Auf den „Tag X” bestens vorbereitet

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
kreuzau_ftz_bilder
In der Leitstelle des Kreis Düren nehmen Mitarbeiter der FTZ rund um die Uhr Notrufe entgegen, alarmieren die Feuerwehren und koordinieren den Rettungsdiensteinsatz. Foto: Abels

Stockheim. Wenn Martin Thiedeke von möglichen Gefahren für die Bürger im Kreis Düren spricht, kann sich der Brandamtmann unzählige Szenarien vorstellen. Nicht nur den „Kalten November” mit sintflutartigem Regen, Orkan, Frost und Schnee, den Krisenstab und Einsatzleitung des Kreises erst im vergangenen Herbst bei einer groß angelegten Katastrophenschutzübung simulierten.

Sollten beispielsweise nach Erdbeben, Chemieunfällen oder großflächigen Waldbränden Situationen eintreten, die von den Einsatzkräften in den 15 Städten und Gemeinden nicht mehr alleine bewältigt werden können, und offiziell eine „Großschadenslage” ausgerufen wird, laufen alle Fäden im Feuerschutztechnischen Zentrum des Kreises Düren (FTZ) am Stockheimer Ortsrand zusammen.

An diesem „Tag X” muss alles reibungslos funktionieren - zum Schutz der Menschen. Darauf muss der Kreis als Behörde vorbereitet sein. Gefahrenabwehrplanung lautet daher das Zauberwort - das Fachgebiet von Martin Thiedeke im 22-köpfigen FTZ-Team.

Einstige Schlauchpflegestation

Im Volksmund oft nur „Leitstelle” genannt, verbirgt sich hinter den Mauern des FTZ jedoch viel mehr als „nur” der Arbeitsplatz der Männer, die rund um die Uhr die telefonisch über 112 aus dem Kreisgebiet eingehenden Notrufe bearbeiten, die benötigten Feuerwehrkräfte alarmieren und den Rettungsdiensteinsatz zwischen Heimbach und Titz koordinieren. Seit der kommunalen Neugliederung 1972 ist die einstige Schlauchpflegestation kontinuierlich ausgebaut und erweitert worden.

Sie beheimatet heute nicht nur die Verwaltung des zuständigen Fachamtes, sondern „als überörtliche Einrichtung zentral für den Kreis Düren all diejenigen Aufgaben, die die Leistungsfähigkeit der einzelnen Wehren übersteigt”, erklärt Gottfried Kückhoven, Leiter des Amtes für Feuerschutz und Rettungswesen im Kreis Düren; und die Ausrüstungsgegenstände, deren Anschaffung die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen übersteigen.

Dazu gehört beispielsweise eine Drehleiter, die fast täglich von Stockheim aus ins Kreisgebiet ausrückt. Im FTZ stehen aber auch die verschiedensten Container bereit, die per Lkw im Fall des Falles „Huckepack” zum Einsatzort transportiert werden können. Container zur Bekämpfung von Gefahrgutunfällen, zum Austausch und zur schnellen Wiederbefüllung von Atemschutzgeräten, für den Einsatz auf der Schiene in ansonsten unzugänglichem Gelände, für den Massenanfall von Verletzten oder einfach nur mit Löschwasser und -schaum gefüllte.

Aber damit nicht genug: Vom Bobcat bis zum Mehrzweckboot mit Außenbordmotor, vom Motorrad für Kradmelder bei Großschadenslagen über einen Pick-Up bis zum Einsatzleitstellen-Lkw - für nahezu jedes erdenkliche Unfall- oder Schadensszenario sind Fahrzeuge in Stockheim stationiert. Sie können direkt von der Leitstelle über die Alarm- und Ausrückeordnung der Feuerwehren mitalarmiert oder vom Einsatzleiter vor Ort angefordert werden.

Erst im vergangenen Jahr hat Martin Thiedecke sich für den Kauf eines Buggy-ähnlichen Gefährts für den Einsatz im schwer zugänglichen Gelände eingesetzt. Mit zwei Seilwinden ausgestattet, kann der „RZR”, liebevoll von der FTZ-Mannschaft „Purzel” getauft, auch einen Notarzt mitnehmen und einen Verletzten bergen. „Sie glauben gar nicht, wie oft der schon zum Einsatz gekommen ist”, betont der Experte.

Das FTZ beherbergt aber nicht nur Spezialfahrzeuge, es dient den Feuerwehren der Städte und Gemeinde auch als wichtiger Servicepartner - nach Einsätzen bei der Reinigung der Schutzbekleidung und Schläuche, die im 30 Meter hohen Schlauchturm zum Trocknen aufgehängt werden, oder bei der Überprüfung, Wiederbefüllung und TÜV-Abnahme der Atemschutzgeräte. Um die im Einsatz tragen zu dürfen, muss jeder Feuerwehrmann im Übrigen regelmäßig in Stockheim auf einer eigens installierten Atemschutzteststrecke seine körperliche Fitness nachweisen.

Überhaupt ist ständige Übung und Ausbildung für den Ernstfall von entscheidender Bedeutung. Im Schulungszentrum des FTZ findet nach der Grundausbildung der Feuerwehrmänner in den Kommunen auch die Weiterbildung statt; zum Truppführer oder im Gefahrgutbereich, erklärt Gottfried Kückhoven.

Deshalb ist im und rund um das FTZ auch immer etwas los, vor allem abends und an den Wochenenden, wenn die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort sind. Auf einer großen Modelllandschaft mit verschiedenen Modulen kann Martin Thiedecke die unterschiedlichsten Schadenslagen simulieren - Gefahrenquellen gibt es genug. Und alle erfordern schnelles und effizientes Handeln der Einsatzkräfte vor Ort, bei Großschadenslagen aber auch des Krisenstabs und der Führungsebene.

Zahlen und Fakten: 37.500 Einsätze in 2009

Mit 37.500 Einsätzen war das Team der Rettungsleitstelle des Kreises im Jahr 2009 statistisch gesehen über 100-mal pro Tag gefordert. 26.950-mal war der Rettungsdienst im Einsatz (2008: 26.700). Die Feuerwehren rückten 2500-mal aus (2008: 2400). Unter der Rubrik Unwetter wurden 360 Einsätze vermerkt, rund 6800 weitere fallen in die Kategorie „Sonstige”.

Unter den fast 27.000 Rettungsdiensteinsätzen, die die Leitstelle 2009 abarbeitete, entfiel das Gros auf die Wachen in Düren und Jülich (22.850). 4150-mal waren die Rettungsdienststationen gefordert, die der Kreis Düren in Nideggen, Schlich, Nörvenich und Hürtgenwald unterhält.

Die FTZ-Mitarbeiter rückten 2009 mit ihren speziellen Hilfsgeräten zu 380 Einsätzen aus, deutlich häufiger als 2008 und 2007, als sie 310- und 287-mal angefordert wurden.

3200 Schläuche wurden gepflegt, 4600 Atemschutzgeräte überprüft. Das Schulungszentrum war 664-mal belegt (2008: 490), die Atemschutzübungsstrecke 140-mal (2008: 120).

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert