Auf Wiedersehen heißt diesmal Adieu

Von: Jörg Abels
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In dieser Woche wird beim Sän
In dieser Woche wird beim Sängerbund Oberzier unter Leitung von Dirigentin Regina Unger (r.) noch eifrig geprobt, schließlich soll das Jubiläums- und Abschiedskonzert am Samstag den Besuchern noch lange in guter Erinnerung bleiben. Foto: Abels

Oberzier. Wenn Dirigentin Regina Unger am Samstagabend das Lied „Dankeschön und Auf Wiedersehen” anstimmt, wird bei den Aktiven des Sängerbunds Oberzier eine gehörige Portion Wehmut in der Stimme mitschwingen.

Gut möglich, dass auch das eine oder andere Auge feucht werden wird. Auf Wiedersehen heißt nämlich in diesem Fall Adieu. Der Chor verabschiedet sich nicht bis zum nächsten Mal, sondern für immer.

Mit dem Jubiläumskonzert aus Anlass des 90-jährigen Bestehens tritt der Sängerbund von der Bühne ab. „Schweren Herzens”, versichert der langjährige Vorsitzende Heinz-Josef Wirtz. Keine Goldene Hochzeit mehr im Ort, bei der die Sängerinnen und Sänger ein Ständchen geben, keine Kranzniederlegung am Ehrenmal mehr, die musikalisch bereichert wird, kein weiteres Konzert.

Durchschnittsalter über 70

Nach neun Jahrzehnten fehlt es dem Sängerbund schlichtweg an Nachwuchs. Auf über 71 Jahre ist das Durchschnittsalter der 25 verbliebenen Aktiven mittlerweile angestiegen. Kein Wunder, dass viele schon vor Monaten angekündigt haben, mit dem Jubiläumskonzert Textheft und Noten für immer aus der Hand zu legen.

Personelle Zäsuren hat es auch bei früheren Jubiläen schon gegeben, beispielsweise beim 50-Jährigen im Jahr 1971, nach dem sich der damals noch reine Männerchor auch für Frauen öffnete und bei der ersten Probe gleich auf 40 Stimmen anwuchs. Das ist jetzt anders.

Heinz-Josef Wirtz spricht von einer negativen Entwicklung, die nach dem 75-Jährigen vor 15 Jahren nicht mehr gestoppt werden konnte. „Wir haben alles versucht, sind von Tür zu Tür gegangen, um neue Sänger zu begeistern, haben Rundschreiben vor allem in den Neubaugebieten verteilt”, berichtet Wirtz. Die Resonanz war gleich null.

Ganze sechs Herren sind dem einstigen Männerchor neben 19 Frauen heute geblieben, der 87-jährige Alfred Kowalke musste sogar für das Jubiläumskonzert reaktiviert werden. Trotzdem: zweistimmiger Männergesang - das war einmal.

Und was hat der Sängerbund, der noch 2002 mit dem Titel „Leistungschor der Stufe I” ausgezeichnet wurde, in seiner langen Geschichte nicht alles erlebt. 1921 gegründet, übernahm der Chor schon 1923 die Ausrichtung der Kirmes im Ort, und neben Liederabenden und Konzerten wurden in den frühen Jahren auch Theaterstücke aufgeführt. Ab 1950 gingen die Sänger in den Karneval, richteten lange Jahre Kappensitzungen und Kostümbälle aus.

Das alles ist am Samstagabend Geschichte. Es bleibt die Erinnerung an vier Dirigenten (Wilhelm Pelzer 1921 bis 1961, Willi Franken bis 1961 bis 1984, Christian Werres 1988 bis 1984 und Marie Cierplikowski (1997 bis 2010), drei Vorsitzende (Johann Jakobs, Alexander Vogt und Heinz-Josef Wirtz) und unzählige Mitstreiter auf einem langen musikalischen Weg.

Woran das mangelnde Interesse Jüngerer am Chorgesang liegt? Heinz-Josef Wirtz kann nur mutmaßen: „Vielleicht liegt es ja auch an unserem Repertoire, das im wesentlichem aus deutschem Liedgut besteht”, räumt er ein. Denn auch der im Jahr 1979 gestartete Versuch, mit einem Kinder- und Jugendchor den Nachwuchs zu sichern, schlug fehl. Fünf Jahre später kam das Aus. Zu den Erwachsenen wechselte keiner.

Wenn Heinz-Josef Wirtz in die Chronik blickt, werden immer neue Erinnerungen wach, auch an viele gesellige Treffen, Feiern und Ausflüge. Und die soll es auch in Zukunft weiter geben, kündigt der Vorsitzende an, auch wenn der Abschied von der Bühne beschlossene Sache ist. Schließlich hat der Verein neben den Aktiven auch noch 67 inaktive Mitglieder.

Abschied mit Gastchören und Musikschul-Orchester

Das Abschiedskonzert des Sängerbunds Oberzier findet am Samstag, 15. Oktober, 17 Uhr, in der Aula der Gesamtschule Niederzier/Merzenich in Oberzier statt.

Neben dem Gastgeber treten zwei Chöre auf, die schon früher die Sängerbund-Konzerte bereichert haben: der MGV 1863 Altdorf und der RWE-Chor Eschweiler.

Zwischen den Vorträgen der Chöre spielt das Symphonische Orchester der Muskschule der Gemeinde Niederzier unter Leitung von Eva-Maria Gaul.

Das Programm des gut dreistündigen Konzerts enthält einen bunten Melodienstrauß vom traditionellen Volkslied über Operette und Oper bis zum Musical.

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