Auch in Düren treten immer mehr Christen aus der Kirche aus

Von: Christoph Lammertz
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In den vergangenen Wochen haben in Düren doppelt so viele Christen der Kirche den Rücken gekehrt wie zur gleichen Zeit 2008. Foto: Lammertz

Düren. Kein einziger hat sich bei ihm gemeldet. Keiner der gut 70 Gemeindemitglieder, die der Kirche seit seinem Dienstantritt Ende 2004 in den Dürener Pfarren St. Bonifatius und St. Antonius den Rücken gekehrt haben. Doch Pfarrer Josef Wolff sucht den Kontakt. Und so hat der engagierte Seelsorger erfahren, was hinter den allermeisten Kirchenaustritten steckt.

„Bei etwa 90 Prozent sind es wirtschaftliche Gründe. Die Leute sehen einfach die Möglichkeit, Geld zu sparen.”

Die Flucht der Gläubigen beunruhigt die Katholische Kirche. Vor allem im Bistum Aachen. Denn die Austrittswelle schlug dort zuletzt besonders hoch. Dabei darf natürlich darüber spekuliert werden, welche Rolle die angeordneten Zwangsfusionen spielen.

In Düren, wo sich die Katholiken bis Ende des Jahres auf den Weg in eine Großpfarre machen müssen, stieg die Zahl der Kirchenaustritte 2008 auf 598 gegenüber 426 im Jahr zuvor.

Diese Zahlen nennt das Amtsgericht Düren, wo gegen Vorlage von Personalausweis und Meldebescheinigung sowie 30 Euro Bearbeitungsgebühr der Austritt unspektakulär vollzogen werden kann.

Zwischen katholischen und evangelischen Christen wird in der Gerichtsstatistik nicht unterschieden. Da aber die Zahlen bei der Evangelischen Kirche relativ konstant sind, liegt es nahe, dass die Zwangsfusion für manche der Grund war, der Kirche den Rücken zu kehren.

Dass zwischen dem 19. Januar und dem 2. Februar dieses Jahres 42 Christen - und damit doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2007 - beim Amtsgericht ihre Kirchenaustritt erklärten, lässt sich sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit erklären: Der Umgang von Papst Benedikt XVI. mit der Priesterbruderschaft PiusX. durfte dabei sicher eine Rolle spielen.

„Auch darüber können wir nur spekulieren”, sagt Pfarrer Josef Wolff. Denn auch in der aktuellen Diskussion habe kein verärgerter Katholik den Kontakt zu ihm oder einem Mitbruder gesucht, bevor er seine Mitgliedschaft in der Kirche kündigte.

Worüber Wolff sich ärgert: „Diese Leute werfen dem Papst unmögliches kommunikatives Benehmen vor und gehen dann direkt zum Amtsgericht, ohne mit uns ein Wort zu reden.”

Wer sich einmal dazu entschlossen hat, der Kirche den Rücken zu kehren, der wird seine Entscheidung nach einem Gespräch mit dem Pfarrer nicht rückgängig machen, weiß Josef Wolff. Deshalb verzichten manche seiner Mitbrüder auch darauf, noch einmal den Kontakt zu suchen. Wolff sieht das anders.

Das Amtsgericht meldet den Kirchenaustritt dem Generalvikariat beim Bistum, von dort wird die Wohnortpfarre unterrichtet. Wolff sucht jedesmal den persönlichen Kontakt. Kommt der nicht zustande, schreibt er einen Brief.

Seine Botschaft: Wir respektieren Ihre Entscheidung, unsere Türen steht Ihnen aber jederzeit offen. In seinen Briefen geht Wolff auch speziell auf das finanzielle Motiv für einen Kirchenaustritt ein. „Ich bitte Sie zu bedenken, dass jeder Kirchenaustritt Folgen für das gesellschaftliche Engagement der Kirche hat”, heißt es in seinen Schreiben, bevor der Pfarrer Beispiele wie die Finanzierung von Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Pfarrheimen oder caritative Projekte nennt.

Kann die katholische Kirche vor Ort etwas unternehmen, um den Negativtrend zu stoppen? „Wir werden keine gezielte Kampagne ,Bleiben Sie in der Kirche! starten”, sagt Wolff. „Aber wir werden unsere Arbeit weiter so gut wie möglich machen. Das ist unsere einzige Chance.”
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