Auf Spuren eines Toten: Gelöstes Rätsel, überraschende Wende

Von: Burkhard Giesen
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Düren/Stapenhill. Sechs Buchstaben waren es, die der englischen Heimatforscherin Jean Hood im Frühjahr keine Ruhe mehr ließen und sie bis nach Birkesdorf führten. Sie wollte die Geschichte von Paul Peter Titz aufklären, der auf dem Soldatenfriedhof von Stapenhill beerdigt ist und am 29. November 1946 im Alter von 23 Jahren im Gefangenenlager Sudbury ums Leben gekommen war.

Die letzten offenen Fragen sind inzwischen geklärt – rechtzeitig zum 70. Todestag von Paul Peter Titz. Diesen Tag nutzte Jean Hood auch, um am Grab des Düreners eine kleine Zeremonie abzuhalten.

Als wir Mitte März das erste Mal über die Nachforschungen von Jean Hood berichteten, hatte sie viele Details schon zusammengetragen: Sie konnte nach vielen Stunden in Archiven anhand des Totenscheins der Grabesinschrift „PP TITZ“ den kompletten Namen, das Alter und die Herkunft zuordnen. Titz war demnach Steward in der Handelsmarine, geriet in Kriegsgefangenschaft und kam bei einem Arbeitseinsatz ums Leben. Unklar war aber, ob noch Verwandte von Titz in Düren leben und auf welchem Schiff Titz als Steward tätig war.

Mit Hilfe unserer Leser konnten wir die Schwester des Birkesdorfers ausfindig machen, die noch in Düren lebt. 1940 hatte sich Titz demnach zur Handelsmarine gemeldet – im Alter von 16 Jahren. Offensichtlich wollte er so dem Kriegsgeschehen entgehen. Das ist ihm allerdings nicht gelungen, wie Jean Hood jetzt rekonstruieren konnte. Titz war ab 1940 Kapitäns-Steward auf dem Schiff „Gonzenheim“.

Jean Hood: „Das diente damals als Spähschiff für das Schlachtschiff ‚Bismarck‘ und den Kreuzer ‚Prinz Eugen‘.“ Die „Bismarck“ hatte beim sogenannten „Unternehmen Rheinübung“ am 24. Mai 1941 den britischen Schlachtkreuzer „Hood“ versenkt. Dabei kamen 1415 britische Soldaten ums Leben. Die englische Navy machte anschließend Jagd auf das deutsche Geschwader.

Die „Gonzenheim“, auf der Paul Peter Titz seinen Dienst versah, wurde im Juni abgefangen. „Paul, der damals 17 Jahre alt war, kam als Kriegsgefangener erst nach Schottland, dann nach England und später nach Kanada. Da blieb er bis zum Sommer 1946“, berichtet die englische Heimatforscherin. Als er dann im Sommer zurück nach England verlegt wurde, dürfte er mit seiner baldigen Freilassung gerechnet haben.

Stattdessen kam er einen Tag nach seinem 23. Geburtstag bei einem Arbeitseinsatz ums Leben. Wie sehr die englische Heimatforscherin das Schicksal des jungen Birkesdorfers beschäftigt hat, zeigt sich auch bei der kleinen Gedenkfeier, die sie eigens zum 70. Todestag von Peter Paul Titz an seinem Grab organisiert hat.

„Es war ein herrlicher Tag – sehr kalt, aber ein blauer Himmel. Ich habe ein paar Blumen auf sein Grab gelegt. Ein protestantischer Ordenspfarrer hat Verse aus der Bibel gelesen und Gebete gesprochen, anschließend hat ein katholischer Pfarrer gebetet. Er hat den Grabstein mit heiligem Wasser gesegnet“, berichtet Jean Hood, die die Geschichte von Paul Titz inzwischen auch in einem kleinen Buch aufbereitet hat. Für sie sei es eine „Pflicht“ gewesen, das Schicksal dieses jungen Deutschen zu recherchieren – ohne zu wissen, was da wirklich auf sie zukommt.

„Ich war zum Beispiel erleichtert als ich auf dem Totenschein las, dass er als Steward bei der Handelsmarine tätig war. Er hätte ja auch Soldat bei der Waffen SS gewesen sein können“, erzählt sie. Dass aber ausgerechnet eine Heimatforscherin namens Jean Hood auf das Grab eines Soldaten trifft, der zu dem Geschwader gehörte, das mit der Versenkung des britischen Kriegsschiffes „Hood“ eine der schlimmsten Tragödien während des 2. Weltkrieges ausgelöst hat, verblüfft die Heimatforscherin selbst.

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