Auf Spurensuche in der Ginnicker Geschichte

Von: Daniela Martinak
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Zwei Hobbyforscher brauchen Hi
Zwei Hobbyforscher brauchen Hilfe: Johannes Grunwald (l.) und Harald Krug sammeln alles über die Geschichte Ginnicks. Über 100 Seiten Dorfchronik haben sie schon zusammengetragen. Foto: Martinak

Ginnick. „Was waren das schöne Zeiten”, schwelgt Therese Thelen beim Betrachten der uralten Fotos in Erinnerungen. Die 95-Jährige kann sich zwar aufgrund ihrer Demenzerkrankung nicht mehr an alles erinnern, aber hin und wieder fallen ihr noch Anekdoten aus der guten alten Zeit ein.

Mit Harald Krug und Johannes Grunwald, die ebenfalls aus Ginnick kommen, blättert sie durch den schweren Aktenordner auf dem Tisch. Vor 65 Jahren zog Therese Thelen in das kleine Örtchen der Gemeinde Vettweiß.

Drei Kinder hat sie dort großgezogen und Dinge erlebt, über die die heutige Generation nur staunen kann. „Es gab hier 20 landwirtschaftliche Höfe, vier Lebensmittelgeschäfte. Und jetzt nichts mehr von all dem”, erinnert sich auch ihre Tochter, Margot Schröder. Sogar Wein sei im Ort früher angebaut worden, Patronatsfeste und Theaterabende wurden gefeiert und Schuluniformen gehörten mal zum Alltag.

Über 100 Seiten Dorfchronik liegen vor den Vieren. Darunter Urkunden, Zeitungsausschnitte, Bilder und Dokumente der Kirche, der alten Schule, sämtlicher Dorfvereine und von Gebäuden, die es heute gar nicht mehr gibt. „Wir hatten eine Burg hier. Das wissen viele gar nicht. An die zahlreichen Bunker, die einmal auf der Straße zwischen Ginnick und Froitzheim gestanden haben, erinnern sich auch nur noch wenige”, sagt Grunwald.

Vor zwei Jahren machte er sich mit Krug an die Arbeit, die Geschichte Ginnicks wieder auszugraben. Und auch heute noch sammeln die beiden tatkräftig weiter. Auch, wenn der Ordner schon aus allen Nähten platzt. „Es ist gar nicht so einfach, an Material zu kommen”, gibt Krug zu. Manche Mitbürger seien nicht breit, ihre Schätze preiszugeben. Dabei sei die Sorge unbegründet. Bilder werden abfotografiert, Dokumente eingescannt und Urkunden kopiert. Die Originale erhalten die Ginnicker sofort wieder zurück.

„Viele scheinen ihre Geheimnisse bewahren zu wollen. Dabei ist es doch wichtig und auch interessant für die kommenden Generationen, wie es einmal in Ginnick ausgesehen hat”, findet Krug.

Ursprünglich fing alles mit der Suche nach den eigenen Familienwurzeln an. Ein bisschen Heimatkunde kam dazu, Besuche beim Dürener Geschichtsverein, und plötzlich wurde aus der Familienchronik mehr. Als sie auf einen Flugzeugabsturz im Jahr 1943 stießen, machten sich Krug und Grunwald auf die Suche und fanden prompt kleine Wrackteile. Fundamente des ehemaligen Kuhpescher Hofs und Ruinen eines Tagebaus sowie einiger Bunker holte das Duo im Zuge der Recherchen wieder ans Tageslicht. Eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1949 erinnert sogar noch an Zeiten vor dem heutigen Wahrzeichen Ginnicks, dem Wasserturm. Und auch aus dem Ursprungsjahr des Ortes, 1176, tauchten Belege auf.

Bald sollen die ersten Treffen mit interessierten Dorfbewohnern stattfinden. Die meisten Namen der abgebildeten Personen haben die Hobbyhistoriker zwar mit Hilfe von Thelen, Schröder und weiteren älteren Ginnickern bereits ermittelt, aber alle sind noch nicht identifiziert.

Vor allem mit Hilfe des Ginnicker Urgesteins Josef Schnitzler wurden schon viele Geheimnisse des Örtchens gelüftet. „Egal, wer noch etwas über unser Dorf zu sagen hat. Wer noch alte Fotos, Briefe oder andere Dokumente versteckt hält. Um die Geschichte Ginnicks zu vervollständigen, sind wir auf Mithilfe angewiesen”, sagen Grunwald und Krug, der unter 02425/7648 gerne Nachfragen beantwortet.
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