Auf Salzsuche in Bosnien und Rumänien

Von: Christoph Lammertz
Letzte Aktualisierung:
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Jede Menge Arbeit für den Winterdienst: In Düren ist diesmal doppelt so viel Salz gestreut worden wie in durchschnittlichen Wintern.

Düren. Die Temperaturen steigen. In den kommenden Tagen bis in zweistellige Dimension, wenn wir den Wetterfröschen glauben dürfen. Zeit, einen Schlussstrich unter den Winter zu ziehen. Eine strengen Winter. Einen teuren Winter.

So viel Salz wie in den vergangenen Monaten musste in hiesigen Gefilden lange nicht mehr gestreut werden. So viele vom Frost verursachte Fahrbahnschäden mussten lange nicht mehr behoben werden. Richard Müllejans, der Leiter des Dürener Service Betriebs (DSB), nennt die dazugehörigen Zahlen: „650 bis 1000 Tonnen Streusalz verbrauchen wir in einem durchschnittlichen Winter. Diesmal waren es rund 1700 Tonnen. Und die 20.000 Euro, die wir sonst jährlich für Kaltasphalt und Reparaturmörtel zum Fahrbahnflicken ausgeben, sind jetzt schon weg.”

Gemessen an den Mehrkosten beim Streugut nimmt sich der Zusatzaufwand für die Straßenreparaturen allerdings bescheiden aus. Denn während sich die Menge Salz und Splitt (etwa 10 Prozent des gesamten Streuguts), die benötigt wurde, nur in etwa verdoppelt hat, haben sich die Kosten fast verdreifacht. In ihrem Bestreben, immer genügend Vorrat für mindestens zwei bis drei Tage zu haben, mussten Müllejans und seine Leute zum Teil auch, wie es der DSB-Chef nennt, „extreme Preise” zahlen. Für 50 Euro ist in harmlosen Wintern bereits eine Tonne Streusalz zu haben, jetzt legte der DSB einmal sogar 300 Euro dafür hin. Und Müllejans & Co. mussten viel Kreativität an den Tag legen, um überhaupt regelmäßig an Nachschub zu kommen. Normalerweise bezieht der DSB von „seinem” deutschen Lieferanten das Streugut. Es wird geordert, geliefert, gestreut. Das klappt meist reibungslos.

Doch diesmal hieß es dort häufig: Kein Salz mehr da! Aus Frankreich, aus Bosnien und einmal über einen österreichischen Lieferanten aus Rumänien beschaffte sich der DSB deshalb seine dringend benötigte Ware. „Jetzt liegt uns sogar ein günstiges Angebot aus Ägypten vor”, verrät Müllejans. 3000 Tonnen könne man erstehen, was allerdings nur in Kooperation mit dem Kreis Düren sinnvoll sei. Denn in diesem Jahr, da ist der DSB-Chef sicher, wird von dem wertvollen Gut in Düren nicht mehr viel gebraucht. „Zwei bis drei Tage Schnee werden wir irgendwann im März noch haben. Das warÔs dann aber auch”, schlüpft Müllejans in die Kachelmann-Rolle.

Liegt er mit seiner Prognose richtig, dann sind für seine Mitarbeiter die Zeiten der frühen Schichten vorerst vorbei. Um 3 Uhr morgens begann für einige der Winterdienstleute zuletzt regelmäßig die Arbeit. Um 11 Uhr, sagt Müllejans, war dann aber auch meist Schluss. Die Kollegen übernahmen auf den sechs großen Streufahrzeugen, den zwei kleinen Kehrmaschinen oder in den bis zu 20 Zweier- und Dreierteams, die die Wege zu Fuß von Schnee und Eis befreiten. Überstunden seien trotz der besonderen Situation nicht im großen Stil angehäuft worden, sagt der DSB-Leiter. Auch nicht bei den sechs Männern des Service Betriebs, die in diesen Tagen die Frostschäden auf den Straßen flicken. „Da müssen andere Aufgaben halt warten”, erklärt Müllejans. Erst im April schließt der DSB seinen Winterdienst endgültig ab. Bürgersteigplatten, die sich durch die Kälte gelöst haben, sollen dann wieder befestigt werden.

Und was bedeuten die gestiegenen Kosten für den Dürener Gebührenzahler? „Er wird nicht mehr zahlen müssen”, verspricht Müllejans. „Für solche Fälle haben wir eine Rücklage gebildet. Das erlaubt uns, die Gebühren trotz dieses besonderen Winters stabil zu halten.”
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