nazi-Diktatur auch heute noch mit einem Tabu belegt sind oder einfach schamvoll verschwiegen werden, hat Titz an anderer Stelle erfahren. Am 18. Juni 1941 wurden morgens um 7 Uhr zwischen Hoven und Echtz die polnischen Kriegsgefangenen Walenty Piotrowsky und Franciszek Wysocki hingerichtet.

Sie sollen Beziehungen zu deutschen Frauen gehabt haben, so der Vorwurf damals. „Alle ihre Kriegskameraden aus der Umgegend mussten der Hinrichtung beiwohnen“, heißt es in einer Chronik. „Darüber und dass es ein Zivilarbeitslager in der Nähe des Sportplatzes gab, spricht im Dorf niemand. Ich musste 60 Jahre alt werden, um davon zu erfahren“, sagt Titz. Genau gegen dieses Vergessen will er angehen, „um die Erinnerung wach zu halten.“

Wer Bilder oder Dokumente zum Straflager Arnoldsweiler besitzt, kann Ulrich Titz unter Telefon 0163/ 8888745 oder per E-Mail unter ulrich.titz@googlemail.com erreichen.

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