Inden/Altdorf - Asylkreises Inden: Gegenseitiges Kennenlernen hat Priorität

Asylkreises Inden: Gegenseitiges Kennenlernen hat Priorität

Von: ptj
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Erster Runder Tisch zur „Indegration“: Knapp 40 Bürger beteiligen sich angeregt am Prozess. Foto: Jagodzinska

Inden/Altdorf. Sprache und Bürokratie, gefolgt von mangelnder Mobilität und Wohnraumversorgung standen ganz oben auf der Liste der „Stolpersteine“, die knapp 40 Mitwirkende am ersten Runden Tisch „Indegration“ (Kunstwort aus Inden und Integration) des Asylkreises Inden ausgemacht hatten.

Folglich fiel den Mitstreitern im Pfarrzentrum Inden/Altdorf als erste Soforthilfemaßnahme ein Dolmetscher ein, der Einrichtungen wie Kindergarten und Schule besucht. Nötig sei ebenfalls eine Begleitperson, etwa zur Tafel nach Lucherberg und Schophoven.

Die aktuellen Methoden des Spracherwerbs geflüchteter Erwachsener sollten nach Anregung der Moderatorin überdacht werden. Bei letzterer handelte es sich um die Pfarrerin und Fußballtrainerin Sjöfn Müller-Thór, die „selbst vor acht Jahren als Ausländerin nach Inden gekommen ist“.

Der Wunsch der Isländerin, beim „Brainstorming“ selbst und gegenüber den zehn geflüchteten Gästen am Runden Tisch auf „viel Respekt“ zu stoßen, wurde hundertprozentig erfüllt. Die anwesenden Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, Irak und Syrien, bei letzteren handelt es sich um eine fünfköpfige Familie.

Der elfjährige Sajed Suleman aus Syrien erzählte auf Einladung der Pfarrerin die Geschichte der Flucht seiner Familie aus Angst vor Entführung, Krieg und Tod. Er berichtete etwa über seine nächtliche Fahrt im vollgepackten Lkw und überfüllten Schlauchboot. Sajed, der seine Freunde aus seiner Heimat „am meisten vermisst“, wird nach den Sommerferien das Gymnasium Overbach besuchen.

Verbunden mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmer aus Kirche, Einrichtungen, Vereinen, Privatleuten, sachkundigen Bürgern, einem Immobilienmakler und einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes war der Satz aus jedem Mund: „Wenn ich an Flüchtlinge denke...“. Wiederholt wurde in der Vollendung dieses Satzes die Freude lernwilliger Kinder im Integrationsprozess betont.

Engagement vieler Ehrenamtler

Jeder Teilnehmer fand nun zwei Zettel und einen Marker auf seinem Platz. Der rote sollte mit „Stolpersteinen“, der grüne mit „Lichtblicken“ in der Flüchtlingsarbeit beziehungsweise der persönlichen Erfahrung mit Flüchtlingen beschrieben und anschließend vorne an der Tafel vorgestellt werden. Auch die geflüchteten Menschen teilten mit, was ihnen fehlt und gefällt.

Als positiv wurde vor allem das herausragende Engagement so vieler Ehrenamtler, die Entstehung von Freundschaften, die kulturelle Vielfalt und die erfolgreiche Integration in Sportvereinen herausgestellt. Auch die geflüchteten Menschen zeigten sich hoffnungsvoll.

Detailliert beklagte die Versammlung fehlende Information und Transparenz in der Bürokratie, fehlende Unterstützung der Politik in Bund, Land und Kommune, aber auch fehlende Ansprechpartner innerhalb der Flüchtlingsfamilien durch sprachlich und kulturell bedingte Schwierigkeiten. So gab Reiner Lövenich vom Asylkreis eine Situation wieder, in der geflüchtete Frauen einen Sprachkurs besuchten sollten. Weil deren Männer sich aber in ihrer Abwesenheit nicht in der Lage sahen, auf die Kinder aufzupassen, scheiterte das Vorhaben.

So wurde der „To do“-Liste ganz oben der Punkt „Gegenseitiges Kennenlernen“ hinzugefügt. Als geeignete Ansprechpartner in Flüchtlingsfragen befand man neben der Politik und dem Bürgermeister an erster Stelle die „Indeland“-Gesellschaft.

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