Auf der Riesenfarm in Kanada: Bis in die Nacht die Ernte einbringen

Von: Sandra Kinkel
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Langerwehe/Sasketchewan. Auf die Frage, was er von seiner Heimat am meisten vermisst, muss Max Graff aus Langerwehe nicht lange überlegen. „Natürlich alle, die ich sonst um mich habe“, sagt er. „Omas selbst gemachte Frikadellen und die Brötchen vom Bäcker nebenan. Backwaren sind hier definitiv noch ausbaufähig.“

Max Graff ist 24 Jahre alt, hat 2011 an der Langerweher Europaschule Abitur gemacht und danach seinen Bachelor in Agrarwissenschaften. Im Augenblick arbeitet er an seiner Masterarbeit und macht ein dreimonatiges Praktikum auf einer riesigen Farm in der kanadischen Provinz Sasketchewan. „Sasketchewan“, erklärt Max Graff, „wird auch die ‚Getreidekammer Kanadas‘ genannt.

Neben der Ölindustrie ist die Landwirtschaft der größte Industriezweig.“ Die Idee für das Auslandspraktikum hat sich während des Studiums in Bonn ergeben, auf „seinen“ Betrieb in Kanada ist er durch ein Internetvideo auf „Youtube“ aufmerksam geworden. „Es war ein Landmaschinenvideo“, erzählt der junge Mann. „Und ich habe den Herausgeber einfach kontaktiert. Der Rest war sehr einfach.“

Das Melken der Kühe

Max Graff stammt nicht von einem Bauernhof, sein Vater arbeitet bei der Polizei, seine Mutter ist Gemeindereferentin. Trotzdem sagt er, dass er quasi mit der Landwirtschaft groß geworden ist. „Bei uns in der Nachbarschaft gab es einen Betrieb. Dort habe ich das Traktorfahren und das Kühemelken gelernt und später auf einem großen Gemüsebaubetrieb im Dorf geholfen. Landwirtschaft ist genau das, was ich immer machen wollte.“

Klar sind die Unterschiede zwischen dem Gemüsebaubetrieb in Langerwehe und dem Ackerbaubetrieb in Kanada immens. Max Graff: „Der Betrieb in Kanada bewirtschaftet rund 4500 Hektar Ackerland.“ Zum Vergleich: 4500 Hektar sind ungefähr so groß wie 6300 Fußballfelder. Auf der Farm werden Linsen (kleines Foto links), aber auch Raps, Weizen und Sojabohnen angebaut.

Max Graff ist seit Beginn der Ernte für einen der drei Mähdrescher verantwortlich. „Ich übernehme tägliche Wartungs- und Servicearbeiten“, erzählt er. „Hauptsächlich arbeite ich aber natürlich auf dem Feld.“ Vor allem die Größe des Betriebes ist für den jungen Mann beeindruckend. „Wenn wir mit der Ernte fertig sind, habe ich über 1500 Hektar Feld selbst gedroschen. Bis ich die zu Hause zusammenbekommen würde, müssten einige Erntejahre ins Land ziehen.“

Die Arbeitstage auf der kanadischen Farm sind lang. Morgens um sieben Uhr geht es los mit dem Betanken und Säubern der Mähdrescher. „Eventuell werden noch defekte Messer ausgetauscht“, erzählt Max Graff. „Sobald der Tau getrocknet ist, starten wir die Drescher.“ Je nach Wetter- und Windlage wird bis tief in die Nacht auf den Feldern gearbeitet. „Gegen 18 Uhr wird uns ein Abendessen auf das Feld gebracht. Die Mähdrescher haben ein GPS-System, so dass die Helfer von der Farm uns gut finden, und wir dann während der Fahrt auf den Mähdreschern essen können.“

Max Graff genießt die Zeit in Kanada. Anfang Oktober bekommt er Besuch aus der Heimat, dann will er mit seinen Lieben zwei Wochen lang das Land erkunden. Vor allem einige Nationalparks und die Rocky Mountains will der Agrarwissenschaftler sich ansehen. „Ich habe schon mit ein paar Kollegen ein Rodeo-Event besucht, bei dem viele Einheimische und andere Farmer waren. Die Menschen hier in Kanada sind sehr aufgeschlossen und nett. Man kommt schnell in Gespräch.“ Erst im Dezember wird Max Graff wieder zurück nach Hause fahren.

„Ich freue mich schon darauf, mit all meinen Lieben Weihnachten zu feiern. Und im neuen Jahr werde ich dann meine Masterarbeit zu Ende schreiben und mein Studium abschließen.“

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