Auf einen Schlag das Geschäft und die Familie zerstört

Von: Wolfgang Schumacher
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DEU , DEUTSCHLAND : Die Goettin Justitia auf dem Roemerberg in Frankfurt DEU , GERMANY : The Justitia goddess in Frankfurt 18.06.2014 DEU Germany the Goddess Justitia on the Roemer mountain in Frankfurt DEU Germany The Justitia Goddess in Frankfurt 18 06 2014

Aachen/Düren. In der Verhandlung über den brutalen Überfall auf ein Dürener Juwelier-Ehepaar im September 2010 sagten am Montag die nächsten Verwandten der damals 70 und 73 Jahre alten Opfer vor dem Aachener Schwurgericht aus. Erschütternd waren die Einblicke, die sie in die familiären Folgen der Tat gewährten.

Denn die älteren Herrschaften waren brutal zusammengeschlagen worden, so massiv, dass die Ehefrau des Juweliers noch heute in Koma liegt. Ihr Mann muss seit dem Überfall sein Leben in einem Rollstuhl bewältigen.

Der mutmaßliche Täter Vasilica M. (37) hatte bereits am ersten Verhandlungstag die Tat in Grundzügen gestanden, dabei aber seinen Tatbeitrag vermutlich schön geredet. Um an den Schmuck im Gesamtwert von rund 150.000 Euro zu kommen, war er über ein „auf Kipp“ stehendes Fenster im ersten Stock in die Privaträume des Ehepaares eingedrungen.

Sie hätten dort gesessen und in den Fernseher geschaut, hatte er berichtet. Er sei bemerkt worden und der ältere Mann habe sich auf ihn gestürzt. Dann habe er zuerst ihn niedergeschlagen, später die Frau, weil sie laut geschrien habe. Die Verletzungen beider waren jedoch so massiv, dass man schwerlich davon ausgehen kann, dass die Schläge den Opfern ohne jegliches Hilfsmittel zugefügt worden sind.

Beide Töchter des Opferpaares wohnen als Nebenklägerinnen der Verhandlung bei, die Aufschluss über die damaligen Geschehnisse bringen soll. Schwer genug, da nach der langen Zeit – erst durch einen DNA-Treffer in der Datenbank war der Angeklagte in Baesweiler aufgespürt worden – einiges im Tatverlauf nicht mehr vollständig rekonstruierbar ist.

So machte die Kripo, drei Polizeibeamte sagten am Montag in dem Fall aus, nochmals deutlich machten, dass die Spurenlage einen Überfall von mindestens zwei Tätern, wenn sogar nicht noch mehr, nahe lege. Doch Vasilica M. hatte zunächst seinen Schweigervater in spe als Mittäter belastet, eine Behauptung, die sich nach den Ermittlungen der Kripo als falsch erwiesen hatte. Der so Belastete wurde kurz nach seiner Verhaftung wieder auf freien Fuß gesetzt, M. schweigt jedoch zu der Existenz möglicher Komplizen.

Ein Schlaglicht auf die Frage, ob der Juwelier an jenem unglücklichen Abend wirklich, wie es der Täter behauptet, auf diesen losgegangen war, warf die Aussage seines Schwiegersohnes. Der 51-jährige Wilhelm N. aus Düren berichtete zunächst, wie er in jener Nacht von der Polizei zum Haus gerufen wurde, weil er einen Schlüssel für die Außentüren des Hauses der Schwiegereltern verwahrte.

„Als mein Schwiegervater“, erklärte er weiter vor dem Vorsitzenden Richter Roland Klösgen, „mir damals den Schlüssel gab, da hat er mich ausdrücklich beiseite genommen und mir seine Philosophie mitgeteilt. Solle es jemals in meiner Gegenwart zu einem Überfall kommen, dann solle ich – so wie er – überhaupt nichts tun“, schilderte er die Einstellung des Juweliers. In diesem „Notfallplan“ rangiere das unversehrte Leben an erster Stelle. Deswegen könne er der Darstellung wohl kaum folgen. N. erzählt, wie toll die Schwiegereltern gewesen seien. „Sie waren für mich wie meine leiblichen Eltern“, erklärte er das sehr emotionale Verhältnis.

Der Anblick seiner Schwiegermutter an jenem Abend, die „röchelnd mit ihrem Kopf in einer Blutlache“ lag, verfolge ihn bis heute in seine Träume. Eine der Töchter berichtete, wie der brutale Überfall mit einem Schlag das Geschäft und die Familie zerstört habe. Die Eltern überlebten das Verbrechen zwar, sind aber bis heute ein Pflegefall. Doch selbst die nächste Generation litt unter diesem massiven Geschehen, eine bereits erwachsene Tochter muss sich bis heute therapeutische Hilfe holen. Der Prozess wird heute fortgesetzt

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