Atzes Allerlei aus dem Ruhrpott

Von: sj
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Ein Mann redet Klartext, ohne Rücksicht auf Verluste: Atze Schröder begeisterte 2250 Fans in der Arena Kreis Düren. Foto: Johnen

Düren. Bescheidenheit ist vermutlich sein zweiter Vorname, also ließ es der Ruhrpott-Proleten-Darsteller Atze Schröder in der Arena Kreis Düren auch von der ersten Minute an richtig krachen. Was anderenorts ein Finale wäre, war dem Komiker in der ausverkauften Halle am Freitagabend als Einstieg gerade gut genug: Atze Schröder ließ einen Helikopter abstürzen.

Unversehrt - und gut im Haar liegend - rettete sich der selbst ernannte Revolutionär aus dem Wrack - und ließ sich vor 2250 Zuschauern feiern. Es war das erste Mal, und es sollte nicht das einzige Mal an diesem Abend bleiben.

Die Zeiten, resümierte Atze Schröder Breitband-philosophisch, haben sich geändert. Lothar Matthäus verstehe unter einer Silberhochzeit vermutlich die 25. Heirat, Nina Hagen konvertiere zum Christentum, „weil ihr nichts anderes mehr einfällt”, und Deutschland wird aus Schröders Sicht von zwei Frauen regiert. „Die ganze Welt dreht durch”, ist Atze überzeugt. Eine Lösung hatte er auch parat: Revolution! Radikal! Unabdingbar!

Doch wie genau Comandante Atze sich das revolutionäre Umdenken vorstellte - nun, das war eine geheime Kommandosache und blieb folglich geheim. Ansätze und vermutlich nicht ganz so ernst gemeinte Vorschläge lieferte er jedoch ausreichend: einmal mit dem Porsche den Nachwuchs im Waldorf-Kindergarten abholen beispielsweise. Eine radikal-revolutionäre Sache.

Fernsehen, Film, Politik, Gelbe Seiten und Bunte Magazine: Comandante Atze nahm bei seiner Bestandsaufnahme der suboptimal laufenden Dinge kein Blatt vor den Mund - und schreckte auf nicht davor zurück, die männlichen und weiblichen Genitalien beim Namen zu nennen. Ja, der Comandante gab sich derb - und überraschte beizeiten mit durchaus feinsinnigen Akzentuierungen. Allerdings nicht bei seinem Wahlspruch für eine bessere Zukunft: „Wir brauchen Eier!” Atze Schröder verdeutlichte, dass die Welt wieder echte Kerle braucht. Kerle wie Angela Merkel beispielsweise, ist der Komiker überzeugt. Und Kerle wie ihn, natürlich. „Auf dem Olymp des guten Geschmacks wird die Luft auch schonmal dünner. Das muss man aushalten”, verkündete er.

Atzes Allerlei aus dem Ruhrpott ist deftige Hausmannskost, die beim Publikum gut ankommt. „Atze schafft es, Alltägliches fantastisch zu transportieren”, versuchte Michael Fleischhauer seine Faszination für den Komiker in Worte zu packen. Atze reichere eigentlich Banales an, um es einem breiten Publikum schmackhaft zu machen. Alles weitere regelt dann aus Sicht von Zuschauer Fabian Berger der Dialekt. So leicht ist das also? Möglich. Doch andererseits: Atze Schröder ist ein echter Kerl. Vermutlich der letzte.
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